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Wenn sich ein Botschafter gegen die eigene Regierung stellt
Aus Echo der Zeit vom 06.03.2021.
abspielen. Laufzeit 04:29 Minuten.
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Kritik an Militärjunta Riskanter Kampf eines burmesischen Botschafters

Kyaw Moe Tun sprach sich vor der UNO gegen die Militär-Regierung aus. Er kämpft für die Freiheit der jungen Generation.

Der burmesische Botschafter Kyaw Moe Tun überraschte die Welt, als er vor einer Woche der Militärjunta in seinem Heimatland öffentlich die Gefolgschaft verweigerte. Mit bewegter Stimme verurteilte er vor der UNO-Vollversammlung den Putsch. Damals sagte er: «Wir brauchen die stärkstmögliche Antwort der internationalen Gemeinschaft, um den Militärputsch sofort zu beenden, die Unterdrückung unschuldiger Menschen zu stoppen und die Staatsmacht an die Bevölkerung zurückzugeben.»

Internationales Lob für den Widerstand

Am Schluss seiner zehnminütigen Rede eine weitere Provokation für die Generäle: Kyaw Moe Tun hebt die rechte Hand zum Drei-Finger-Gruss, dem Symbol des burmesischen Widerstands. Der Auftritt machte ihn zu einem Helden in seiner Heimat, Lob kam auch aus Washington, London und weiteren Hauptstädten.

Botschafter Tscho Mo Tun.
Legende: Botschafter Tscho Mo Tun ist ein Vertrauter von Aung San Suu Kyi, die bis zum Putsch die Regierungsgeschäfte führte Reuters

Die Generäle hingegen stempelten ihn zum Landesverräter und erklärten Kyaw Moe Tun für abgesetzt. Doch auch der eilig ernannte Stellvertreter wollte die Lücke nicht füllen und stellte sich gegen die Junta.

Dies war nicht die letzte Blamage für die Putschisten, wie der Diplomat am Telefon erzählt. «Nicht nur in Genf, nein auch in Berlin, Washington DC und Los Angeles: Auf all diesen Posten haben sich burmesische Diplomaten entschlossen, keine Befehle mehr aus der Zentrale entgegenzunehmen.»

Wir sind sozusagen auf den Geschmack gekommen und wollen die Grundrechte behalten, die wir errungen haben.
Autor: Kyaw Moe TunBurmesischer Botschafter

Trotz seiner Absetzung anerkennen die UNO und zahlreiche Länder Botschafter Kyaw Moe Tun weiterhin als rechtmässigen Repräsentanten Burmas. Der 52-jährige Diplomat, der während seiner Karriere auch in Genf stationiert war, hat Erfahrungen mit Militärregierungen. Er vertrat als Jungdiplomat eine frühere Junta. Doch: Die letzten 10 Jahre in einem demokratischen System haben ihn geprägt.

«Wir sind sozusagen auf den Geschmack gekommen und wollen die Grundrechte behalten, die wir errungen haben. Und vor allem wollen wir, dass die junge Generation weiterhin in Freiheit aufwachsen kann.» Denn die Jungen sind es hauptsächlich, die sich heute auf den Strassen von Mandalay, Rangun und Naypidaw unbewaffnet dem Militär entgegenstellen – und dabei ihr Leben riskieren. «Gemäss Experten sind die Menschen, die friedlich demonstriert haben und getötet wurden, im Durchschnitt 17 Jahre alt. »

Junge halten Transparente gegen den Militärputsch in die Höhe.
Legende: Viele junge Burmesinnen und Burmesen stellen sich immer wieder unbewaffnet dem Militär entgegen. Keystone

Das Blutvergiessen könne nur durch internationalen Druck gestoppt werden, davon ist Kyaw Moe Tun überzeugt. Der Botschafter nimmt es der Junta nicht ab, wenn sie behauptet, Sanktionen würden sie kaltlassen. «Man muss die Finanzströme der Junta analysieren und die Verbindungen ins Ausland so schnell wie möglich kappen. Dann hat man sehr wohl eine Handhabe.»

Appell an internationale Gemeinschaft

Welche Länder er da in der Pflicht sieht, sagt Kyaw Moe Tun nicht explizit. Bedeutende Investitionen kommen aus China, Singapur oder auch Japan. Ob es der internationalen Gemeinschaft allerdings gelingt, die Generäle zur Raison zu bringen, ist fraglich.

Botschafter Kyaw Moe Tun und seine abtrünnigen Kollegen aus dem diplomatischem Corps gehen ein hohes Risiko ein. Ihre Verwandten in der Heimat sind in Gefahr und den Diplomaten im Ausland droht das Schicksal politischer Flüchtlinge. An dieses Szenario will Kyaw Moe Tun freilich gar nicht denken. Er kämpfe so lange gegen das Regime, wie er könne – bis zum Ende der Militärherrschaft.

Echo der Zeit, 06.03.2021, 18 Uhr

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Genau solche Diplomaten wie Herr Tscho Mo Tun brauchen die Menschen auf der Strasse als moralische Unterstützung. Ich hoffe weitere, nicht nur die in Berlin, Washington, DC und LA werden sich anschliessen. Ich wünsche für diese Menschen, dass ihre Familien zuhause für ihren Mut nicht bezahlen müssen. Dass sie in Gefahr sind, ist wohl allen klar. Menschen werden umgebracht, weil sie nicht mehr unterdrückt sein wollen. Wer, warum, wieso, weshalb?
  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Wann erkennen die Demokratien der Welt endlich, dass der Abwärtstrend von Menschenrechten und Freiheit gestoppt werden muss. Es ist der gleiche Kampf wie ihn die Polizei gegen die zunehmende Kriminalität, Korruption und häusliche Gewalt führt. Herr Tscho Mo Tun hat Recht: Die USA, Europa und Japan müssen die Junta zur Aufgabe zwingen, wenn nötig militärisch. Punkt!
  • Kommentar von Werner Gerber  (Emmentaler1)
    es ist treffend und stimmt, wie herr könig sagt. die leidige militärjunta, ist ein staat im staat. und weshalb? die militärmachthaber leben in saus und braus, weil die haben den opium und gesamten drogenhandel fest im griff, und sind an vielem beteiligt und gehört ihnen. und das wunderbare volk lebt in bitterer armut. respekt den diplomaten die sich gegen ihre junta erheben. nur muss die internationale gemeinschaft energisch etwas dagegen tun. china und russland sind die leidigen bremser.