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Legende: Audio «Jacinda Ardern leidet mit der Nation» abspielen. Laufzeit 03:24 Minuten.
03:24 min, aus HeuteMorgen vom 18.03.2019.
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Lob für Jacinda Ardern «Eine politische Führerin, wie sie sich so manches Land wünscht»

Nach dem Attentat hat die neuseeländische Regierung beschlossen, die Waffengesetze zu verschärfen. Treibende Kraft bei diesem Beschluss war Premierministerin Jacinda Ardern. Urs Wälterlin über die junge sozialdemokratische Politikerin und ihre Verdienste.

Urs Wälterlin

Urs Wälterlin

SRF-Mitarbeiter in Australien

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Der gebürtige Basler Urs Wälterlin, Link öffnet in einem neuen Fenster lebt seit 1992 in der Nähe der australischen Hauptstadt Canberra. Er berichtet von dort für SRF über Australien, Neuseeland und Ozeanien.

SRF News: Wird die junge Premierministerin der schwierigen Rolle als Krisenmanagerin gerecht?

Urs Wälterlin: Ja. Sie kommt rüber als politische Führerin, wie sie sich wohl so manches andere Land wünschen würde. Jacinda Ardern macht nicht nur einen kompetenten Eindruck, wenn es um das Management dieser grössten Krise der jüngeren Geschichte geht. Sie ist auch sehr mitfühlend.

Jacinda Ardern umarmt eine Frau aus der muslimischen Gemeinde
Legende: «Jacinda Ardern leidet mit den Angehörigen der Opfer», sagt SRF-Mitarbeiter Urs Wälterlin. Getty Images

Aus Distanz sieht das nach echter Anteilnahme aus. Wie wirkt das auf Sie?

Das ist sicher so. Ardern spielt keine Rolle, ihr Schmerz ist echt. Dieser zeichnet sich in diesen Tagen auch in ihrem Gesicht ab, wenn man die Bilder ansieht. Sie leidet mit den Angehörigen der Opfer, sie leidet mit der Nation, die vergangenen Freitag auf eine gewisse Art und Weise ein Stück ihrer Unschuld verloren hat.

Ihr Schmerz ist echt. Sie leidet mit der Nation.

Heute entschied das Kabinett in Neuseeland, die Waffengesetze zu verschärfen. Ist das ein Verdienst Arderns?

Ardern ist sicher die treibende Kraft. Sie hat gerade wegen ihrer Mischung von Mitgefühl und der Entschlossenheit, aus dieser furchtbaren Situation das Beste zu machen, eine Kompetenz, die ihr niemand absprechen will. Und sie hat nicht nur den Grossteil der öffentlichen Meinung hinter sich. Nach diesen schrecklichen Verbrechen hat sie auch die moralische Autorität.

Legende: Video Jacinda Ardern will Waffengesetze im Kabinett diskutieren (engl. Originalton) abspielen. Laufzeit 00:27 Minuten.
Aus News-Clip vom 18.03.2019.

Was muss sie als Nächstes anpacken?

Ein grosses Thema wird sein, wie man solche «Lone Wolf»-Attacken überhaupt verhindern kann. Ich habe das Gefühl, dass durch diesen Anschlag jetzt doch einiges in Bewegung kommen wird in dieser Frage. Dass sich Politiker und Sicherheitskräfte zusammensetzen werden und gemeinsam einen Weg suchen, wie man solche Leute bereits früh identifizieren und aus dem Verkehr ziehen kann. Ob sie ihn finden, ist eine andere Frage.

Ardern ist seit Herbst 2017 Premierministerin Neuseelands. Damals fiel sie als Erstes mit ihrer Mutterschaft auf.

Sie ist weltweit erst die zweite Regierungschefin, die im Amt ein Kind geboren hat. Dass Ardern sich entschlossen hat, ihr Amt trotzdem weiterzuführen, und zwar zu hundert Prozent, hat viele Frauen inspiriert. Sie hat allerdings auch ein Glück, das nicht alle Frauen haben. Ihr Partner hat seine eigene Karriere auf Eis gelegt und kümmert sich nun Vollzeit um das Kind. Hat das Baby Hunger, bringt er es seiner Mutter zum Stillen. Ob die nun gerade im Flugzeug zur UNO nach New York sitzt oder im Parlament debattiert.

Jacinda Ardern mit Baby und Ehemann im UNO-Hauptsitz in New York
Legende: Ein Bild, das um den Globus ging: Jacinda Arderns Ehemann und Tochter an der UNO-Generalversammlung im Herbst 2018. Reuters

Was hat Ardern bisher geleistet?

Sie hat schon kurz nach Amtsbeginn einige der grössten Herausforderungen angepackt, und zwar ohne Rücksicht auf eingewurzelte Interessen – auch nicht die ihrer eigenen Partei. Sie geht die Immobilienkrise und die Arbeitslosigkeit an. Umweltprobleme stehen zuoberst auf ihrer Agenda. Obwohl Neuseeland mit seinen 4.7 Millionen Einwohnern global nur minimal dazu beiträgt, sagt sie dem Klimawandel den Kampf an.

Umweltprobleme stehen zuoberst auf Arderns Agenda.

Und das in einem Land, dessen Tourismus vom Image lebt, «sauber» und «grün» zu sein. Es ist ein Image, das dieses Land angesichts zerstörerischer Intensiv-Landwirtschaft längst nicht mehr verdient. Ardern kippte auch die Bewilligungen für die Suche nach Ölvorkommen. Die Rohstoffindustrie schnappte wild nach Luft. Aber das war erst der Anfang. Die Premierministerin will Neuseeland bis 2050 kohlenstoffneutral machen.

Das Gespräch führte Matthias von Wartburg.

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55 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Grossrieder (View)
    Ich hoffe, dieser Artikel hinterfragt nicht die Kompetenzen ander Frauen am Ruder anderer Nationen. Ich denke, viele haetten aehnlich reagiert, wenn diese Wert auf ihr Mandat legen. Es sollte nicht Terroranschlaege brauchen um der Welt zu zeigen, dass Frauen gut fuehre koennen, viele tun dies auch ohne dies. Man haette aber das Waffengesetz auch früher dem der Australier (2002) anpassen koennen, nach den Port Arthur und Monash U. Schiessereien, welche genau so unerwartet kamen, denke ich.
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
    Nach Jahren der Hetze gegen die Menschen aus dem Islam von Rechtspopulisten auf der ganzen Welt und auch in der Schweiz tut es gut zu sehen, das es irgendwo eine Frau gibt, die endlich eine Brücke schlägt. ich hoffe, dass auch hier zu Lande die Einsicht wächst, das gewisse Haltungen und Strömungen aus der rechten Politik der Menscheit einfach nicht würdig sind.
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    1. Antwort von Dölf Meier (Meier Dölf)
      Lassen wir die Menschen leben. Jede Aufforderung zu töten ist zu ahnden und zu verachten. Leider gibt es auch fanatische und böse Menschen, deren Handlungen unberechenbar sind. Deshalb bin ich wütend auf Medien, welche Mordereien in allen Einzelheiten weltweit veröffentlichen und labilen Menschen zur Nachahmung empfehlen. Auf der Erde leben 7 Milliarden Menschen und darunter sind böse Rechte, Linke und Andere.
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  • Kommentar von Heinrich Rubi (heru)
    Ich freue mich, dass auch die meisten Schreiber/-innen hier anerkennen, was diese tolle Frau zur Zeit leistet für ihr Land. Die übrigen mögen es mir nicht übel nehmen, wenn ich mir unwillkürlich vorstellen muss, wie viel besser sie es selbst machen würden ;) …
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