Die Freilassungen seien eine grosse Freude, sagt Swetlana Tichanowskaja, und würden ihre Bewegung stärken.
Unter den Freigelassenen ist auch ihr Ehemann, Sergej Tichanowski. Er wurde vor den Präsidentschaftswahlen 2020 verhaftet, als er gegen Machthaber Alexander Lukaschenko antreten wollte. Swetlana Tichanowskaja hat an seiner Stelle kandidiert und die Wahlen wohl gewonnen.
Doch weil Lukaschenko seine Niederlage nicht anerkannte und die anschliessenden Proteste niederschlug, führt sie die Oppositionsbewegung nun aus dem Exil. Sie wurde so unverhofft zur weltweit vernetzten Politikerin, die ihren Mann mittlerweile in den Schatten stellt.
Berichte zu internen Spannungen
Eine Konstellation, die Ehemann Sergej Tichanowski laut Berichten Mühe bereitet. Es ist von Konflikten zwischen ihm und ihrem Team die Rede. Etwa darüber, wie stark die Bewegung ihre Strategie an US-Präsident Trump anpassen soll.
Es gibt keinen Konflikt um die Führung. Alle verstehen, dass es nicht um mich als Person geht, sondern darum, wie ich der belarussischen Bevölkerung dienen kann.
Trotz Meinungsverschiedenheiten über die Ausrichtung sei man vereint im Kampf für ein demokratisches Belarus, betont Tichanowskaja. In einer demokratischen Bewegung seien Differenzen zudem normal. Sie erklärt sich diese mit der langen Haftdauer der nun Freigelassenen. Der geopolitische Kontext habe sich in dieser Zeit verändert.
Sie macht aber auch deutlich, dass sie an ihrer Position festhalten will: «Es gibt keinen Konflikt um die Führung. Alle verstehen, dass es nicht um mich als Person geht, sondern darum, wie ich der belarussischen Bevölkerung dienen kann».
USA nähern sich Lukaschenko an
Die Freilassungen seien ein Versuch Lukaschenkos, sich mit Konzessionen auf der internationalen Bühne wieder ins Spiel zu bringen. Das sei kein Sinneswandel, sondern Pragmatismus. Tatsächlich lockerten die USA im Gegenzug Sanktionen.
Die Opposition begrüsse den amerikanischen Ansatz und befürchte nicht, dass ihr Kampf für ein demokratisches Belarus so unterwandert werde, sagt Tichanowskaja. Ohne die harte Haltung der Europäer wären die Freilassungen jedoch nicht zustande gekommen. Sie ruft die europäischen Staaten daher auf, die Sanktionen gar auszubauen.
Europa als derzeit engster Partner
Trump setze auf Leistung und Gegenleistung, die Europäer dagegen verstünden, dass Lukaschenko immer ein Sicherheitsrisiko bleiben werde. «Solange er an der Macht ist, werden die Drohungen und Erpressungsversuche an der europäischen Grenze weitergehen.» Auch werde Russland das Land weiter für den Angriffskrieg gegen die Ukraine nutzen.
Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja betont zwar, es brauche alle Kräfte im Kampf gegen Lukaschenkos Regime. Sie macht dennoch deutlich, dass sie in den Europäern derzeit die engsten Verbündeten sieht. Auch wenn sie dies nicht offen ausspricht.