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Rohstoffe in der Arktis: Anrainerstaaten bringen sich in Position
Aus Tagesschau vom 20.05.2021.
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Machtpoker im Arktis-Rat Mit der Harmonie in der Arktis ist Schluss

Die acht im Arktis-Rat versammelten Staaten Norwegen, Schweden, Finnland, Island, Dänemark, USA, Kanada und Russland haben im hohen Norden gemeinsame Interessen. Vom Umweltschutz über wissenschaftliche Forschung bis zur Erschliessung von Schifffahrtsrouten. Seit der Gründung vor 25 Jahren konzentriert sich der Arktis-Rat auf diese Themen. Das trug massgeblich zu seinem Erfolg bei. Geopolitische, militärische und Sicherheitsfragen hingegen wurden konsequent ausgeklammert.

Doch das wird immer schwieriger. Einen Vorgeschmack darauf lieferte bereits Mike Pompeo, US-Aussenminister unter Präsident Donald Trump. Er sprach vom Beginn eines «Zeitalters strategischen Engagements und strategischer Rivalität in der Arktis». Sein Nachfolger Anthony Blinken drückte es zwar diplomatischer aus, aber letztlich ähnlich: Es gebe Bereiche, wo man zusammenarbeiten müsse. Und solche, wo das schwierig sei.

Russland prescht vor

Beim Ministertreffen in Reykjavik forderte nun der russische Aussenminister Sergej Lawrow, der Arktis-Rat müsse sich auch mit Militärfragen befragen. Er regt regelmässige Treffen der Chefs der Streitkräfte der Arktis-Anrainerstaaten an. Russlands Stimme hat Gewicht. Erstens ist kein Land gleichermassen präsent in der Arktis. Zweitens übernehmen die Russen nun für zwei Jahre den Vorsitz im Arktis-Rat und behaupten forsch, die Nordpolargegend sei «ihre Region».

Die USA zögen es vor, wenn sich der Arktis-Rat weiterhin auf die zivile Nutzung konzentrieren würde. Gleichzeitig – und das ist durchaus ein Widerspruch – setzen die Amerikaner selber in der Arktis auf Allianzpolitik und signalisieren damit, dass machtpolitische Erwägungen am Eismeer angekommen sind.

Deshalb ist auch die westliche Militärallianz Nato sichtbarer als früher in der Arktis, etwa mit US-Atom-U-Booten in Norwegen. Die Vereinigten Staaten, auf deren Prioritätenliste die Arktis lange weit unten rangierte, markieren auf einmal deutlich mehr Präsenz. Sie planen, ihre antiquierten Eisbrecher durch eine moderne Eisbrecherflotte mit mindestens sechs Schiffen zu ersetzen. Dies als Antwort an Russland, das seit Jahren schon seine militärische Infrastruktur am Eismeer kräftig ausbaut.

Klimawandel macht Bodenschätze zugänglich

Der Hintergrund dieser Entwicklung: Als Folge des Klimawandels schmilzt Eis in der Arktis. Bodenschätze und Seewege werden auf einmal zugänglich. Damit gelangt der hohe Norden ins machtpolitische Kalkül grosser Mächte. Die Region ist nicht länger im Abseits der Weltaufmerksamkeit.

Immerhin akzeptieren bisher alle Mitgliedstaaten, die zahlreichen Territorialstreitigkeiten von der UNO und gemäss dem UNO-Seerecht Unclos zu entscheiden. Das verhindert militärische Konfrontationen und sorgt für ein Minimum an Stabilität. Doch niemand weiss, wie einzelne Staaten reagieren, wenn die Schiedssprüche einmal vorliegen – zumal jene Länder, deren Forderungen abgewiesen werden.

Auch China streckt seine Fühler aus

Dazu kommt: Neuerdings hat auch China im Arktis-Rat zumindest Beobachterstatus und signalisiert grösstes Interesse – wirtschaftlich wie geostrategisch. In Island besitzt China bereits eine Forschungsstation.

Diskutiert werden auch chinesische Investitionen im nordnorwegischen Hafen Kirkenes sowie in Grönland. Peking sucht zudem, meist an den Hauptstädten vorbei, direkt Kontakt mit indigenen Volksgruppen. Diese zeigen sich oft verlockt durch chinesische Investitionen. Chinas Engagement ist nachvollziehbar, stösst aber bei den Regierungen der Arktis-Staaten auf grosses Misstrauen.

Mit der Harmonie in der Arktis ist also Schluss. Dafür ist die Region machtpolitisch und wirtschaftlich viel zu interessant geworden.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

Echo der Zeit, 19.05.2021, 18:00 Uhr

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Der Zugang zu den Fischgründen und den arktischen Ressourcen wird durch das Schmelzen des Eises erheblich erleichtert oder vielfach überhaupt erst möglich. Unter den arktischen Anrainerstaaten herrscht Goldgräberstimmung. Arktis und Antarktis sind Heimat vieler Pflanzen und Tiere. Sie tragen zum Ausgleich des Klimahaushaltes der Erde bei: Die Polargebiete sind Paradiese im ewigen Eis. Wir schützen sie, damit das Klima der Erde im Gleichgewicht bleibt. Zerstörung des Naturpardies Arktis - NEIN.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Doch die Erderwärmung lässt das ewige Eis um den Pol beharrlich schmelzen und die Permafros böden auftauen. Eine grosse Gefahr für das Naturparadies! Denn in der Arktis werden Öl- und Gas- vorkommen sowie reiche Fischgründe vermutet. In den letzten 30 Jahren sind drei Viertel der Eisdecke am Nordpol verschwunden und damit ein einzigartiger Lebensraum, Die Arktis muss vor den Begehrlichkeiten und Ausbeutung der Anrainerstaaten geschützt werden. Naturparadies gegen Geld?
  • Kommentar von Jörg Kaufmann  (jka)
    Ein grosser Teil der Arktis ist Meer, auch wenn das Wasser an der Oberfläche gefroren ist. So eigentlich gelten die Regeln wie bei jedem Meer und dessen Küstengebieten. Wo Land ist, auch Inseln, ist das ja bereits Territorium von einem Staat.
    So eigentlich haben wir eine Situation wie überall auf der Erde, wo im internationalen Meer Bodenschätze ausgebeutet werden. Aufgrund der Kälte gehen Schäden an der Natur viel weniger schnell weg. Das muss angegangen werden.
    1. Antwort von Alois Keller  (eyko)
      Arktis und Antarktis sind Heimat vieler Pflanzen und Tiere. Sie tragen zum Ausgleich des Klimahaushaltes der Erde bei: Die Polargebiete sind Paradiese im ewigen Eis. Schutz damit das Klima der Erde im Gleichgewicht bleibt. Ohne das Eis wird Wärme gespeichert, und die Meeresspiegel steigen an. Schmilzt das Eis, verändert sich der Salzgehalt der Meeresströme und damit die Temperaturen in Küstennähe. Eisbären werden von ihren Jagdgründen abgeschnitten. Die Gier das Ressourcen darf nicht obsiegen.
    2. Antwort von Charles Grossrieder  (View)
      Der Meinung bin ich auch Herr Kaufmann, etwas überrascht, dass dem nicht so ist. Zudem die existierenden Landmassen schon ihre Besitzer haben.
      So sollten im Eismeer auch die gleichen Gesetze angewandt werden wie in internationalen Gewässern.
      Wundere mich wieso dies die UN nicht auch so sieht?