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Wachsendes Konfliktpotential in der Arktis
Aus Echo der Zeit vom 10.09.2020.
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Geopolitik Arktis: Einer konfliktfreien Zone droht ein Machtgerangel

Russland verbündet sich mit China wegen seiner Ansprüche auf die Arktis. Das passt nicht allen.

Fünf Länder grenzen direkt an die Arktis: Russland, Kanada, die USA, Norwegen und – mit Grönland – auch Dänemark. Die bedeutendste Macht in der Arktis ist zurzeit eindeutig Russland. Für Präsident Wladimir Putin ist der hohe Norden eine Priorität. Gern spricht er von Rohstoffprojekten, der Ausweitung der Wirtschaftszone, von Militärbasen und der neuen atomar betriebenen Eisbrecherflotte.

Für Russland sei die Arktis wirtschaftlich und militärisch enorm wichtig, bestätigt Ekaterina Klimenko, Arktisexpertin beim Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri.

USA erheben Machtansprüche

Auffallend passiv waren bisher die USA. Ihr Interesse beschränkte sich auf Bergbau und Ölförderung in und um Alaska, sagt Mathieu Boulègue, Arktisspezialist bei der britischen Denkfabrik Chatham House.

Dänemark gehört mit der Insel Grönland auch zu den arktischen Anrainern.
Legende: Dänemark gehört mit der Insel Grönland auch zu den arktischen Anrainern. Keystone

Die US-Eisbrecherflotte ist klein und stark überaltert. US-Aussenminister Mike Pompeo räumt den Rückstand ein. Aber er sei schon oft spät zu einer Party gekommen und habe sich dann köstlich amüsiert. Präsident Donald Trump sorgte inzwischen für Aufsehen mit seinem Vorschlag, Dänemark Grönland abzukaufen.

Und auf dem jüngsten Treffen des Arktischen Rates haute wiederum Pompeo auf den Putz, verbal: Die Zeiten seien vorbei, da sich der Arktisrat – wie es seinen Statuten entspricht – allein mit Ressourcen, mit Umwelt, mit Klimawandel und der arktischen Bevölkerung befassen konnte. Jetzt gehe es auch um Geopolitik, um Strategie, um Streitkräfte, also um Macht. Und er fuhr China in die Parade, das sich in einem Strategiepapier als «fast-arktische Nation» bezeichnet. China sei offenkundig kein arktischer Staat.

Russland ist auf China angewiesen

Auch die anderen Arktisanrainer sehen eine Schlüsselrolle Chinas in der Arktis misstrauisch, durchaus auch Russland, sagt Boulègue. Der russische Widerstand gegen Chinas nordische Ambitionen schwinde jedoch, findet Ekaterina Klimenko. Wegen der Sanktionen als Reaktion auf die Krim-Annexion ist Russland auf chinesisches Kapital angewiesen, um seine teuren Arktisprojekte voranzutreiben. Die Zusammenarbeit wird enger und enger.

Dazu kommt, dass sich China und Russland nun sogar als «strategische Partner» bezeichnen. Für Boulègue sind das Lippenbekenntnisse. Er sieht bloss eine momentane Interessengemeinschaft, die dann spiele, wenn es gelte, den Westen herauszufordern und vom aussenpolitischen Chaos-Kurs in Washington zu profitieren.

Die Arktis wird zu einem umkämfpten Terrain.
Legende: Die Arktis wird zu einem umkämpften Terrain. Keystone

Für ihn ist die russisch-chinesische Partnerschaft im hohen Norden brüchig. Russland werde in der Arktis nicht «zu viel China» zulassen. Chinas Interesse an Rohstoffen, an Wasserwegen sei für Moskau akzeptabel. Doch echte Mitsprache, gar direkten Einfluss Pekings, wolle man nicht. Er rechnet deshalb mit steigenden Spannungen.

Noch keine Konflikte in der Arktis

Bisher waren diese in der Arktis niedrig. Trotz widerstreitender Interessen haben die Arktis-Anrainerstaaten ihre Differenzen friedlich beigelegt, etwa mithilfe der UNO-Seerechtskonvention, sagt Klimenko. Inzwischen ist die Rhetorik erheblich schärfer. Immerhin blieben aber konkrete Auseindersetzungen im Terrain aus.

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Aus dem Archiv: Rundschau: Ressourcen am Nordpol
Aus Rundschau vom 13.11.2019.
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Doch die Atmosphäre verschlechtert sich. Die Nervosität steigt. Es gibt keinerlei Garantie dafür, dass die Arktis die fast einzige Zone der Welt bleibt, die völlig frei ist von gewalttätigen Konflikten.

Echo der Zeit vom 10.09.2020

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Michel Koller  (Mica)
    Russland muss aufpassen, von China nicht dereinst zerrupft zu werden, denn China hat keine Partner, sondern Helfershelfer, welcher immer nur der Sache Chinas dienen sollen. Ist dies dann geschehen, könnte es ungemütlich werden.
    1. Antwort von Hans Peter Auer  (Ural620)
      @Mica: Voellig korrekt Ihre Aussage. Der Beweis dafuer ist der ferne Osten in RU, wo China mehr und mehr Land pachtet fuer ein Butterbrot um bspw. Sojabohnen anzupflanzen, Farmen darauf erstellt und eigene, billige Landsleute arbeiten laesst. Die russische Bevoelkerung jedoch wird missachtet, obwohl (Stand Aug 2020) in Tuwa 20% u. Buratjen 10% Arbeitslosigkeit herrscht und dies nicht erst seit Corona. Dann die ganzen chinesischen Farben-/ Lackindustrie, welche dem Fluss Armur toxikol. zusetzen.
    2. Antwort von Eva Wädensweiler  (E. W.)
      Aber ist es nicht auch Europa, welches sich immer abhängiger von China macht? Nicht nur RU?
      Da ist ja auch noch dieses Projekt der Seidenstrasse aus China.
      Und mit Freihandelsverträgen, Auslagerungen von Produktionen u. a. der Pharmariesen nach China, haben wir in Europa uns ja ebenso stark abhängig von China gemacht. Und viele Firmen in Europa werden an Chinesen verkauft. Oder sehe ich das falsch?
  • Kommentar von Heiner Zumbrunn  (Heiner Zumbrunn)
    Amerika möchte das auch. Beim aktuellen Präsidenten, der abhängig ist vn Putin, damit er wieder hilft gewählt zu werden und von Xi, der ihm Geld gibt zu wirtschaften - gibt es da oben einen Machtloses Vakuum. Norwegen allein kann die Fahne nicht hochhalten. Wie wir in der Physik gelernt haben, wo nichts ist, kommt etwas hin. Genau das passiert.
    Im Übrigen baut Russland sein Imperium in der Arktis seit cirka 15 Jahren wieder aus, nachdem man sich in den 1980er Jahren besuchte daraus zu lösen.
    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Nachdem die Arktis in den militärstrategischen Überlegungen der USA während fast Jahrzehnten eine zurückgesetzte Rolle gespielt hat, ist seit vier Jahren ein deutlicher Wechsel insbesondere in der maritimen Ausprägung nachweisbar.
    2. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Lang: die Arktis gewinnt auch aus wirtschaftlicher Sicht an Bedeutung. Denken Sie an die Nordroute für die Schiffahrt Asien-Europa.
  • Kommentar von Werner Kessler  (Werner Kessler)
    Die Arktis gehört niemandem und es muss u soll auch so bleiben als ein Refugium, dass allen offen steht aber nicht für Anektionsgelüste gleich welcher Art!!
    1. Antwort von Eva Wädensweiler  (E. W.)
      Richtig! Vielleicht sollte die UNESCO sie zum Weltkulturerbe erklären & unter Naturschutz stellen, damit sie endlich von den Zugriffen Mächtiger geschützt ist.
      Die Antarktis ist das Gegenstück zu den Urwäldern. Sie müssen beide unbedingt vor uns Menschen geschützt werden.
    2. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Wädenswiler: Es geht hier um die Arktis und nicht um die Antarktis.
    3. Antwort von Eva Wädensweiler  (E. W.)
      Korrigiere: Arktis.
      Aber auch die Antarktis sollte wie die Arktis von uns Menschen geschützt werden.
      Deshalb sollte man sie wie Urwälder auch unter Natur - Schutz stellen.
      Punkt.