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Impfkrieg um Einfluss und Macht
Aus Rendez-vous vom 29.04.2021.
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Machtpolitik mit Corona Im «Impfkrieg» stehen China und Russland besser da

Im «Kalten Krieg um Impfstoffe» haben Peking und Moskau die Nase vorn. Der Westen hat zumindest vorläufig das Nachsehen.

Eigentlich ist man sich einig: Die Corona-Pandemie ist eine globale Krise, die globale Lösungen erfordert. Tatsächlich entwickle sich daraus jedoch ein Impfkrieg um Einfluss und Macht, sagte Yves Desbiens von der Nato-Denkfabrik Stratcom in Riga in einer virtuellen Debatte.

In der globalen Impfstoffdiskussion gehe es um weit mehr als um Impfstoffe, ergänzt Allison Carragher vom EU-Institut für Sicherheitsstudien.

In der globalen Impfstoffdiskussion geht es um weit mehr als um Impfstoffe.
Autor: Allison CarragherEU-Institut für Sicherheitsstudien

Wenn es denn ein Impfkrieg ist, so hat sich der Westen bisher nicht mit Ruhm bekleckert. Man bemühte sich zwar um einen gemeinsamen Ansatz bei der Corona-Bekämpfung. Und allein die EU spendete 2,2 Milliarden Euro für die Covax-Initiative der WHO, dank der auch ärmere Länder Impfstoffe erhalten sollen.

Westlicher Impfegoismus – östliche Imagepflege

Gleichzeitig herrscht im reichen Westen Impfegoismus. Die EU tue zu wenig für ärmere Länder, sagt Carragher. Russland und China seien weitaus aktiver, was deren Image zugutekomme.

Die Regierungen in demokratischen westlichen Ländern stehen enorm unter Druck, rasch ihre eigene Bevölkerung zu impfen. Sie geben kaum Impfstoffe ab. Deshalb hat in Dutzenden von Drittweltstaaten das Impfen noch nicht einmal begonnen. Die USA horten gar Ausgangsstoffe für die Impfstoffherstellung. Auch deshalb kommt diese nur zäh vom Fleck.

Kreml stellt Impfdiplomatie vor eigene Interessen

Erheblich besser schlägt sich Russland. Schon gut 50 Staaten haben russische Impfstoffe, vor allem Sputnik, zugelassen. Moskau betreibe aktive Impfdiplomatie, sagt Stanislaw Secrieru vom EU-Institut für strategische Studien. Will heissen: Während in Russland schleppend geimpft wird, ist das Land als Impfanbieter weltweit präsent.

Moskau weckt zu hohe Erwartungen.
Autor: Stanislaw SecrieruEU-Institut für strategische Studien

«Russland verstärkt so bestehende Abhängigkeiten – etwa in Belarus oder Armenien – und verschafft sich gar Respekt weit darüber hinaus», stellt Secrieru fest: Moskau wecke allerdings zu hohe Erwartungen. Seine Produktion sei vorläufig viel zu gering, um es zu einer Impfstoff-Grossmacht zu machen. Die Kommunikation sei also besser als die Realität dahinter.

China: Unrühmlicher Anfang – grosses Potenzial

Sehr rasch strebte auch China eine Führungsrolle in der Corona-Bekämpfung an, wie Alice Ekman von der Denkfabrik Carnegie ergänzt: «China hat eine sehr laute und offensive Impfdiplomatie lanciert.» Peking lenkt damit davon ab, dass es in der Corona-Frühphase durch seine Heimlichtuerei eine unrühmliche Rolle spielte und Empörung erntete.

China hat eine sehr laute und offensive Impfdiplomatie lanciert.
Autor: Alice EkmanDenkfabrik Carnegie

China kann aber – anders als Russland – grosse Impfstoffmengen produzieren und beliefert heute 160 Länder und Organisationen. Peking ist freilich nur begrenzt der generöse Spender. Vielmehr häufig der nüchterne Krämer, der Impfstoffe nicht verschenkt, sondern meistens verkauft – wie zuvor Schutzmasken und Covid-Tests.

Lohnende Impfstoff-Kooperationen

Dennoch: Während der Westen Chinas Verhalten kritisiert, wird seine Rolle andernorts weitaus positiver gesehen – positiver als jene des Westens. Und das, obschon die chinesischen Impfstoffe weniger wirksam sind.

Der Westen ist hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt.
Autor: Yves DesbiensNato-Denkfabrik Stratcom

Weil Corona so bald nicht besiegt ist, entwickeln sich aus Impfstoff-Kooperationen langfristige strategische Partnerschaften. Es zahlt sich also für Russland und China aus, dass sie sich sogleich der Welt zuwandten – derweil der Westen hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt sei, sagt Desbiens vom Stratcom-Institut.

«Glückskette» weitet Spendenaufruf auf Indien aus

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Ein Spitalangestellter trägt eine mannshohe Sauerstoffflasche
Legende: In Indien fehlt es an fast allen medizinischen Gütern, unter anderem auch an Sauerstoff für Covid-19-Patienten. Reuters

In Indien ist die Coronavirus-Pandemie in den vergangenen Tagen ausser Kontrolle geraten. Die rund 9 Millionen Franken Spendengelder seit dem Herbst sind nun fast vollständig für Partnerorganisationen eingesetzt. Um weiterhin weltweit und speziell jetzt auch Indien unterstützen zu können, ruft die «Glückskette» zu Spenden auf. Überweisungen auf das Postkonto 10–15000–6 mit Vermerk «Coronavirus International» oder auf der Website www.glueckskette.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster sind sehr willkommen. Herzlichen Dank!

Rendez-vous, 29.04.2021, 12:30 Uhr

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38 Kommentare

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  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Chinas Impfstoff wirkt sehr schlecht. In Chile machen Sie gerade schlechte Erfahrungen damit. China verheimlicht seine Phase 3 Ergebnisse. Viel Lärm, Politik und dahinter ein Wirkungsloser Impfstoff. Das Böse Erwachen kommt für die Länder später...
    1. Antwort von Krebs Alfred  (A.Santiago)
      Andy Gasser, von wo sollen dann die Länder wie Chile den Impfstoff beziehen? Es gibt Länder die haben keine Möglichkeit, anderen Impfstoff zu kaufen.
  • Kommentar von Sascha Ehring  (MountainmanSG)
    Tja, so langsam sind wir wohl nicht mehr die "Guten", es geschehen noch Zeichen und Wunder.
  • Kommentar von jan gmür  (Neutrino)
    Schon die Wortwahl Impfkrieg zeigt doch auf, dass nicht nur Herr Gsteiger, sondern ein Grossteil des Westens immer noch in einem Wettstreit mit dem Osten steht.
    Wo bleibt da die viel propagierte globale Zusammenarbeit. Achso habe ich ja vergessen, sorry. Gilt ja nur für Staaten die nach unserer Pfeife tanzen.
    1. Antwort von Valentin Haller  (Projektionsfläche)
      Wie genau wollen Sie mit einer Diktatur wie China oder einer Quasiautokratie wie Russland zusammenarbeiten?

      Ja, der Wettstreit ist unsäglich. Aber soll sich der Westen Ihrer Meinung nach mit jedem auch noch so verkommenen Führer an einen Tisch setzen und den guten Geschäften zuliebe über jede Verletzung von Menschen- und Völkerrechten hinweglächeln?

      Wen sich das Gegenüber nicht mal zu einem Minimum an universellen Werten bekennen mag, dann sollte man sich ein anderes Gegenübers suchen.