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Irans Religionsführer getötet Wie geht es weiter nach dem Tod Chameneis?

Nach der Tötung Chameneis wird über seine Nachfolge spekuliert. Auch der Exil-Kronprinz bringt sich in Stellung.

Was bedeutet Chameneis Tod für die Islamische Republik? «Chamenei ist der islamische Führer, das ist eine konstitutionelle Rolle, sie steht im Zentrum des Systems», erklärt Roland Bopp, Sicherheitsexperte Militärakademie an der ETH Zürich. «Er ist sehr schwer zu ersetzen.» Aber der Iran habe gewusst, dass ein «Enthauptungsschlag» bevorstehen könnte, und man habe sehr viel Macht nach unten delegiert. Irans Präsident Massud Peseschkian hat die gezielte Tötung von Religionsführer Ali Chamenei derweil als offene Kriegserklärung bezeichnet und drohte mit Vergeltung und Blutrache.

Wer hat nach dem Tod Chameneis im Iran das Sagen? Vorübergehend soll staatlichen Medien zufolge ein Dreier-Gremium die Führung des Landes übernehmen: Präsident Massud Peseschkian, Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi und, laut neuesten Meldungen der iranischen Nachrichtenagentur Isna, der Geistliche Aliresa Arafi. Das Trio soll die Aufgaben Chameneis übernehmen, bis der sogenannte Expertenrat einen Nachfolger benennt.

Auslandredaktor: «Wohin das Land steuert, ist völlig ungewiss»

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Philipp Scholkmann, Auslandredaktor und ehemaliger Nahost-Korrespondent von SRF:

«Mitten in diesem Krieg wurde eine 40-tägige Staatstrauer ausgerufen von Ali Laridschani, dem Chef des Nationalen Sicherheitsrat. Er ist ein treuer Weggefährte des Revolutionsführers. Laridschani hatte schon in den letzten Monaten die eigentliche exekutive Gewalt im Führungsapparat. Chamenei hatte die Macht zuletzt noch breiter abzustützen versucht, für den Fall seines Todes. Laridschani rief das Land zur Einheit auf in diesem dramatischen Moment. Gleichzeitig kündigte er einen geordneten Machtwechsel an.

Die frontal angegriffene Islamische Republik versucht zwar, Kontinuität vorzugeben. Doch wohin das Land steuert, unter diesen Extrembedingungen, ist völlig ungewiss.»

Wie wird eine Nachfolge Chameneis bestimmt? Laut der Verfassung müsse der Expertenrat umgehend einen neuen Führer bestimmen und vorstellen, erklärte ein Berater Chameneis. Der Expertenrat ist ein Gremium aus 88 einflussreichen Geistlichen (Ajatollahs). Diese werden alle acht Jahre gewählt. Es heisst, Chamenei habe vorgespurt und Namen von möglichen Nachfolgern genannt. Durch den Tod zahlreicher Entscheidungsträger ist die Handlungsfähigkeit dieses Gremiums derzeit jedoch fraglich. Auch Sicherheitsexperte Roland Bopp bezweifelt, dass der formale Prozess für einen Nachfolger unter Kriegsbedingungen durchgeführt werden könne.

Person hält gerahmtes Porträt eines bärtigen Mannes.
Legende: Eine Frau in Teheran hält ein Bild von Ayatollah Ali Chamenei (1.3.2026). Reuters / Majid Asgaripour / WANA

Wer wird als möglicher Nachfolger Chameneis gehandelt? Öffentlich hatte sich der Religionsführer nicht zu seiner möglichen Nachfolge geäussert. Spekuliert wurde in der Vergangenheit etwa über Chameneis Sohn Modschtaba, der jedoch wenig in der Öffentlichkeit aufgetreten ist. Zu den einflussreichsten Geistlichen zählen Sadegh Laridschani, ein Bruder des Chefs des Nationalen Sicherheitsrats Ali Laridschani. Auch das Mitglied des Expertenrats Mohsen Araki sowie der Teheraner Prediger Ahmad Chatami gelten als einflussreich. Unumstritten unter Experten ist jedoch, dass ein neuer Religionsführer zunächst kaum die gleiche Autorität geniessen wird wie Chamenei, der das System jahrzehntelang aufgebaut und geleitet hat.

Mann liest in einem Buch, sitzt auf einem Sofa.
Legende: Modschtaba Chamenei, der zweite Sohn von Ayatollah Ali Chamenei. Unklar ist, wer von den gehandelten Nachfolgern die Angriffe überlebt hat. (Foto vom 1.10.2024) Reuters / Büro des iranischen Obersten Führers / WANA

Wie positioniert sich der Exil-Kronprinz Reza Pahlavi? Pahlavi ist der Sohn des 1979 gestürzten Schahs von Persien. Er lebt seit Jahrzehnten im Exil in den USA. Während der jüngsten Massenproteste beanspruchte er aus dem Ausland eine Führungsrolle in der zerstrittenen und zersplitterten iranischen Opposition. Nun bringt er sich erneut als Übergangsführer des Irans ins Spiel. «Viele Iraner haben mich, oft trotz lebensbedrohlicher Situationen, gebeten, diesen Übergang zu leiten», schreibt er in der «Washington Post». Er wolle ihrem Ruf folgen und den Weg hin zu einer neuen Verfassung freimachen. Darauf sollten freie Wahlen folgen. Unklar ist aber, wie gross sein Rückhalt im Land tatsächlich ist.

US-Präsident Trump: Mehrere Kandidaten im Blick

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US-Präsident Donald Trump hatte zuvor mitgeteilt, er habe mehrere Kandidaten für die Führung des Landes im Blick. Auf die Frage, ob es jemanden gebe, den er gerne an der Spitze des Irans sehen würde, sagte Trump dem Sender CBS News nach dessen Angaben: «Ja, ich denke schon. Es gibt einige gute Kandidaten.» Namen nannte Trump demnach nicht.

SRF 4 News, 1.3.2026, 8 Uhr ; 

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