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Legende: Audio Die Hoffnung ist klein, aber aufgegeben wird noch nicht abspielen. Laufzeit 02:34 Minuten.
Aus HeuteMorgen vom 12.06.2019.
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Massenproteste in Hongkong «Die Demonstranten sind bereit, lange auszuharren»

In Hongkong protestieren derzeit Tausende gegen eine geplante Gesetzesänderung, die Auslieferungen an das chinesische Festland ermöglichen würde. SRF-Korrespondent Martin Aldrovandi befindet sich in Hongkongs Innenstadt und hat mit Demonstranten gesprochen.

Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi

Nordostasien-Korrespondent, SRF

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Martin Aldrovandi ist seit 2016 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. Zuvor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet.

SRF News: Wogegen protestieren die Menschen genau?

Martin Aldrovandi: Man hört immer mehr oder weniger dasselbe: Die Menschen haben Angst, dass sie oder Bekannte irgendwann auch ausgeliefert werden könnten. Sie haben Angst, weil es in China keinen Rechtsstaat gibt wie in Hongkong.

Man hat Angst, dass der Rechtsstaat in Hongkong langfristig ausgehöhlt wird.

Man glaubt auch der Regierungschefin Carrie Lam nicht, dass Sicherheitsvorkehrungen da sind, wenn dieses Gesetz verabschiedet wird. Man hat Angst, dass China das Gesetz für politische Zwecke ausnützen würde und der Rechtsstaat in Hongkong langfristig ausgehöhlt wird.

Hongkong – «Ein Land, zwei Systeme»

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  • Die frühere britische Kronkolonie Hongkong wird seit der Rückgabe 1997 an China nach dem Grundsatz «ein Land, zwei Systeme» als eigenes Territorium autonom regiert.
  • Die Einwohner Hongkongs geniessen grössere Freiheiten als die Menschen in der Volksrepublik, darunter das Recht auf freie Meinungsäusserung sowie Presse- und Versammlungsfreiheit.
  • Seit den Demonstrationen 2014 für mehr Demokratie, die Teile der Stadt wochenlang lahmlegten, zieht Peking aber die Zügel enger.

Bisher hat die chinafreundliche Führung sich durch die massiven Proteste nicht beeindrucken lassen. Nun kommt es zu einer Verschiebung der Debatte. Nützt der Druck von der Strasse also etwas?

Die meisten Demonstrantinnen und Demonstranten hier haben keine Hoffnung. Sie sind mehr oder weniger davon überzeugt, dass dieses Gesetz früher oder später verabschiedet wird. Aber man will nicht so schnell aufgeben. Man will der Hongkonger und der chinesischen Regierung zeigen, dass man damit nicht einverstanden ist. Die Hongkonger Regierung will das Gesetz am 20. Juni verabschieden.

Frau demonstriert sitzend vor Polizisten
Legende: Darauf eingestellt, lange auszuharren: Demonstrantin in der Hongkonger Innenstadt. Reuters

Das Polizeiaufgebot wurde massiv aufgestockt. Wie gross ist die Angst, dass es zu weiteren gewalttätigen Auseinandersetzungen kommen könnte?

Diese Angst ist da. Es gab heute Morgen und gestern Nacht Auseinandersetzungen mit der Polizei. Leute haben sich darüber aufgeregt, dass die Polizei sie durchsucht. Sie sagen: Wir sind unschuldig und demonstrieren ja nur.

Noch hält sich die Polizei zurück, aber wir wissen nicht, wie lange.

Die christlichen Gruppen, die in Hongkong sehr wichtig sind, haben in der Nacht religiöse Lieder gesungen und Blumen verteilt in der Hoffnung, dass es nicht zu gewalttätigen Ausschreitungen kommt. Auch sie verurteilen das geplante Auslieferungsgesetz. Noch hält sich die Polizei zurück, aber wir wissen nicht, wie lange.

Die Gewerkschaften haben zu Streiks aufgerufen. Haben sich auch Geschäfte und Unternehmen daran beteiligt?

Mehrere Grossbanken in Hongkong haben ihren Mitarbeitern erlaubt, von zuhause zu arbeiten. Viele Leute nutzten auch ihre Mittagspause, um hier vorbeizukommen. Studentinnen, Lehrer sowie Angestellte von kleinen Geschäften streiken. Der Protest ist breit abgestützt: Von Rentnern bis zu Mittelschülern und Hausfrauen ist fast alles hier auf der Strasse.

Demonstranten mit Regenschirmen bauen Barrikaden
Legende: Die Demonstranten haben neue Barrikaden errichtet. Reuters

Die pro-demokratische Bewegung in Hongkong kämpft seit Jahren für mehr demokratische Rechte auf der chinesischen Halbinsel. Geben die Proteste der Bewegung neuen Aufwind?

Viele Menschen, die jetzt hier sind, waren schon vor fünf Jahren da. Sie haben nicht unbedingt die Hoffnung, dass sich etwas ändert – die wochenlangen Proteste 2014 gingen zu Ende, ohne dass die Regierung nachgegeben hätte. Aber die vielen Regenschirme zeigen zumindest, dass die Leute bereit sind, lange auszuharren.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.

Legende: Video Schwere Zusammenstösse bei neuen Protesten in Hongkong abspielen. Laufzeit 01:42 Minuten.
Aus Tagesschau vom 12.06.2019.
Grafik zeigt Karte, Fakten und Zahlen zu Hongkong
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7 Kommentare

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  • Kommentar von Chris Portmaier  (ChrisPortmaier)
    Den Hong Kong Aktivisten gebührt Anerkennung für Ihren Einsatz in eigener Sache.
    Gelingt es Ihnen das Gesetz zu bodigen, wäre es ein Licht mit Strahlkraft nach ganz China.
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    1. Antwort von Delmar Lose  (DeLo)
      Leider würden siese Strahlen in China nicht ankommen, die Zensur läst das nicht zu. Klar würden vereinzelt diese infos durchsikern aber die Masse bekommt das nicht mit.
      Ich glaube aber aus dem genannten grund und der vorsicht vn Chinas Regierung wirt es sowiso nicht dazu kommen. Die HK-Regierung ist längst unterwandert
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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Die schleichende Grasierung der weltweiten Vernichtung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit durch China findet überall statt. Ich habe grossen Respekt vor den Demonstranten(innen): Sollte das Gesetz verabschiedet werden, haben die Anführer leider ihr Leben verwirkt. Sie werden die ersten sein, die an China ausgeliefert und auf Nimmerwiedersehn verschwinden werden. Bemerkung: Nach Tian’anmen Massaker Gabe es 49 öffentliche Hinrichtung der Rädelsführer (Wikipedia).
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    1. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      Auch in Europa werden Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ausgehöhlt, siehe Ungarn, Polen oder Türkei. Und immer sind es die Rechtspopulisten.
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    2. Antwort von Delmar Lose  (DeLo)
      Ja das ist leider so, in den meisten fällen sind es "rechts", konservative und kapitalistische Mächte die die Demokratie und Freiheit gefärden.
      Und nein China ist NICHT "links" regiert um es schon mal vorne weg zu nehmen! Wer davon ausgeht kennt die Realität nicht...
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  • Kommentar von Peter Imber  (Wasserfall)
    Um den Faden von Herrn Lüdi wieder aufzunehmen. Er findet, China sei eine überlegene Zivilisation. Eine Zivilisation, wo Menschenrechte, Freiheit und Menschlichkeit tagtäglich in Tausenden von Fällen mit Füssen getreten werden. Wo ein totaler Überwachungsstaat mit Millionen von Kameras für die Gesichtserkennung installiert werden. Und dieser Staat soll die Philippinen u andere asiatische Länder übernehmen, weil da mal vor tausend oder mehr Jahren Chinesen lebten. Ergo den Römern Europa zurück!
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