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Migrationskrise an der US-Südgrenze
Aus 10 vor 10 vom 07.06.2021.
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Migranten an der US-Südgrenze Nachts am Rio Grande – die Schmuggelroute für Familien und Kinder

Tausende Migrantinnen und Migranten kommen jeden Tag illegal von Mexiko in die USA. Im April wurden über 170'000 von ihnen aufgegriffen. Ein Ort, wo jede Nacht viele Familien mit Kleinkindern und unbegleitete Minderjährige ankommen, ist das Dorf Roma in Texas.

Kurz vor Mitternacht bringen Michelle Silva und ihre Helferinnen Wasserflaschen an den Rio Grande. Silva ist Pastorin im Grenzort Roma in Texas und unterstützt Migranten. Sie erzählt uns, wie sich die Situation an der Grenze verändert hat. Auf dem Weg sehen wir bereits die Spuren der Migration. Ein Kinderschuh. Ein Armband mit der Aufschrift «Entregas» - Auslieferung.

«Das ist anders dieses Jahr. Die Menschen kommen mit einem Armband», sagt Silva. Es solle zeigen, dass sie bezahlt haben. Es ist ein Kontrollband für die Schmuggler.

In gefährlichem Gebiet

Unten am Fluss hören wir Schüsse auf der anderen Seite. Die Gegend ist eine der gefährlichsten in Mexiko. Später das Geräusch, wie Schlauchboote aufgepumpt werden. Drogenkartelle kontrollieren das Schmugglergeschäft.

Wir sind sehr froh, denn wir haben viel durchgemacht.
Autor: Geflüchtete Frau

Schliesslich bringt ein Schmuggler das erste Boot. Schon früher kamen hier Migranten über die Grenze, doch dieses Jahr seien es deutlich mehr. Hier sind es fast nur Familien mit kleinen Kindern und Teenager ohne ihre Eltern. Zwei junge Frauen und ihre Babys sind bereits zwei Wochen unterwegs. Sie kommen aus Guatemala. Es gibt Tränen der Erleichterung. «Wir sind sehr froh, denn wir haben viel durchgemacht», sagt die eine. Mexikanische Beamte hätten ihnen alles abgenommen.

Auch mehrere Teenager steigen aus dem Boot. Sie sind ohne Eltern unterwegs. Sie haben eine gefährliche Reise überstanden. Es gibt Berichte von Kidnapping und Vergewaltigungen. Doch wer darüber spricht, riskiert, dass sich die Kartelle rächen.

Flucht vor Gewalt und Armut

Die meisten kommen aus Guatemala, El Salvador und Honduras. Sie fliehen vor Gewalt, Drohungen und Armut, erzählen sie uns. «Wir hatten kein Haus mehr. Wir hielten es nicht mehr aus in unserem Land», sagt ein Mann aus Honduras, der mit seiner Frau und seinem sieben Monate alten Sohn unterwegs ist. Der Bub habe die Reise gut überstanden, sagt er und lächelt.

Sie gehen freiwillig zur Grenzwache. Sie haben gute Chancen, dass sie vorläufig in den USA bleiben können, bis ihr Asylgesuch bearbeitet ist. Denn Familien mit Kleinkindern nimmt Mexiko oft nicht zurück. Unbegleitete Minderjährige schickt die Regierung Biden aus humanitären Gründen nicht zurück nach Mexiko. Eine Änderung zur Regierung Trump.

Erwachsene und Familien mit älteren Kindern schicken die USA jedoch meist nach wie vor zurück nach Mexiko. Diese Anordnung aus der Trump-Regierungszeit wegen der Pandemie, der sogenannte «Title 42», hat die Regierung Biden beibehalten.

Die Nationalgarde schaut den Schmugglern zu, ohne einzuschreiten. Ein Eingreifen wäre zu riskant. Schmuggler hätten auch schon ein Baby in den Fluss geworfen, heisst es von den Grenzschutzbehörden.

Ich helfe ihnen, weil es Menschen sind.
Autor: Michel SilvaPastorin

Vom Rio Grande werden die Familien in Aufnahmezentren gebracht. Anders als unter Trump werden keine Kinder mehr von ihren Eltern getrennt. Die Familien können oft innert weniger Tage zu ihren Verwandten in den USA weiterreisen und das Asylverfahren abwarten.

Kritik an Unterkünften für Minderjährige

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Die unbegleiteten Minderjährigen werden in eigene Unterkünfte gebracht. Immer wieder gibt es Kritik an der Unterbringung. Immerhin bleiben die Kinder inzwischen weniger lang in diesen Zentren.

Michelle Silva sieht mit gemischten Gefühlen zu. «Ich helfe ihnen, weil es Menschen sind. Wir sollten nie die menschliche Seite dieser Krise vergessen. Was die Politik betrifft: Ich bin damit nicht einverstanden. Wir sollten etwas ändern. Es ist sehr gefährlich für sie, sie leiden sehr auf dem Weg, auch Kinder, die alleine unterwegs sind.»

10vor10, 7.6.21, 21:50 Uhr

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Überall dasselbe. Kriminelle beherrschen "Branchen" in denen Menschen Not leiden. Seit Jahren wird die gleiche Politik verfolgt, obwohl alle wissen es nützt nichts. Warum versuchen Regierungen nicht einen anderen Weg? Solange das Wohlstandsgefälle Nord/Süd so gross ist und die Menschen unter Gewalt leiden, so lange brechen Flüchtlingsströme nicht ab. Ich bin sicher wir würden auch versuchen woanders ein neues Leben zu beginnen. Nicht vergessen, diese Menschen haben nicht dasselbe Glück wie wir.
  • Kommentar von Nic Grund  (Gruendeli)
    Legalisierung von Drogen würde viel zur Lösung des Problems beitragen: den Drogenkartellen die finanzielle Grundlage entziehen -> weniger Einmischung in die Politik -> weniger Gewalt, Bandenkriege und Korruption -> weniger Infrastruktur für den Menschenhandel -> weniger Flüchtlinge ... Ich glaube dort muss angesetzt werden. Der “War on Drugs” muss für gescheitert und verloren erklärt werden.
  • Kommentar von Thomas F. Koch  (dopp.ex)
    Die Ursachen für die Auswanderung/Flucht sind viel schichtig und darum nicht einfach zu lösen. Das waren sie noch, gab es schon immer Völkerwanderungen.

    Wirtschaftsförderung ist nur ein Aspekt, wobei hier in vielen Ländern der Welt, viel Geld im Korruptionssumpf versickert und nie bei den Bedürftigen ankommt. Einmischung in die Politik des jeweiligen Landes ist ein anderer.
    Kamala Harris wurde in Guatemala mit "Trump hat gewonnen" begrüsst, weil sie sagte "kommen Sie nicht in die USA".