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Militäraufmarsch der USA «Ein Angriff auf den Iran könnte fast aus dem Stand erfolgen»

Seit Wochen wird über einen US-amerikanischen Angriff auf den Iran spekuliert. Denn die USA verstärken ihre militärische Präsenz in der Gegend deutlich. Risikoanalyst Joachim Weber schätzt die Lage als hochbrisant ein.

Joachim Weber

Senior Fellow

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Weber ist Senior Fellow für strategische Vorausschau und Risikoanalyse am Cassis Strategiezentrum der Universität Bonn. Er untersucht geopolitische Machtverschiebungen, sicherheitspolitische Fragen und vor allem maritime Herausforderungen. Regional fokussiert er sich besonders auf das Geschehen auf den Weltmeeren in Osteuropa und die Arktis, thematisch auch auf Militär‑ und Rüstungspolitik.

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SRF News: Wie gross ist dieser Aufmarsch?

Joachim Weber: Er ist wirklich sehr gross. Das Risiko und die Wahrscheinlichkeit sind sehr hoch, dass es zu einem Einsatz der US-amerikanischen und dann sicherlich auch der israelischen Kräfte kommen wird. Es spricht bedeutend mehr dafür als dagegen. Wir müssen uns daher wahrscheinlich auf einen neuen, sicherlich nicht sehr kleinen Krieg im Nahen Osten einstellen.

Was ist da mittlerweile alles aufgefahren worden?

Im Kern handelt es sich um zwei Flugzeugträger-Kampfgruppen. Jeder dieser Flugzeugträger trägt 80 bis 90 Flugzeuge an Bord, also zusammen mindestens 160 Kampfflugzeuge. Hinzu kommen mindestens weitere 150 Kampfjets, die auf US-Basen rund um den Persischen Golf verlegt wurden. Auch das israelische Potenzial mit über 300 Kampfflugzeugen ist einzurechnen. Insgesamt ist das eine gewaltige Streitmacht.

Aufgrund der militärischen Überlegenheit könnten im Iran schwerste Schäden angerichtet werden.

Wann könnte ein Angriff erfolgen?

Ein Angriff könnte fast schon aus dem Stand erfolgen. Die zweite Flugzeugträger-Kampfgruppe liegt derzeit im östlichen Mittelmeer, östlich von Kreta. Von dort aus könnte sie innert etwa 24 Stunden durch den Suezkanal näher zum Persischen Golf verlegt werden. Die Restvorlaufzeit ist also sehr kurz. Spannend ist die Frage: Worauf warten die Amerikaner? Und warten sie überhaupt?

Wozu wären die USA militärisch imstande?

Sie haben keinen grösseren Aufmarsch an Bodentruppen gemacht. Sie planen also nicht, in den Iran hineinzugehen. Es wäre auch sehr töricht, das zu tun, und würde wohl einen jahrelangen Krieg bedeuten. Aber mit Luft- und Seestreitkräften könnten die USA dem Iran schwere Schäden zufügen, Streitkräfte dezimieren und zentrale Infrastrukturen sehr stark schädigen oder zerstören. Grosse Teile des Landes könnten lahmgelegt werden.

Militärflugzeuge auf Flughafenrollbahn vor Stadtskyline.
Legende: «Infrastrukturen können nicht weglaufen und sind ziemlich schutzlos. Insofern ist davon auszugehen, dass grosse Teile des Landes lahmgelegt würden», sagt Joachim Weber. (Bild vom 24.02.2025, Flugzeuge der US-Luftwaffe am internationalen Flughafen Ben-Gurion bei Tel Aviv) REUTERS/Yossi Zeliger

Mit was für einem Konflikt wäre zu rechnen?

Aufgrund der militärischen Überlegenheit könnten im Iran schwerste Schäden angerichtet werden. Aber die Frage ist: Was ist der politische Endzweck einer solchen Aktion? Und den sehe ich – nicht zum ersten Mal – bei der US-Politik und auch bei der israelischen Politik nicht.

Wahrscheinlich würde der Iran in einer Art innerem Chaos versinken.

Für den Moment könnten die USA Zerstörung anrichten und anderen den eigenen Willen aufzwingen. Vielleicht will man die Iraner zum Aufstand anstacheln. Aber ebenso möglich ist, dass ein Land ohne funktionierende Infrastruktur gar keine Kraft mehr dazu hat und die Menschen vielmehr ums tägliche Überleben kämpfen. Dann stellt sich auch die Frage, wem die Schuld gegeben wird – den Mullahs oder denjenigen, die bombardieren? Wahrscheinlich würde der Iran dann in einer Art innerem Chaos versinken, wie wir es aus Ländern wie dem Irak, Libyen oder Afghanistan kennen. Die Folgen sind eigentlich jedes Mal die gleichen und man wird offenkundig nicht schlauer.

Das Gespräch führte Nico Bär.

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SRF 4 News, 25.2.2026, 6:39 Uhr ; 

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