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Corona-Tests in Südafrika stossen bei den Armen auf Widerstand
Aus Tagesschau vom 24.04.2020.
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Nach Aids das Coronavirus Das neue Schreckgespenst in Südafrika

Die südafrikanische Regierung brüstet sich damit, als erste in Afrika mit pro-aktivem Massentesten zu beginnen, um somit Covid-19 unter Kontrolle zu kriegen. Doch hat sie dabei ein Problem.

Am Anfang war ein Video. Ein weisser Südafrikaner beschwor darin seine Landsleute, dass sie sich unter keinen Umständen testen lassen dürften, denn die Stäbchen, mit denen die Abstriche durchgeführt würden, seien virenverseucht. In den Townships und Slums ging das Video viral und auch wenn der Mann mittlerweile verhaftet ist – der Schaden ist nicht gutzumachen.

Virus gegen Schwarze?

Viele Menschen wollen sich deswegen nicht testen lassen. Der Glaube, dass irgendjemand den Afrikanern böse will, ist in der schwarzen Bevölkerung tief verankert. Schon während der Aids-Pandemie waren viele überzeugt, dass das Virus bewusst auf die Schwarzen losgelassen worden ist. In Südafrika sind solche Theorien tief verwurzelt. Mit 7.7 Millionen Menschen leben hier die meisten HIV-positiven Personen der Welt.

So wie damals sind auch heute viele Menschen schlecht informiert.
Autor: Lucky MasibukoAids-Aktivist

Der Aids-Aktivist Lucky Masibuko ist seit 30 Jahren HIV-positiv. Er sieht Parallelen zwischen der HIV/Aids- und der heutigen Covid-19-Pandemie. «So wie damals sind auch heute viele Menschen schlecht informiert. Es geistern abstruse Vorstellungen herum und auch wenn die Regierung das Verbreiten von Fakenews bestraft, hat sie es nicht geschafft, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen.»

Aids-Aktivist Lucky Masibuko.
Legende: Aids-Aktivist Lucky Masibuko versucht aufzuklären. SRF/Cristina Karrer

Die Menschen haben stattdessen Panik. Die Angst vor Tests ist auch so gross, weil, wer einmal positiv getestet ist, von der Gemeinschaft verstossen werden kann. Eine Frau in einem Township bei Kapstadt wurde bereits aus dem Haus geworfen, nachdem sie positiv auf Covid-19 getestet worden war. «Der Mob kann dein Haus abbrennen, es wird heissen, dass du derjenige bist, der das Virus in die Nachbarschaft gebracht hat», sagt Student Shawn Sixhole, der sich in Soweto testen lässt – nicht auf Covid-19, sondern auf HIV/Aids.

Stigmatisierung ist in der Gesellschaft tief verankert.
Autor: Lucky MasibukoAids-Aktivist

Aktivist Masibuko kennt Stigmatisierung aus eigener Erfahrung. Er macht sich grosse Sorgen: «Das Stigma um HIV/Aids ist heute wesentlich kleiner als vor zehn Jahren, doch verschwunden ist es nicht. Stigmatisierung ist in der Gesellschaft tief verankert. Nun, mit Covid-19, das ungleich einfacher und schneller übertragen wird, kann es zu einer Stigmatisierungswelle kommen.»

Traditionelle Heiler
Legende: Versprechen wirksame Bekämpfung der Pandemie: traditionelle Heiler. SRF/Crisina Karrer

Angst, Panik und keine wirkliche Alternative – einen Besuch bei einem westlich ausgebildeten Arzt können sich die meisten Menschen nicht leisten – führen dazu, dass noch mehr als bis anhin traditionelle Heiler aufsuchen. Wie bereits während der Aids-Pandemie versprechen sie auch heute Heilmittel, die hundertprozentig wirken würden. Sie behauptet, es gäbe ein Kraut, das auf dem Kilimanscharo wachse, das Covid-19 besiegen könne. Leider gäbe es aufgrund des Lockdowns keinen Nachschub.

Sie können Träger des Virus sein, sich geheilt fühlen und es unabsichtlich weiterverbreiten.
Autor: Lucky MasibukoAids-Aktivist

«Was die Menschen suchen, ist Hoffnung. Und die finden sie bei den meisten traditionellen Heilern. Dass eine Kräutermixtur ein Virus nicht vertreibt, müssen sie im Falle von Covid-19 unter Umständen nicht einmal merken, weil das Virus ja häufig nicht tödlich ist. Sie können Träger des Virus sein, sich geheilt fühlen und es unabsichtlich weiterverbreiten», befürchtet Lucky Masibuko.

Da es um das Gesundheitswesen in Südafrika schlecht bestellt ist und die Mittel fehlen, es für Covid-19 auf die Schnelle aufzurüsten, befürchtet der Aktivist das Schlimmste. Nicht für sich, sondern für die mittellose Bevölkerung von Südafrika.

Tagesschau, 24.04.2020, 19.30 Uhr

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Da es um das Gesundheitswesen in Südafrika schlecht bestellt ist... Also ich lebe hier, und es st nicht schlecht... besser als in den meisten Laendern der Welt, man darf einfach nicht mit der CH vergleichen... und immerhin, mit ueber 55mio Einwohnern haben wir eine der niedrigsten Corona raten der Welt.. dank schneller und guter Reaktion der Regierung...und von dieser staebchenstory hat nieman bei uns gehoert...Ich bin mit einer Dunkelhaeutigen verheiratet und enges Mitglied der Familie
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    1. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Herr Nanni, ich kann sehr gut nachvollziehen, was Sie meinen, da Migrantin aus Osteuropa. Leider denkt Herr und Frau Schweizer, direkt im Paradies gelandet zu sein und niemandem auf dieser Erde werden nur ansatzweise ähnliche Privilegien zuteil, wenn sie nicht in der Schweiz wohnen. Über "arme" Länder hat Herr und Schweizer ein naiv-herablassende Vorstellung. Ich habe auch Kontakte in Südafrika, Bürger, sie zeichnen kein Bild von ewigen Slums und Überlebenskampf. Das ist ein Teil, wie Bronx.
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  • Kommentar von Samuel Müller  (Samuel Müller)
    „auch wenn der Mann mittlerweile verhaftet ist“
    Das mit der Meinungsfreiheit und Corona ist schon so eine Sache! Auch bei uns.
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    1. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Lügen und Panik verbreiten ist nicht Teil der Meinungsfreiheit. Wie überrascht Manche immer wieder sind, wenn man ihnen klar macht, dass mit solche Rechte immer auch Pflichten einher gehen.
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  • Kommentar von Christophe Bühler  ((Bühli))
    Ich wette, dass Südafrika das Chinavirus viel besser wegsteckt und verarbeiten wird, als einige Staaten in Europa. Allein schon die junge dynamische Bevölkerung spricht für die Regenbogennation.
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