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Nach Attentaten in Neuseeland «In der Gesellschaft ist eine Spaltung spürbar»

Gut sechs Wochen sind seit dem Anschlag von Christchurch in Neuseeland vergangen. Beim Attentat in zwei Moscheen wurden 50 Menschen getötet. Neuseeland arbeitet die Tragödie seither Schritt für Schritt auf.

Anke Richter

Anke Richter

Journalistin in Christchurch

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Seit 2003 berichtet Anke Richter aus Neuseeland, Polynesien und über die Antarktis. Ihre Reportagen und Berichte erschienen in diversen deutschsprachigen Medien, vom «Spiegel» über die «Zeit» bis zur ARD.

SRF News: Wie präsent sind die Attentate in Neuseeland?

Anke Richter: Sie sind nicht omnipräsent, aber sie sind präsent. Vor allem in Christchurch. Sie sind auf jeden Fall ein riesiges politisches Thema. Eigentlich vergeht kein Tag, an dem nicht etwas dazu erscheint. Und das wird auch noch lange der Fall sein. Vor allem, wenn dann der Prozess gegen den Täter beginnt.

Was hat sich denn seit den Anschlägen getan in der neuseeländischen Gesellschaft?

Es gibt vor allem viel Diskussionen darüber wie islamophob oder rassistisch Neuseeland war. So ein Bewusstsein und das Augenmerk für die rechte Szene war davor gar nicht vorhanden. Jetzt werden Menschen zu Recht kritisiert, die vorher mit Hate Speech, Rassismus und Islamophobie gar nicht so auffielen.

Nach den Anschlägen zeigte die Premierministerin Jacinda Ardern ihr Mitgefühl und ihre Verachtung für die Tat öffentlich. Durch die Bevölkerung ging eine Welle der Hilfsbereitschaft. Ist dieses Gefühl geblieben?

Ja, und das hat bisher auch wirklich niemand hinterfragt. Quer durch alle Parteien und durch alle Bevölkerungsschichten wurde ihre Geste mit dem Kopftuch und ihre Menschlichkeit gewürdigt. Es war ein Schock, weil man so etwas noch nie erlebt hat. Gleichzeitig aber besteht der Anspruch an die Neuseeländer selber, ein Vorbild zu sein, wie man anders mit dieser ganzen Problematik umgeht.

Aber ist die neuseeländische Gesellschaft heute noch so geeint, wie sie es gleich nach den Anschlägen war?

In der Gesellschaft ist eine Spaltung spürbar. Es verwundert nicht, dass im ersten Überschwang des Schocks und des Mitgefühls alle zusammenstehen. Irgendwann aber lässt das bei denen, die nicht so direkt betroffen sind wieder nach. Irgendwann haben sie genug von der Berichterstattung und von den Spendenaufrufen. Die Kommentarfunktion der grössten Medienseite ist zum Beispiel entsprechend geändert worden. Viele islamophobe und hetzerische Aussagen kamen zusammen, welche man im Keim ersticken möchte.

Ist auch eine Spannung zwischen den Religionsgemeinschaften spürbar?

Nicht direkt zwischen Religionsgemeinschaften. Es wurde interreligiös geholfen und Mitgefühl gezeigt.

Ist man sich politisch noch einig, wie man gegen den Extremismus vorgehen will? Nach den Anschlägen wurden beispielsweise die Waffengesetze rasch verschärft.

Das wurde sogar von den Konservativen unterstützt. Es war eigentlich ungewöhnlich, dass kein parteipolitisches Hickhack ausgeartet ist, sondern dass alle den Ernst der Stunde erkannt haben. Das wird auf Dauer nicht so bleiben.

Es war eigentlich ungewöhnlich, dass kein parteipolitisches Hickhack ausgeartet ist, sondern dass alle den Ernst der Stunde erkannt haben. Das wird auf Dauer nicht so bleiben.

Rund um den Terroranschlag ist eigentlich noch nichts laut geworden was dieser Regierung jetzt irgendwie um die Ohren geflogen wäre oder was sie in den Augen der Opposition falsch gemacht hat.

Würden Sie zusammenfassend sagen: Im Grossen und Ganzen ist die Bevölkerung geeint?

Ja, man ist im Grossen und Ganzen geeint. Es sind schon oder erst sechs Wochen seit dem Anschlag vergangen und bis zum Prozess wird noch viel Zeit verstreichen. Man darf auch nicht vergessen, dass die ganzen Opferfamilien jetzt aus ihrer Trauer herauskommen. Der letzte der Verletzten ist immer noch im Krankenhaus und wurde noch nicht entlassen. Ich glaube aber, weil die Politik und die Regierungschefin von vornherein die Weichen gut gestellt haben, stehen die Zeichen ganz gut.

Das Gespräch führte Antonia Moser.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Spielmann (spielmann-psy)
    Frau Richter liegt falsch: auch wenn die Diskussion in NZ wohltuend unpolemisch geführt wird, auch wenn Frau Ardern mit ihrer Geste des Kopftuchtragens viel guten Willen zugesprochen wird, in privaten Gesprächen und auch in den sozialen Netzwerken weisen gerade junge Muslima darauf hin, das Kopftuch sei kein religiöses Zeichen, sondern Symbol des politischen Islam und der Unterdrückung von Frauen. Der politische Islam habe in NZ keinen Platz, spalte dieses multi-ethnische Land.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Seit sich der Islam durch die vielen Flüchtlinge über die ganze Welt verteilt, gibt es diese Probleme.Es ist Zeit, dass sich alle Verantwortlichen endlich dazu Gedanken machen, denn diese Tatsache kann keiner leugnen.Wenn Menschen wieder realistisch denken könnten, würde man sehen, dass die Moslems sich entweder bei uns anpassen oder sie gehen zurück in Länder wo der Islam zu Hause ist.Dazu muss man ja niemanden umbringen, nur einfach zurückschicken tut ja keinem weh+jeder Moslem hätte die Wahl!
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  • Kommentar von Giovanni Serini (Giovanni Serini)
    Man liest immer von islamophobie, aber nie habe ich gelesen von westophobie oder von bibelphobie oder menschenrechtphobie oder frauenrechtphobie....
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    1. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      Giovanni Serini, habs schon ein paarmal erwähnt, Islamophobie wird es mE in westlichen Ländern so lange geben, als Westophobie von Muslimen kultiviert wird. Und das betrifft nicht nur Atheisten oder Andersgläubige, sondern auch jene Muslime, welche sich nicht korangemäss verhalten. Die diesbezügliche Entwicklung in Europa ist bedenklich.
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