- Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigt fünf von acht Verdachtsfällen des Hantavirus-Ausbruchs auf dem Expeditionsschiff Hondius; drei Fälle bleiben noch unbestätigt.
- Die Inkubationszeit der Andesvariante kann bis zu sechs Wochen betragen, sodass laut WHO weitere Fälle auftreten können.
- Kontaktpersonen sollen deshalb über mehrere Wochen hinweg beobachtet werden.
- Das Risiko für die Öffentlichkeit sei derzeit dennoch gering.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat nach dem Hantavirus-Ausbruch auf dem Expeditionsschiff Hondius fünf von acht Verdachtsfällen bestätigt. Drei weitere Fälle gelten weiterhin als Verdachtsfälle. Das sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus an einer Pressekonferenz in Genf.
Laut Tedros könnten weitere Fälle folgen. Denn die Andesvariante des Virus hat eine Inkubationszeit von bis zu sechs Wochen. Das bedeutet: Menschen können sich infiziert haben, ohne zunächst Beschwerden zu zeigen. Deshalb überwachen Behörden Kontaktpersonen oft über mehrere Wochen hinweg. Dennoch stuft die WHO das Risiko für die Öffentlichkeit derzeit als gering ein. Es handele sich weder um den «Ausbruch einer Epidemie» noch um den «Ausbruch einer Pandemie», versichert die WHO.
Die unter niederländischer Flagge fahrende «Hondius» befindet sich mit knapp 150 Menschen an Bord auf dem Weg nach Teneriffa. Dort soll das Schiff am Sonntag ankommen. Zuvor machte es mehrere Tage vor Kap Verde Halt, nachdem die ersten Infektionen bekannt geworden waren. Drei Menschen starben bislang im Zusammenhang mit dem Ausbruch.
Flugbegleiterin in Amsterdam isoliert, Spanien plant Quarantäne
Inzwischen soll sich eine KLM-Flugbegleiterin mit leichten Symptomen in Amsterdam in Isolation befinden. Sie hatte in Johannesburg direkten Kontakt zu einer niederländischen Passagierin, die später am Hantavirus starb. Die Frau wollte ursprünglich nach Amsterdam fliegen, die Crew verweigerte ihr wegen ihres Gesundheitszustands jedoch den Einstieg. Die niederländischen Behörden suchen nun sämtliche Kontaktpersonen des Fluges.
Auch ein Schweizer infizierte sich. Er verliess das Schiff am 24. April auf der Insel St. Helena und wird nun im Universitätsspital in Zürich behandelt. Sein Zustand gilt als stabil.
Auch Grossbritannien überwacht mehrere Passagiere. Zwei Briten, die das Schiff ebenfalls auf St. Helena verlassen haben, befinden sich laut der Nachrichtenagentur PA in Selbstisolation. Sie sollen bislang keine Symptome zeigen.
Spanien will 14 Passagiere nach der Ankunft auf Teneriffa in einem Spital in Quarantäne bringen. Gesundheitsministerin Monica García sagte, die Behörden setzten auf freiwillige Isolation, könnten diese aber auch anordnen.
Infektiologen an Bord der «Hondius»
Laut dem Betreiber Oceanwide Expeditions arbeiten inzwischen zwei niederländische Infektiologen und zwei Epidemiologen auf dem Schiff. Derzeit zeige niemand Symptome.
Als Ursprung der Infektionen gilt weiterhin Südargentinien. Die «Hondius» war Anfang April in Ushuaia ausgelaufen. Argentinische Behörden untersuchen nun Nagetiere in der Region auf das Virus. Hantaviren werden meist durch Ausscheidungen infizierter Mäuse oder Ratten übertragen. Bei der Andesvariante sind laut WHO auch Übertragungen zwischen Menschen möglich.