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Italien: Staatsanwaltschaft beginnt mit Ermittlungen
Aus Rendez-vous vom 07.09.2018.
abspielen. Laufzeit 02:40 Minuten.
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Nach Brückeneinsturz in Genua Staatsanwalt präsentiert Liste der Verdächtigen

Neben Managern müssen sich auch diverse Beamte vor der Justiz verantworten. Unter anderem wegen fahrlässiger Tötung.

Die grösste Regierungspartei, das Movimento Cinque Stelle, hatte schon kurz nach dem Einsturz der Morandi-Brücke in Genua behauptet, Schuld sei der private Betreiber: der von der Familie Benetton kontrollierte Konzern Autostrade per l'Italia. Doch die Ermittlungen der Justiz gehen längst nicht nur in diese Richtung: Auf der Liste der 20 Personen, gegen die ermittelt wird, stehen auch Namen von Beamten. Leute, die im Transport-Ministerium in Rom arbeiten oder für die Kontrolle der Brücke zuständig waren.

Die Staatsanwälte von Genua gehen also von einer geteilten Verantwortung aus: da wird einerseits gegen den privaten Betreiber Autostrade per l'Italia, dessen CEO Giovanni Castellucci und weitere Spitzenmanager ermittelt. Und da ist andererseits eben auch der Staat selber, der die Konzession vergeben hat und den Konzessionsnehmer hätte kontrollieren müssen. Konkret sind das leitende Beamte des Verkehrsministeriums.

Der leitende Staatsanwalt Francesco Cozzi
Legende: Der leitende Staatsanwalt Francesco Cozzi. Keystone

Die 20 Personen, gegen die ermittelt wird, haben eines gemeinsam: Auf ihren Schreibtischen lagen jene Studien und Berichte, aus denen die italienischen Zeitungen nun seit drei Wochen zitieren. Papiere, die auf Mängel und Gefahren hinwiesen und Interventionen verlangten.

Die letzte dieser Studien stammt vom Februar dieses Jahres. Einzelne Fachleute verlangten, die Stabilität der Brücke mit Sensoren stetig zu überwachen. Doch weder wurden solche Sensoren montiert, noch wurde saniert oder die Brücke gesperrt.

Allerdings hat auch keiner der bisher bekannt gewordenen Berichte eine sofortige Sperrung der Morandi-Brücke verlangt.

Trümmer der Morandi-Brücke
Legende: Studien und Berichte wiesen auf Mängel der Morandi-Brücke hin. Keystone

Auch wenn die Liste mit den Leuten, gegen die ermittelt wird, bereits knapp vier Wochen nach dem Unglück vorliegt, dürfte das Verfahren trotzdem Jahre dauern und durch alle drei Gerichts-Instanzen gehen. Es kann auch sein, dass im Laufe der Ermittlungen weitere Verdächtige dazukommen.

600 Leute sollen neue Wohnungen erhalten

In den nächsten Tagen will die Regierung der Region Ligurien bekannt geben, wie der Rest der Brücke abgebrochen wird – ob durch eine Sprengung oder Stück für Stück. Klar ist, dass die Häuser unter der Brücke beim Abbruch ebenfalls zerstört werden. Die rund 600 Leute, die unmittelbar nach dem Einsturz ihre Häuser verlassen mussten, sollen bis Ende September neue, definitive Wohnungen erhalten.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst Boller  (BOER)
    Die Brücke ist hoffentlich unseren Privatisierungs-Turbos eine Mahnung.
    1. Antwort von Oskar Schneider  (Oski2)
      So gerne Ich Italien habe, es ist und bleibt "Bella Italia" und dort dauert alles lange, länger sehr lange denn man muss ja alles erst diskutieren. :)
  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Bis die betroffenen Menschen ein neues Zuhause haben vom Staat erhalten werden, werden Jahre vergehen.
    1. Antwort von Peter Amthauer  (Peter.A)
      @Herr Hochuli
      Woher wissen Sie, dass die 600 Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten, die Ihnen zugesagten Wohnungen erst in Jahren erhalten werden?
      MfG
    2. Antwort von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
      Lieber Herr Amthauer, warum fragen sie, dann schauen sie sich einmal in Italien um. Seit Jahren warten in viele Erdbebengeschädigte seit Jahren auf ein vom Staat versprochene Häuser. Italien ändert sich nicht in einem Jahr, falls doch, ziehe ich meine Annahme zurück und entschuldige mich.