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Nach den Midterm-Wahlen Die Achillesferse von Präsident Trump

Von einem «very big win» spricht Präsident Donald Trump. Das macht Sinn, denn offenbar rechnete er mit herberen Verlusten der Republikaner. Er sieht die sich abzeichnenden republikanischen Sitzgewinne im Senat als historischen Sieg an. Und im Repräsentantenhaus sei es nicht zur «blauen Welle» der Demokraten gekommen, von der immer alle gesprochen hätten. Eine Schadensbegrenzung, die unter anderem ihm zu verdanken sei.

Tatsächlich hat sich Präsident Trump in den vergangenen Wochen schier unermüdlich für republikanische Wackelkandidaten eingesetzt. Er hat das Thema Immigration zum Glühen gebracht und die Trump-Anhänger an die Urnen getrommelt. Er hat sich wieder einmal als wirkungsvoller Wahlkämpfer bewiesen.

Präsident Trump hat einige Gründe, optimistisch zu sein, für seine eigene Wiederwahl in 2020. Die guten Wirtschaftsdaten schweissen die Trump-Allianz zusammen: die Arbeitnehmer, die Kleinunternehmer, die Wirtschaft und das Militär. Der Wirtschaftsaufschwung ist inzwischen auch bei den Arbeitern und Angestellten angekommen, die Löhne sind im letzten Jahr um drei Prozentpunkte gestiegen und befinden sich jetzt wieder auf dem Niveau wie kurz vor der Finanzkrise. Das sind gute Voraussetzungen für 2020. Die Wirtschaft stützt den Präsidenten, solange sie brummt.

Trump beliebt in weiten Gebieten

Die Zwischenwahlen rufen auch in Erinnerung, wie beliebt Präsident Donald Trump in weiten Gebieten der USA ist. Aber völlig homogen ist das «Trump-Land» nicht. Es lohnt sich genauer hinzuschauen, zum Beispiel in den mittleren Westen. Dort gewannen die Demokraten im Bauernstaat Iowa zwei Wahlbezirke hinzu – von insgesamt vier. In Wisconsin wird Gouverneur Scott Walter abgewählt, ein wichtiger symbolischer Sieg im Staat, der 2016 Trump über die Siegeslinie ins Weisse Haus schob. In Michigan, in der Nähe der Auto-Metropole Detroit, verbuchen die Demokraten zwei Sitzgewinne.

Das zeigt, dass im mittleren Westen, ob rural oder industriell geprägt, Bewegungen stattfinden, die nicht ganz unbedenklich für Präsident Trump sind. Die Region reagiert empfindlich auf Trumps Handelspolitik und seine Zolldispute. Und trotz allgemeinem Wirtschaftsaufschwung leidet der sogenannte Rostgürtel weiterhin unter Armut und einer maroden Infrastruktur.

Grundsätzlich sind Präsident Trumps Chancen intakt, 2020 wiedergewählt zu werden. Bloss, der weite mittlere Westen könnte zur Achillesferse von Präsident Trump werden.

Isabelle Jacobi

Isabelle Jacobi

USA-Korrespondentin, SRF

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Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Ruefer (Michael Ruefer)
    Frau Jacobi hat gestern schon im Rendez-Vous erzählt, dass Trumps Wiederwahlchancen gross sind. Ohne irgendwelche Zahlen und Belege. Im Rust Belt ist Trump doch total abgeschifft. In den State Legislatives, den Bundesstaat-Parlamenten: herbe Verluste für die GOP dort. Auch in Florida (trotz knapper Verluste bei Gouverneurs- und Senatswahl): Verluste . In Arizona und Texas ebenso. Texas ist auch in Reichweite für DEM-Mehrheiten. Diese Analyse hier ist oberflächlich und dahingeredet.
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    1. Antwort von Mihajlo Mrakic (MMGOP)
      Yeah, you‘re the expert here, I know! Trump selber ist nirgends abgeschifft. 9 von 11 Kandidaten, für die er Kampagne betrieb, gewannen das Rennen. So wenige Sitze im HOR zu verlieren und dann noch im Senat 3 zu gewinnen bei den ersten Midterms, ist ein Ereignis, welches ganz wenige Präsidenten seit dem 20 Jhd. feiern durften.
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  • Kommentar von Markus Guggisberg (gugmar)
    Keine Sorge die kommen alle wieder zurück ! Alternativlos !
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  • Kommentar von Toni Koller (Tonik)
    Erfreuliche Erkenntnis aus diesen Wahlen: Die Jüngeren sind im Vormarsch, und sie sind vorab Demokraten. Trumps Wählerbasis, die verbitterten alten weissen Männer (Gott hab sie selig) sterben langsam aber sicher weg. Natürlich haben sie auch Nachwuchs, aber er ist spärlich. Und so wird der aktuelle nationalistische Retro-Fimmel bald mal wieder von der Bildfläche verschwinden. In den USA wie auch in Europa.
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