«Colliens Enthüllungen haben zu Recht eine Schockwelle durch dieses Land geschickt», sagt Josephine Ballon von «HateAid» vor Demonstrierenden. Sie weiss längst um das Problem.
«In der Betroffenen-Beratung melden sich schon seit Jahren immer mehr Menschen, die von sexualisierten Deepfakes, von Videos und von Bildern betroffen sind.»
Die Täter sind Ehemänner, Schulkameraden, Nachbarn – es kann wirklich jede Frau treffen. So wie Theresia Crone: «Ich habe das erlebt. Durchlebt. Überlebt.» Die 23-Jährige erzählt in diesen Tagen immer wieder ihre Geschichte – zwei Jahre ist es her, aber der Albtraum hört nicht auf.
«Wenn du etwas überlebt hast, sollte es doch vorbei sein. Aber digitale Gewalt endet nicht so richtig. Sie bleibt – in den Suchmaschinen, die Bilder in den Köpfen. Das Gefühl in meinem Körper.»
Wir wissen alle, dass das kein Randphänomen ist. Es ist ein Massenphänomen. Die Technik ist neu, aber das Motiv dahinter ist uralt. Es ist Macht, Erniedrigung, Kontrolle.
Schnell haben die Themen Deepfakes und digitalisierte Gewalt auch den Bundestag erreicht. Auch wenn davon nicht die Rede war: Viele dieser Politikerinnen erleben Hass im Netz auch selbst.
Deepfakes sollen strafbar werden
Justizministerin Stefanie Hubig will Deepfakes nun rasch strafbar machen. «Wir wissen alle, dass das kein Randphänomen ist. Es ist ein Massenphänomen. Die Technik ist neu, aber das Motiv dahinter ist uralt. Es ist Macht, Erniedrigung, Kontrolle.»
Die Justiz hinkt der Technik hinterher. Aber mindestens so problematisch ist das gesellschaftliche Klima. 19 von 20 Taten werden gar nicht erst angezeigt – und das ist kein Frauenproblem, macht Frauenministerin Karin Prien klar: «Es ist notwendig, Männer zu adressieren und mit Männern darüber zu sprechen und nicht, weil man zu pauschalen Urteilen kommen sollte. Sondern deshalb, weil wir aus aktuellen Studien wissen, dass 30 Prozent der Männer unter 35 Gewalt in Partnerschaften inzwischen für akzeptabel halten.»
Auch die Publizistin Ingrid Brodnig, die das Buch «Feindbild Frau – über Hass im Netz» geschrieben hat, unterstützt die Bestrebungen, einen eigenen strafrechtlichen Tatbestand zu schaffen: «Das Tolle daran wäre, dass es damit in der juristischen Logik wichtiger ist. Und das kann dann zum Beispiel bei Ermittlungen eher motivieren, dass man das nicht rasch einstellt, sondern gründlich und vehement ansieht.»
Jetzt wissen wirklich viele Menschen, was Deepfakes sind, wie ekelhaft die sein können. Und dieses Wissen einmal in der Gesellschaft zu haben, das kriegt man nicht so leicht weg.
Nicht nur die Paragraphen entscheiden, auch die Durchsetzung sei zentral. Damit Opfer ernst genommen werden. Nicht wie in diesem Fall einer Österreicherin. «Als sie die Anzeige aufgab, hat der Polizist zu ihr gesagt. ‹Da hat sich wahrscheinlich wer einen Scherz erlaubt.› Also wir brauchen auch auf allen Ebenen vom Erstkontakt mit der Polizei bis hin zum Gerichtsverfahren eine gut ausgebildete Justiz, eine gut ausgebildete Exekutive.»
Und schliesslich müssten auch die Tech-Plattformen Verantwortung übernehmen. Prominente Fälle, wie jener von Collien Fernandes sind wichtig für die Sichtbarkeit eines Problems.
Ingrid Brodnig ist deshalb zuversichtlich, dass nun etwas in Bewegung kommt. «Jetzt wissen wirklich viele Menschen, was Deepfakes sind, wie ekelhaft die sein können. Und dieses Wissen einmal in der Gesellschaft zu haben, das kriegt man nicht so leicht weg.»
Aber: Bis es wirklich besser wird, ist es noch ein langer Weg.