Über Gauriganj, einem gut 36'000-Seelen-Dorf im Südwesten Nepals, liegt heitere Partystimmung. Dutzende Menschen warten an diesem Morgen gespannt auf Balendra «Balen» Shah. Dem früheren Rapper und Ingenieur werden beste Chancen eingeräumt, nächster Premierminister zu werden. Es ist sein letzter Wahlkampftag. Vor allem bei der Generation Tiktok geniesst er Kultstatus.
«Balen kann es schaffen. Er ist jung. Wir glauben, dass er Nepal verändern kann», sagt der 20-jährige Ritik Rauniyar.
Auch die 19-jährige Khusbu Kumari Mahato hofft, dass Balendra Shah das Rennen macht. «Viele von uns haben studiert, aber wir müssen ins Ausland gehen, um Arbeit zu finden», sagt Khusbu. «Wenn Balen gewinnt, werden wir hier bleiben können.»
Denn Balen hat in seinem Wahlmanifest auch 1.2 Millionen neue Arbeitsplätze versprochen. Und eine Verdopplung des Pro-Kopf-Einkommens auf 3000 Dollar pro Jahr, in nur fünf Jahren.
Khusbu und Ritik haben mitdemonstriert bei den Gen-Z-Protesten, bei denen 77 Menschen ums Leben kamen. Sie machen die alte Garde von Politikern wie dem früheren Premierminister KP Oli für die verbreitete Korruption und die fehlenden Perspektiven im kleinen Himalaya-Staat verantwortlich. Und hoffen auf einen Neuanfang.
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Bild 1 von 2. «Balendra Shah ist jung. Wir glauben, dass er Nepal verändern kann», sagt der 20-jährige Ritik Rauniyar. Bildquelle: SRF/Maren Peters.
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Bild 2 von 2. In der Hoffnung auf neue Arbeitsplätze wählt die 19-jährige Khusbu Kumari Mahato den Ex-Rapper Balendra Shah. Bildquelle: SRF/Maren Peters.
Plötzlich fangen die Wartenden an, zu jubeln und aufgeregt zu schreien. Eine Wagenkolonne nähert sich. Laute Musik tönt aus Lautsprechern, blau-weisse Fahnen mit Glockensymbol werden geschwenkt.
Kommunikation über Social Media
Und da ist er, der Superstar: Balendra Shah sitzt am Steuer eines weissen SUV, das Fenster heruntergekurbelt. Er trägt, wie immer, eine schwarze Sonnenbrille, winkt seinen Fans lässig zu und fährt zügig um die Kurve, ohne ein einziges Wort zu verlieren. Nicht mal zwei Minuten hat der Blitzauftritt gedauert.
Er ist kein Mann der grossen Worte. Seine provokanten Kurzbotschaften verbreitet er auf Social Media, wo ihm Millionen folgen. Traditionelle Medien hält der 35-Jährige auf Distanz, seit er vor vier Jahren als Unabhängiger zum Bürgermeister von Kathmandu gewählt wurde.
Ram Kumar Kamat, Bürochef der nepalesischen Tageszeitung «The Himalayan Times», findet Balen suspekt: «Wir bekommen nie ein Interview. Ich probiere es gar nicht mehr. Wir dringen nicht einmal bis zu seinen Assistenten vor.» Vielleicht habe er etwas zu verbergen.
Balendra Shah, der Nepals alte Elite herausfordert, ist zwar populär, aber auch umstritten. Als Bürgermeister von Kathmandu räumte er die Stadt auf. Viele bewundern ihn als Macher. Menschenrechtsorganisationen kritisieren ihn. Denn Balen liess die Polizei auch mit Knüppeln Strassenhändler vertreiben und Armensiedlungen abreissen.
«Wähl mich. Jetzt bin ich da»
Balens Wagenkolonne ist inzwischen in einer Staubwolke auf der löchrigen Landstrasse verschwunden. Ein einziges Mal hat er noch Halt gemacht auf seiner Wahlkampftour: bei der Bäuerin Aitrani Rai, die noch ganz benommen unter einem Baum steht. «Er hat nur gesagt: ‹Wähl mich. Jetzt bin ich da.›»
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Bild 1 von 4. Dutzende Menschen haben Balendra Shah gespannt erwartet. Bildquelle: SRF/Maren Peters.
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Bild 2 von 4. Wartende freuen sich und schwenken Fahnen. Bildquelle: SRF/Maren Peters.
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Bild 3 von 4. Viele bewundern Balendra Shah als Macher. Bildquelle: SRF/Maren Peters.
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Bild 4 von 4. Bäuerin Aitrani Rai will Balen eine Chance geben – im Gegensatz zu ihrer 20-jährigen Tochter. Bildquelle: SRF/Maren Peters.
Eine Kurzbotschaft, die auch bei der 60-Jährigen funktioniert hat. Früher habe sie den Kommunisten KP Oli gewählt, sagt Rai. Jetzt werde sie Balen eine Chance geben. Ihre Gen-Z-Tochter Anta glaubt nicht an Wunder. Sie werde Balen erst wählen, wenn er tatsächlich etwas verändert habe, ruft die 20-Jährige kichernd aus dem Hintergrund.
Balendra Shah hört das nicht mehr. Die Wahlkarawane ist längst weitergezogen.