Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Gisela Dachs: «Hamas steht selber am Pranger» abspielen. Laufzeit 06:18 Minuten.
06:18 min, aus SRF 4 News aktuell vom 27.03.2019.
Inhalt

Nach Korruptionsvorwürfen «Verbündete lassen die Hamas im Stich»

Die radikale Palästinenserorganisation Hamas, welche den Gazastreifen regiert, ist sich Druck aus Israel gewohnt. Aber jetzt regt sich auch in der eigenen palästinensischen Bevölkerung Widerstand. Letzte Woche sind vor allem junge Leute auf die Strasse gegangen. Auf diese Demonstrationen hat die Hamas mit grosser Härte reagiert. Laut der Journalistin Gisela Dachs verliert die Hamas zunehmend an Rückhalt – selbst bei Partnerländern.

Gisela Dachs

Gisela Dachs

Journalistin in Israel

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Die gebürtige Deutsche studierte Literaturwissenschaften und Philosophie. Sie arbeitet als Journalistin und Publizistin und berichtet für verschiedene Medien aus dem Nahen Osten. Sie lebt seit fast 20 Jahren mit ihrer Familie in Israel.

SRF News: Am Montag meldete Israel einen Raketenangriff der Hamas auf ein Dorf nahe Tel Aviv. In Israel wird in zwei Wochen gewählt. Sehen Sie einen Zusammenhang mit dem Zeitpunkt dieses Raketenangriffs?

Gisela Dachs: Ja, denn es ist klar, dass der israelischen Regierung in solchen Zeiten die Hände gebunden sind. Denn wer will jetzt schon einen grossen Waffengang anfangen? Mit einem Angriff kann die Hamas zugleich Stärke demonstrieren, ohne allzu viel zu riskieren – wenigstens im Augenblick.

Die Hamas hat mit Unmut aus der eigenen Bevölkerung zu kämpfen. Was genau werfen ihr die Bürgerinnen und Bürger im Gazastreifen vor?

Die Lebensumstände sind in Gaza weiterhin desolat. So hat sich in den letzten Monaten eine soziale Bewegung in den sozialen Netzwerken gebildet, unter dem Hashtag #WeWantToLive. Im Zentrum stehen Preisanstiege, aber vor allem auch das Thema Korruption unter der Hamas. Ein Video hat die Runde gemacht, in dem eine Frau sagt: «Die Hamas, die haben schöne Häuser und Autos, und wir haben nichts zu essen.» Daraufhin begann sich diese Bewegung zu formieren, die dann brutal zusammengeschlagen wurde.

Sicherheitskräfte an Demo in Hebron
Legende: Laut Amnesty International wurden bei den Demonstrationen Hunderte Menschen verhaftet. Reuters

Die Hamas regiert im Gazastreifen seit 2007. Dass sich die eigene Bevölkerung gegen sie stellt, ist für sie neu. Was sind die Gründe?

Neben der Verschlechterung der Lebensumstände und der Hoffnungslosigkeit gibt es auch eine ganze Reihe von Verbündeten, die die Hamas immer mehr im Stich lassen und sie isolieren. An erster Stelle die Palästinenserbehörde im Westjordanland: Sie hat die Daumenschrauben besonders stark angezogen. Sie hat den Strom und Beamte nicht mehr bezahlt.

Die Hamas hat lange von der Idee gelebt, bescheiden zu sein – im Gegensatz zu den reichen Funktionären der Palästinenserbehörde.

Auch der Iran hat im Augenblick weniger Mittel, um die Hamas zu unterstützen. Lediglich Katar konnte – mit israelischer Genehmigung – Koffer voller Geld in den Gazastreifen bringen, um wenigstens für das Nötigste zu sorgen.

Bisher konnte die Hamas die Bevölkerung mit dem Feindbild Israel hinter sich scharen. Funktioniert das nicht mehr?

Die Hamas hat lange von der Idee gelebt, bescheiden zu sein – im Gegensatz zu den reichen Funktionären der Palästinenserbehörde, die sich Gelder in die Tasche stecken. Jetzt steht sie selber am Pranger. Es wird sich zeigen, ob der Druck der Strasse bis in die Hamas hinein wirkt und dann tatsächlich zu einem Politikwechsel führt. Das mag aber auch einfach nur Wunschdenken sein.

Was wollen die Demonstrierenden konkret erreichen?

Im Augenblick ist einfach die Angst nicht mehr da, laut zu sagen: «Schlechter kann es uns nicht mehr gehen.» Vielleicht hilft derzeit auch ein Blick nach Algerien. Die Menschen sind auch im Gazastreifen vernetzt und sehen, was woanders passiert. In Algerien gehen die Menschen auf die Strasse, auch im Sudan tun sie das. Selbst wenn man versucht, die Menschen zu isolieren: Videos dringen nach draussen. Und vielleicht verändert es doch irgendetwas, wenn man aufschreit und sagt, dass man so nicht weiterleben will.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Marc Bühler (Capten Demokratie)
    Was wäre anders wenn die Hamas nicht wäre? Würde sich was an der Situation ändern? Wohl kaum. Wir sehen es in der Westbank. Ich war selbst schon in der Westbank und Israel. Würde Israel Land zurückgeben? Könnten sie einen Staat gründen oder Israelis werden? Nein. Hätten sie bessere Rechte? Nein. Würde mann denn Menschen einen Weg aufzeigen um ein eigenes Land zu bekommen oder Israelis zu werden mit den gleichen Rechten würde die Hamas Morgen schon vom Volk hinweggefegt werden.Passiert aber nicht
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Franz NANNI (igwena ndlovu)
      Solange die Palaestinenser nicht Frieden wollen gibt es Diesen nicht... ansonst haetten sieschon lange Einzug in ein sicheres gutes Leben gefunden... zusammen mit den Israelis... Diese koennten naehmlich die Intelligenz und Faehigkeiten der Palestinenser sehr wohl gebrauchen... aber eben wollen sollte man koennen..!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    "Teile und Herrsche!" vom Feinsten. Wie in Venezuela wird das Volk mit usraelischen Blockaden in Elend und Hunger gedrueckt. Bis es mit Hilfe von Propaganda, Spionage, Diversion und Sabotage gegen seine Elite statt die Schuldigen an seiner Misere revoltiert....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Haller Hans (H.Haller)
    Diese Hamas wird vom Iran her unterstützt und wahrscheinlich auch angeleitet und geleitet. Sie wird sicherlich nie die Interessen der Palästinenser wirklich vertreten können, sondern lediglich die Interessen des iranischen Ayatollah-Regimes in Teheran. Ergo wird man nie zu einem friedlichen Miteinander kommen können.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      Und via den Iranischen Banken in Deutschland finanziert. Deutschland lässt das bewusst zu.... nun, die Frage darf man stellen, wie die Deutschen wirklich zu Israel stehen...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen