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Offene Fragen vor AfD-Parteitag
Aus Echo der Zeit vom 29.11.2019.
abspielen. Laufzeit 05:09 Minuten.
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Nachfolge von AfD-Gauland Der Malermeister oder der polemische Scharfmacher?

Am Samstag wählt die AfD am Parteitag einen neuen Co-Parteivorsitzenden. Ein Machtkampf, dessen Ausgang ungewiss ist.

Alexander Gauland war der ideale AfD-Parteivorsitzende. Er trägt oft ein Tweed-Jackett und eine grüne Krawatte mit Golden Retrievers drauf, wirkte wie ein grossväterlicher Gutsbesitzer, reklamiert für die AfD einen Platz in der bürgerlichen Mitte. Gleichzeitig kann er aber Ungeheuerliches von sich geben. Etwa: «Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in unserer über 1000-jährigen Geschichte.»

Gauland war einer der wenigen in der neugegründeten AfD, der politische Erfahrung hatte; er war 40 Jahre in der CDU, unter anderem Chef der hessischen Staatskanzlei. Und last but not least: Als Co-Partei- und Co-Fraktionschef hielt er die Zügel der Macht in einer Hand.

Parteienforscher Karl-Rudolf Korte: «Er war ein Mittler zwischen den verschiedenen Flügeln und Fronten, sichtbar als Akteur, unaufgeregt. In der Gründungsphase der Partei ein hilfreicher Akteur.»

Gauland hat einen Favoriten

Am morgigen Parteitag der AfD will Gauland das Amt des Co-Parteichefs abgeben, am liebsten an Tino Chrupalla, 44, Malermeister aus Görlitz. Chrupalla hatte 2017 das Kunststück geschafft, Michael Kretschmer, damals CDU-Generalsekretär in Sachsen, das Bundestagsmandat aus dem Stand abzuluchsen.

Chrupalla kann wie ein CDU-Mittelständler sprechen. In 53 Berufen sei die Meisterprüfung abgeschafft worden, klagt er. Und mit Nazi-Rhetorik habe er nichts am Hut: «Man muss über diese 12 Jahre als Politiker sensibel reden, in Deutschland erst recht.»

Mann vor Mikrofon.
Legende: Tino Chrupalla möchte Alexander Gauland beerben. Keystone

Gleichzeitig kann er auch ganz anders, je nach Publikum. Vor dem Jubiläum des Mauerfalls griff er Kanzlerin Merkel an, die in der DDR Mitglied der kommunistischen Jugendorganisation FDJ war: «Ich bedauere es, dass sie uns nicht verrät, welche Herrschafts- und Zersetzungsstrategien sie damals bei der FDJ gelernt hat. Wie haben Sie das geschafft, Frau Merkel, dass heute wieder ein antifaschistischer bzw. ein anti-deutscher-Trennwall unser Land zerteilt?»

Chrupalla könnte dem in der AfD-Spitze untervertretenen Osten als Co-Parteichef zu mehr Bedeutung verhelfen. Zwar wählen zahlenmässig im Westen fast doppelt so viele die AfD wie im Osten, aber prozentual ist die AfD im Osten viel stärker als im Westen, in den Führungsgremien der Partei sind die Ostdeutschen aber untervertreten.

Parteitage der AfD sind unberechenbar

Doch die Wahl von Gaulands Wunschnachfolger Chrupalla ist nicht sicher, denn als Gegner hat sich der scharfzüngige Abgeordnete Gottfried Curio ins Spiel gebracht.

Mann an Mikrofon.
Legende: Auch Gottfried Curio hat Ambitionen angemeldet. Keystone

Er gilt zwar als Einzelgänger, wird aber für seine polemische Rhetorik gefeiert, auch auf Youtube. «Ach ja, Maria, Mia oder Mireille bestialisch ermordete Mädchen sind nun Verwerfungen eines Experiments. Wir warnen: Masseneinwanderung heisst auch Messereinwanderung.»

Parteitage einer jungen Partei wie der AfD seien unberechenbar, sagt Korte. Ein gefeierter Auftritt könne die Kräfteverhältnisse ändern. «Die Chancen können innerhalb von zwei Stunden anders aussehen.»

«Die Parteileitung oder die Fraktion?»

Und für verschiedene Posten kandidieren die verschiedensten Anwärter. Auch die Wahl des zweiten Vorsitzenden Jörg Meuthen ist nicht sicher. Nicht im Rennen um ein Amt sei Björn Höcke, die Ikone des völkisch-extremistischen AfD-Flügels: «Ich würde immer mit ihm rechnen, aber nie in der direkten Konfrontation. Wenn, dann macht er es klüger und indirekter.»

Ob Gaulands Favorit Chrupalla gewinnt, sei noch nicht klar: «Es ist ungeklärt, was das Kraft- und Machtzentrum der AfD wird. Die Parteileitung oder die Fraktion?»

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19 Kommentare

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  • Kommentar von R. Berger  (RB.)
    Höcke darf laut einem Gerichtsurteil als Faschist bezeichnet werden, weil dies "auf einer überprüfbaren Tatsachengrundlage" beruhe. Und so jemand gehört laut Gauland zur 'Mitte der Partei'.

    Es soll niemand sagen, man habe nicht gewusst, was für eine Partei man da wählt.

    Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-09/afd-bjoern-hoecke-faschist-verwaltungsgericht-meinigen
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  • Kommentar von R. Berger  (RB.)
    Die sog. AfD bleibt weiterhin für jeden Demokraten unwählbar.
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      R. Berger. warum gerade die AfD plädiert doch für Volksabstimmungen nach CH Art.
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  • Kommentar von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
    Ich teile Kortes Meinung nicht, Gauland sei "ein Mittler zwischen den verschiedenen Flügeln und Fronten, sichtbar als Akteur, unaufgeregt". M.E. war und ist er bei allen öffentlichen Auftritten einer derjenigen, die die Strasse für diejenigen plafonieren, die sich mit Tabubrücken und Grenzverschiebungen des Sagbaren profilieren (von Storch, Weidel, Höcke, um nur die Prominentesten zu nennen). Er steht dem Flügel klar näher als den Gemässigten; Chrupalla dient bloss der Machtausweitung im Westen.
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