Noch sind sie im Iran fester Bestandteil des Stadtbildes: die bisherigen Obersten Führer – gewissermassen die Chef-Mullahs – Chomeini, Vater Chamenei und Sohn Chamenei. Obwohl völlig unklar ist, wie es Modschtaba Chamenei geht. Nach dem Tod seines Vaters ist er eigentlich der mächtigste Mann im Iran, doch öffentlich tritt er nicht auf. Stattdessen verliest das Staatsfernsehen seine Botschaften.
Man vermutet, dass Modschtaba Chamenei bei Luftangriffen schwer verletzt worden sei, so die Iran-Expertin Gilda Sahebi. «Man kann davon ausgehen, dass er sehr stark abgeschirmt wird», sagt die Politologin und Autorin. Es solle verhindert werden, dass der israelische Geheimdienst oder die Amerikaner herausfänden, wo er sei, mit wem er kommuniziere. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass er gerade in jede Entscheidung einbezogen wird, auch was die Verhandlungen mit den USA angeht, sondern dass das wirklich die Revolutionsgarden machen.»
Diese Islamische Republik gleicht jetzt schon mehr einer Militärdiktatur als einem Gottesstaat, als der er definiert ist.
Stolz präsentierten sich die Revolutionsgarden diese Woche mitten in Teheran – eine militärische Machtdemonstration. Die Dominanz der Revolutionsgarden gegenüber den Mullahs scheint immer stärker zu werden. Was man laut Sahebi jetzt schon sagen kann: «Diese Islamische Republik gleicht jetzt schon mehr einer Militärdiktatur als einem Gottesstaat, als der er definiert ist.»
Wer wirklich verhandelt
Das bringt Aufsteiger hervor: Parlamentssprecher Mohammad Ghalibaf leitete die erste Verhandlungsrunde mit den USA. Er war langjähriger Kommandant bei den Revolutionsgarden.
Als der Krieg begann, habe er auch seine Uniform wieder angezogen, sagt Sahebi. «Er sieht sich nicht als ziviler Teil des Regimes, sondern als militärischer. Und deswegen darf er auch für die Revolutionsgarden verhandeln.»
Sie stehen unter dem Befehl der Revolutionsgarden und müssen um ihr Leben fürchten, wenn sie das nicht sind. Sie haben keine wirkliche Macht. Sie führen das aus, was ihnen gesagt wird.
Zivile Vertreter wie Präsident Massud Peseschkian sind zunehmend isoliert. Aussenminister Araghtschi verkündete letzte Woche die Öffnung der Strasse von Hormus. Doch kurz darauf dementierten die Revolutionsgarden und übersteuerten den Aussenminister. Präsident und Aussenminister – sie dürften nicht mehr allein agieren, so Sahebi. «Sie stehen absolut unter dem Befehl der Revolutionsgarden und müssen um ihr Leben fürchten, wenn sie das nicht sind. Sie haben keine wirkliche Macht. Sie führen das aus, was ihnen gesagt wird.»
Der Krieg verstärkt die bestehenden Bruchlinien im Iran. Die Revolutionsgarden setzen zunehmend auf Konfrontation.