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Wichtige Meerenge USA blockieren Hormus – wie einst die Briten vor gut 70 Jahren

1951 blockierte Grossbritannien die Strasse von Hormus und stürzte die iranische Regierung. Die Lehren aus dem Fall.

Blockade heute: Nach den gescheiterten Friedensverhandlungen des Wochenendes haben die USA angekündigt, die Strasse von Hormus zu blockieren – für die Schiffe des Irans und von ihm nahestehenden Nationen. Die Rohstoffmärkte reagieren schockiert, zu Wochenbeginn steigt der Ölpreis erneut auf über 100 Dollar pro Fass, das sind sieben Prozent mehr.

Blockade in den 1950er-Jahren: Es ist erst das zweite Mal in der Geschichte, dass eine westliche Grossmacht die Meerenge blockiert. Grossbritannien hat die Strasse von Hormus zwischen 1951 und 1953 für iranisches Öl gesperrt. Danach folgt der Sturz der iranischen Regierung mit Hilfe der US-Geheimdienste.

Leere Hafenanlage
Legende: Kein Schiff weit und breit: Grossbritannien blockiert den Schiffsverkehr und lähmt die iranische Ölindustrie, 1951 bis 1953. Image / United Archives International

Die Vorgeschichte: 1909 entdeckte die britisch-iranische Anglo-Persian Oil Company (Apoc) ein grosses Ölfeld im Westen des Irans. Es war die grösste Entdeckung der damaligen Zeit – erstmals förderte ein Unternehmen im Nahen Osten Öl. Grossbritannien übernahm im Verlauf der Jahre die Kontrolle und Aktienmehrheit der Gesellschaft. Das Land brauchte das Öl und den Treibstoff für die Armee. Aus der Apoc wurde später die Anglo-Iranian Oil Company und aus dieser entstand die British Petroleum Company. Die heute als BP bekannte Ölgesellschaft hat ihre Wurzeln im Iran.

Die Verstaatlichung: Zunehmend fühlte sich der Iran von den Briten ausgebeutet, weil das Land kaum an den riesigen Gewinnen beteiligt waren. Die Folge: Der neu gewählte iranische Ministerpräsident Mohammed Mossadegh verstaatlichte 1951 das Ölgeschäft, der iranische Staat übernahm die Kontrolle. Der Entscheid war radikal und umstritten. Mossadegh hat einen Bezug zur Schweiz: Er hat an der Universität von Neuenburg in der Zeit von 1910 bis 1914 Rechtswissenschaften studiert, arbeitete in einer Anwaltskanzlei und erhielt die Schweizer Staatsbürgerschaft.

Die Blockade von Hormus: Grossbritannien reagierte auf die Verstaatlichung mit einer Blockade der Meerenge. Die britische Armee schickte Kriegsschiffe in die Region. Die Flotte patrouillierte im Persischen Golf und fing Tanker ab, die versuchten, iranisches Öl zu transportieren. Grossbritannien bezeichnete die Verstaatlichung des Ölgeschäftes als illegal. 1951 verhängte die britische Regierung ein Embargo und blockierte iranische Konti bei britischen Banken. 

Die Folgen der Blockade: Die Sperrung der Strasse von Hormus hat den Iran nach zwei Jahren finanziell an den Abgrund geführt. Dennoch blieb die Regierung hartnäckig – Mossadegh blieb vorerst an der Macht. Doch dann schalteten sich die britischen und amerikanischen Geheimdienste ein. Sie orchestrierten den Sturz, die Operation Ajax. Mossadegh wurde wegen Landesverrates angeklagt und drei Jahre ins Gefängnis gesteckt.

Mehrere Männer im Gerichtssaal
Legende: Steht vor Gericht: Der iranische Ministerpräsident Mohammad Mossadegh, 1953. Keystone / AP

Rolle der USA: Nach dem Sturz des iranischen Ministerpräsidenten 1953 wurde die Verstaatlichung des iranischen Ölgeschäfts rückgängig gemacht und ein Konsortium übernahm das Ölgeschäft. Der von den USA gestützte Schah Pahlavi übernahm die Macht bis zur Islamischen Revolution von 1979.

Die Leeren aus der Blockade: Die Blockade und der Umsturz in den 1950er-Jahren haben zu einem tiefen Misstrauen geführt. Grossbritannien hat die Lehren gezogen und hält sich bisher zurück. Der Iran wiederum hat damals gezeigt, dass das Land bereit ist, wirtschaftliche Einbussen kurzfristig in Kauf zu nehmen, wichtiger sei die Unabhängigkeit des Landes, sagte damals der iranische Ministerpräsident.

SRF 4 News, 13.4.2026, 16:09 Uhr;liea

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