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Legende: Video Dschibuti – geostrategischer Hotspot abspielen. Laufzeit 05:04 Minuten.
Aus 10vor10 vom 17.04.2019.
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Neue Seidenstrasse Chinas Militärbasis in Dschibuti weckt Ängste im Westen

Peking gibt in Ostafrika nicht nur wirtschaftlich den Ton an, sondern expandiert in Dschibuti auch militärisch.

Das ostafrikanische Dschibuti scheint kein besonders gesegnetes Land zu sein. Es ist klein, heiss und unwirtlich. Viele Menschen sind arm, Bodenschätze sind Mangelware.

Doch Dschibutis Trumpf ist seine geografische Lage. Im Kleinstaat drängen sich Militärbasen verschiedenster Staaten. Nur wenige Kilometer voneinander entfernt haben die USA, Frankreich und Japan Truppen stationiert – und seit 2017 auch China.

Karte, auf der die Militärbasen Chinas, Japans, Frankreichs und der USA eingetragen sind.
Legende: Die USA, Frankreich und Japan sind schon länger in Dschibuti – seit 2017 auch China. SRF

Lange wollten die Chinesen nichts von einer militärischen Expansion ins Ausland wissen. Sie kritisierten die USA für ihre Basen in Übersee. Doch nun manifestiert sich ein Paradigmenwechsel. Die erste ausländische Basis Chinas sorgt bei westlichen Militärs für Bauchschmerzen.

Das künftige Singapur Afrikas

Dschibuti liegt an der Meerenge von Bab al-Mandab, welche das Rote Meer mit dem Indischen Ozean verbindet. Ein Grossteil der Handelsgüter zwischen Europa und Asien fährt hier durch. Das lockt Piraten an, weswegen viele Staaten in Dschibuti Marine-Einheiten stationiert haben.

Dschibuti hegt grosse Pläne. Das Land will zum Singapur Afrikas werden – ein Umschlagplatz von Waren im globalen und afrikanischen Handel.

China finanzierte und baute dafür fast alles: den neuen Hafen, eine Freihandelszone und die Eisenbahn nach Äthiopien. Dschibuti ist bei China mit 1,4 Milliarden Dollar verschuldet – über zwei Drittel des Bruttoinlandproduktes.

Abhängigkeit von China als Problem

Gerät Dschibuti in Chinas Schuldenfalle? Das Risiko ist gross, glaubt die China-Sicherheitsexpertin Helena Legarda. Sri Lanka musste deswegen unlängst seinen Hafen abtreten. Legarda sieht noch ein weiteres Problem: «Wenn die Wirtschaft so sehr abhängig ist von China, kann China Druck ausüben auf politische Entscheidungen der Regierung.»

Die USA fürchten, im Machtpoker von Dschibuti langfristig den Kürzeren zu ziehen. China könnte Dschibuti etwa dazu auffordern, US-Aktivitäten einzuschränken. Die USA führen von Dschibuti aus ihren Drohnenkrieg in Somalia und Jemen. Auch China nutzt seine Basis nicht nur zur Bekämpfung von Piraterie. Es will seine Bürger im Ausland beschützen und notfalls repatriieren. In Afrika lebt und arbeitet rund eine Million Chinesen.

Dschibuti pokert hoch

Die chinesische Militärbasis von Dschibuti sei ein erster Test, glaubt China-Expertin Legarda: «Es ist ein Modell für künftige Basen. Chinas Militär weitet seine globale Präsenz aus.» Konflikte sind vorprogrammiert. Vor einem Jahr warfen die USA den Chinesen vor, dass sie US-Kampfpiloten in Dschibuti mit Lasern geblendet hätten. China bestreitet das.

Legende: Video «China will sich als Militärmacht etablieren» abspielen. Laufzeit 00:22 Minuten.
Aus 10vor10 vom 17.04.2019.

Dass sich China wirtschaftlich, politisch und militärisch im strategisch gut gelegenen Dschibuti etabliert, weckt im Westen Ängste. Denn viele Ziele von China bleiben im Dunkeln. Dschibutis Aussenminister gibt sich diplomatisch: «Unsere Motivation ist es, befreundeten Ländern zu helfen.»

Derzeit spielt Dschibuti seine Karten geschickt. Doch vielleicht pokert es bei der Partnerschaft mit China doch etwas hoch.

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Simon Johannes (simon.johannes)
    Ich bin weder China feindlich, noch US freundlich. Allerdings glaube ich, dass wir bei China ein wenig blind sind. Es ist die kommende Supermacht und sie ist eine offene Diktatur. Ich mag keine Militärbasen von einem Land in einem anderen, der "Westen" wäre gut beraten, zu schauen, dass Afrika nicht in eine einseitige Abhängigkeit gerät. Das geht nur, wenn auch wir investieren und Afrika nicht nur (wie bisher) übel ausgebeutet wird.
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  • Kommentar von Hans Furrer (Antifa)
    Nun aber die Hauptsache: wirklich schlimm ist die wirtschaftliche Abhängigkeit von China. Ich sitze gerade in Massawa (Eritrea) und habe hier eine Röhrenfabrik, ein Kraftwerk und ein Zementwerk besucht, die von China gebaut bzw. renoviert wurden. Die Eritreer haben allles Cash bezahlt und die Chinesen sind abgezogen, bis auf einige Techniker. Von denen sind sie nun abhängig, da alle elektronischen Kontrollsysteme in Chinesisch programmiert sind und nur von den Chinesen geändert werden können
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  • Kommentar von Hans Furrer (Antifa)
    Zu diesem Artikel gäbe es noch viel zu sagen. Es beginnt mit dem Titel. Was hat die Seidenstrasse hier zu tun, die endet in Istanbul und nicht in Djibouti. Auf der Karte wären noch die Basen der Saudis, der Emirate und der Qatari einzuzeichnen. Alle sind am Horn von Afrika präsent. Und natürlich stimmen all die Kommentare, die schreiben, warum regt man sich über 1 chinesische Basis auf und vergisst die 800 US-Basen und mehrere Hundert der anderen westlichen Mächte auf der ganzen Welt?
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