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Neuer Präsident gewählt Der portugiesische Wunsch nach blasser Verlässlichkeit

Es will einfach nicht aufhören zu regnen: Portugal wird während Wochen von schweren Unwettern heimgesucht. Zerstörte Häuser, Stromausfälle in Teilen des Landes, über ein Dutzend Tote waren bisher die Folge.

Politisch erlebte das Land seinen grossen Sturm schon bei den Wahlen im vergangenen Frühling. Damals hatte die rechtspopulistische Partei Chega das traditionelle System der zwei grossen Parteien weggefegt. Und ist seither zweitstärkste Kraft im Parlament.

Personifizierte Besonnenheit

Und nun, inmitten all dieser stürmischen Umwälzungen, eine Wahl, die für Ruhe und Stabilität steht. Der neue Staatpräsident von Portugal, António José Seguro, ist die personifizierte Besonnenheit. Er spricht von Dialog, von Zusammenstehen, von Konsens. Und das verbunden mit einem Auftreten, das man kaum anders als farblos bezeichnen kann.

Doch genau das dürfte ihm zu seinem grossen Sieg verholfen haben. Viele Wählerinnen und Wähler haben wohl nicht in erster Linie für den Sozialisten Seguro gestimmt, sondern gegen den Rechtspopulisten André Ventura. Für Stabilität und Anstand, gegen Aufruhr und Polemik.

Ein Drittel für Rechtspopulismus

Und doch: Jede und jeder Dritte hat André Ventura gewählt. Einen Mann, der offen gegen Migrantinnen und Migranten oder auch die lange im Land ansässige Minderheit der Roma wettert. Einen Mann, der unverhohlen mit dem früheren Diktator Salazar sympathisiert.

Nicht alle, die Ventura ihre Stimme gaben, teilen seine Positionen vollständig. Viele wollten ihren Unmut zum Ausdruck bringen, ihre Enttäuschung äussern über einen Staat, der die Probleme im Gesundheits- und Bildungswesen nicht in den Griff zu bekommen scheint. Über einen Staat auch, der in den Augen vieler zu langsam auf die Notlage der Menschen reagierte, die unter den Folgen der Unwetter litten und noch immer leiden.

Diesen Sorgen muss die Politik mit tragfähigen Lösungen begegnen können, sonst verliert sie immer mehr an Glaubwürdigkeit.

Nicht der letzte Windstoss

Die Stürme und ihre Folgen dauern noch an. Und auch politisch dürfte mit der gestrigen Wahl nicht der letzte Windstoss durch die portugiesische Parteienlandschaft gezogen sein.

Der Sozialist António José Seguro hat mit dem Sieg seiner Partei, die bei den Wahlen im Frühling regelrecht abgestürzt war, zwar etwas Luft verschafft. Ob er auch dem Land zu ruhigeren Zeiten verhelfen kann, muss er zuerst noch beweisen.

Ruhe, Seriosität, Verlässlichkeit: Aus diesen unspektakulären Zutaten besteht das Rezept, dem die Portugiesinnen und Portugiesen ihre Stimme gegeben haben. Geht es auf, wäre das eine wohltuende Alternative zum Populismus, der weltweit Konjunktur hat.

Beat Vogt

Auslandredaktor

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Beat Vogt ist SRF-Auslandredaktor und zuständig für die Iberische Halbinsel.

Heute Morgen, 9.2.2026, 7 Uhr

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