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Repression im Iran «Uns bluten die Herzen»: Iran nach der blutigen Repression

Nach der brutalen Niederschlagung der jüngsten Proteste herrscht eine angespannte Ruhe im Iran. Während das Regime von einer ausländischen Verschwörung spricht, zeugen vereinzelte Textnachrichten aus dem Land von Angst, Verzweiflung und einem Alltag, der von Propaganda und Repression geprägt ist.

Nach wochenlangen Protesten ist es auf den Strassen des Irans still geworden. Doch es ist eine angespannte Stille, erzwungen durch massive staatliche Repression. Informationen aus dem Land direkt sind schwierig zu erhalten, seit das Regime eine der umfassendsten Internetsperren der letzten Jahre verhängt hat. Die wenigen Textnachrichten, die den Weg nach aussen finden, zeichnen ein düsteres Bild.

Kinder wurden getötet, uns bluten die Herzen.
Autor: Anonym aus Teheran gegenüber SRF

«Wir wissen nicht, wie viele verhaftet und wie viele getötet wurden!», schreibt ein Kontakt. Ein Freund habe auf einem Friedhof in Teheran allein an einem Tag 400 bis 500 Leichen gesehen, die zur Identifizierung gebracht wurden.

Familien müssten den Behörden mehrere Tausend Dollar bezahlen, um die Körper ihrer Angehörigen freizubekommen. Die Nachricht endet mit den Worten: «Kinder wurden getötet, uns bluten die Herzen». Menschenrechtsorganisationen sprechen von Tausenden Todesopfern.

Propaganda gegen die grausame Realität

Die iranische Führung streitet die hohe Opferzahl nicht ab, schiebt die Verantwortung jedoch dem Ausland zu. In einer Rede machte der oberste Führer Ali Chamenei eine «amerikanische Verschwörung» für die Proteste verantwortlich.

Verteidigungsminister Aziz Nasirzadeh behauptete gar, die Protestierenden seien unter Drogeneinfluss gestanden und an einer Überdosis gestorben, nicht durch das Eingreifen der Sicherheitskräfte.

Um diese Darstellung zu untermauern, zwingt das Regime Angehörige von Getöteten vor die Kamera. Ein Video zeigt den Vater eines getöteten Mädchens, der die hörbaren Worte eines Einflüsterers wiederholt, um die offizielle Darstellung zu bestätigen.

Gleichzeitig überzieht die Regierung die Städte mit Plakaten sagt ein weiterer Kontakt, die mit Slogans wie «Du kannst die Zukunft festhalten» Einigkeit demonstrieren sollen.

Dem gegenüber stehen zahlreiche Bilder im Netz, die den gewaltsamen Tod von Demonstrierenden belegen, denen in Kopf oder Rücken geschossen wurde. Der persische Dienst der BBC konnte über dreihundert solcher Bilder auf ihre Echtheit überprüfen.

Allgegenwärtige Kontrolle und wirtschaftlicher Kollaps

Aufmärsche wie vor einigen Wochen gibt es keine mehr. Dafür sorgt ein massives Aufgebot an Uniformierten und Zivilpolizisten, die Autos und Passanten durchsuchen und willkürlich Menschen befragen, um Angst zu verbreiten. «Überall, wo es zu Zusammenstössen kam, sind immer noch Uniformierte stationiert», berichtet ein weiterer Kontakt aus Teheran. Währenddessen bricht die ohnehin angeschlagene Wirtschaft weiter ein.

Verbrannte Busse
Legende: Bei den Protesten verbrannte Busse in der Nähe von Teheran. Keystone / ABEDIN TAHERKENAREH

Die wochenlange Internetsperre hat laut der iranischen Industrie- und Handelskammer mehr als 400'000 Unternehmen in ihrer Existenz bedroht. Die Folgen spüren die Menschen direkt: Firmen schicken ihre Angestellten nach Hause, «uns wurde gesagt, kommt nicht mehr in die Firma, bis das Internet wieder da ist!», schreibt ein junger Software-Entwickler, und die Lebensmittelpreise explodieren: «Rindfleisch bekommst du nur noch für umgerechnet 12 Euro das Kilo – Poulet etwa 3 Euro.»

Für die nächsten Tage hat die Regierung eine Lockerung der Internetsperre in Aussicht gestellt. Ob damit die Proteste wieder aufflammen ist aber fraglich.

Echo der Zeit, 24.1.2026, 18 Uhr;stal

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