- Irans Justiz hat Äusserungen von US-Präsident Donald Trump dementiert, wonach die Exekution von 800 Demonstranten gestoppt worden sei.
- «Diese Behauptung ist völlig falsch. Weder existiert eine solche Zahl noch hat die Justiz eine derartige Entscheidung getroffen», zitierte der staatliche Rundfunk den Generalstaatsanwalt.
- Derweil wächst die Sorge vor einem Krieg: US-Präsident Trump teilte mit, eine Flotte in die Gewässer nahe dem Iran geschickt zu haben.
US-Präsident Donald Trump hatte vor einer Woche gesagt, ein Militärangriff auf die Führung der Islamischen Republik sei ausgeblieben, weil die Behörden die Hinrichtung von 800 Menschen abgesagt hätten. Während der Protestwelle gegen die autoritäre Regierung hatte er den Demonstranten wiederholt seine Unterstützung zugesichert und rote Linien für die Führung in Teheran gezogen – bisher ohne Konsequenzen.
Trump: «Riesige Flotte» auf dem Weg Richtung Iran
Unterdessen steigt wieder die Sorge vor einem Krieg: Trump teilte am Donnerstag mit, eine «riesige Flotte» sei auf dem Weg in die Gewässer nahe dem Iran. Zuvor hatten US-Medien über die Verlegung des Flugzeugträgers «USS Abraham Lincoln» und begleitender Schiffe berichtet.
Der Kommandant der iranischen Revolutionsgarden, Mohammed Pakpur, warnte daraufhin vor einem Angriff: Die Streitkräfte stünden «mit dem Finger am Abzug» bereit.
Bei einer Dringlichkeitssitzung des UNO-Menschenrechtsrats in Genf warnte der Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, vor einer militärischen Eskalation.
«Aggressive Rhetorik und Drohungen sind äusserst kontraproduktiv», sagt Türk. Dass jemand für Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft gezogen werde, könne nicht «durch militärische Gewalt aus dem Iran oder von ausserhalb» erreicht werden.
Aktivisten: Mindestens 5000 Tote bei Protesten
Die jüngsten Proteste im Iran waren Ende Dezember zunächst durch eine Wirtschaftskrise ausgelöst worden. Rasch entwickelten sich die Demonstrationen jedoch zu politischen Aufständen gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik. Der Sicherheitsapparat ging brutal gegen die Proteste vor und schlug sie nieder. Inzwischen sind die Demonstrationen völlig verstummt.
Das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA verifizierte nach eigenen Angaben inzwischen 5002 Tote – darunter 4714 Demonstranten, 207 Staatskräfte und 39 Unbeteiligte sowie 42 Minderjährige. Weitere 9787 Todesfälle würden untersucht. Zudem seien rund 26'800 Menschen festgenommen worden, hiess es in dem Bericht bei HRANA.
Staat: «Terroristen» verantwortlich für Tausende Tote
Nach offizieller staatlicher Darstellung starben bei den Aufständen 3117 Menschen. Die Regierung macht die Erzfeinde Israel und USA für die vielen Toten verantwortlich, die in den Nächten vom 8. und 9. Januar gezielt «zahlreiche terroristische Handlungen» in weiten Teilen des Landes verübt hätten.
Dem gegenüber stehen zahlreiche Videos, die trotz der Internetsperre nach aussen drangen. Sie sollen Sicherheitskräfte zeigen, die auf offenbar unbewaffnete Demonstranten schiessen. Noch nie in der Geschichte der Islamischen Republik wurden so viele Demonstranten bei Protesten getötet.