Aktuelle Lage im Iran: Die Massenproteste im Iran sind vorerst verstummt, doch die Angst bleibt. Die tödliche Gewalt der Sicherheitskräfte hat tiefe Spuren der Einschüchterung hinterlassen, die Strassen sind wieder leer. Während viele im Land versuchen, das Geschehene zu verarbeiten, wächst die Furcht vor dem, was noch kommen könnte: ein militärischer Konflikt mit den USA. Der UNO-Sicherheitsrat wird sich am späteren Abend (Schweizer Zeit) mit der Situation im Iran beschäftigen.
Drohung des US-Präsidenten: Inmitten der angespannten Lage richtet sich der Blick vieler nach Washington. Donald Trump hatte seit Beginn der Proteste Ende Dezember mehrfach rote Linien gezogen – doch selbst nach deren Überschreitung durch Teheran blieb eine Reaktion aus. Das führt aktuell zu wachsender Verunsicherung im Iran. Am Mittwoch sorgten Entwicklungen in der Region zudem für konkrete Unruhe: Warnungen westlicher Botschaften, Flugstreichungen und Hinweise auf militärische Bewegungen der USA nährten die Annahme, Trump könnte seine Drohungen gegen die politische Führung in Teheran doch wahr machen.
Staatliche Gewalt gegen Protestierende: In den vergangenen Tagen wurde das Ausmass der staatlichen Gewalt gegen die Proteste allmählich deutlicher. Menschenrechtsgruppen im Exil berichteten von schweren Übergriffen der Staatsgewalt in zahlreichen Städten. Die Organisation Iran Human Rights mit Sitz in Oslo bezifferte die Zahl der getöteten Demonstrierenden auf 3428. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben derzeit nicht.
Festnahmen und allfällige Hinrichtungen: Unterdessen geht auch die iranische Justiz mit äusserster Härte gegen die Protestbewegung vor. Nach Angaben des in den USA ansässigen Menschenrechtsnetzwerks HRANA wurden seit Beginn der Proteste Ende Dezember mehr als 18'000 Menschen festgenommen. Erste Verfahren sind angelaufen. In manchen Fällen droht den Angeklagten die Todesstrafe. Irans Aussenminister Abbas Araghtschi wies in einem Interview des US-Senders Fox News Berichte über bevorstehende Hinrichtungen zurück. Der Staat plane keine Exekutionen, sagte er. Zuvor hatte Trump dem Iran für den Fall von Hinrichtungen von festgenommenen Demonstrierenden mit einer entschlossenen Reaktion gedroht.
Das sagen die iranischen Behörden: Im Fox-News-Interview erneuerte Araghtschi den Vorwurf, ausländische «terroristische Elemente» hätten die Eskalation der Proteste ausgelöst. Zudem behauptete er, es seien gezielt Menschen getötet worden, um die USA in den Konflikt hineinzuziehen – und sprach von einem angeblichen israelischen Plan. Belege für seine Anschuldigungen legte er nicht vor. Gemäss dem Regime wurden Dutzende Sicherheitskräfte getötet.
Schweiz als Vermittler angeboten: Die Schweiz will bei den Spannungen zwischen den USA und dem Iran vermitteln, «um in der aktuellen Situation zur Deeskalation beizutragen», teilte der Chef der Abteilung Internationale Sicherheit beim EDA, Gabriel Lüchinger, mit. Er habe mit dem Sekretär des Obersten iranischen Sicherheitsrates, Ali Laridschani, telefoniert.
Kommunikation eingeschränkt: Seit einer Woche ist das Volk vom Internet abgeschnitten. Zwar sind seit kurzem wieder Auslandsgespräche möglich, eingehende Anrufe bleiben aber blockiert. Millionen Iraner im Ausland sorgen sich um ihre Angehörigen.