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Massenproteste im Iran Iran im Schockzustand: Protest vorerst verstummt, Angst bleibt

Die Gewalt der Sicherheitskräfte hat die Demonstrierenden eingeschüchtert. Die Strassen sind wieder leer. Ein Überblick.

Aktuelle Lage im Iran: Die Massenproteste im Iran sind vorerst verstummt, doch die Angst bleibt. Die tödliche Gewalt der Sicherheitskräfte hat tiefe Spuren der Einschüchterung hinterlassen, die Strassen sind wieder leer. Während viele im Land versuchen, das Geschehene zu verarbeiten, wächst die Furcht vor dem, was noch kommen könnte: ein militärischer Konflikt mit den USA. Der UNO-Sicherheitsrat wird sich am späteren Abend (Schweizer Zeit) mit der Situation im Iran beschäftigen.

Menschen auf Gehweg vor Geschäftsgebäude mit Schildern.
Legende: Nur wenige Menschen in Teheran begeben sich auf die sonst wuselige Ferdowsi-Strasse mit ihren Geldwechselstuben, da sie ihren normalen Betrieb wegen der Proteste noch nicht wieder aufgenommen haben. (15.01.2026) IMAGO / Anadolu Agency

Drohung des US-Präsidenten: Inmitten der angespannten Lage richtet sich der Blick vieler nach Washington. Donald Trump hatte seit Beginn der Proteste Ende Dezember mehrfach rote Linien gezogen – doch selbst nach deren Überschreitung durch Teheran blieb eine Reaktion aus. Das führt aktuell zu wachsender Verunsicherung im Iran. Am Mittwoch sorgten Entwicklungen in der Region zudem für konkrete Unruhe: Warnungen westlicher Botschaften, Flugstreichungen und Hinweise auf militärische Bewegungen der USA nährten die Annahme, Trump könnte seine Drohungen gegen die politische Führung in Teheran doch wahr machen.

Möglicher Krieg in Teheran Gesprächsthema Nummer eins

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Am Donnerstag berichtet ein Bewohner Teherans am Telefon, ein möglicher Krieg sei das beherrschende Gesprächsthema in der Stadt – sei es durch US-Militärschläge oder ein Eingreifen Israels. Viele Familien hätten nervös miteinander telefoniert und sich in ihre Wohnungen zurückgezogen. Die Erinnerungen an den Krieg im vergangenen Juni, als Israel und die USA den Iran bombardierten, sind noch präsent.

Staatliche Gewalt gegen Protestierende: In den vergangenen Tagen wurde das Ausmass der staatlichen Gewalt gegen die Proteste allmählich deutlicher. Menschenrechtsgruppen im Exil berichteten von schweren Übergriffen der Staatsgewalt in zahlreichen Städten. Die Organisation Iran Human Rights mit Sitz in Oslo bezifferte die Zahl der getöteten Demonstrierenden auf 3428. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben derzeit nicht.

Proteste seit Dezember – das ist seither passiert

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Nächtlicher Strassenprotest mit brennendem Auto.
Legende: WANA via Reuters

Ausgelöst wurde die aktuelle Protestwelle Ende Dezember durch eine schwere Wirtschaftskrise im Iran. Die Regierung zeigte sich zunächst kompromissbereit. Rasch entwickelten sich die Demonstrationen jedoch zu politischen Protesten gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik. Die Demonstrationen gingen auf Universitäten über und zogen Studierende aus dem ganzen Land an. Die Bewegung entwickelte sich rasch zum grössten Protest im Iran seit jenem nach dem Tod von Jina Mahsa Amini vor drei Jahren.

Festnahmen und allfällige Hinrichtungen: Unterdessen geht auch die iranische Justiz mit äusserster Härte gegen die Protestbewegung vor. Nach Angaben des in den USA ansässigen Menschenrechtsnetzwerks HRANA wurden seit Beginn der Proteste Ende Dezember mehr als 18'000 Menschen festgenommen. Erste Verfahren sind angelaufen. In manchen Fällen droht den Angeklagten die Todesstrafe. Irans Aussenminister Abbas Araghtschi wies in einem Interview des US-Senders Fox News Berichte über bevorstehende Hinrichtungen zurück. Der Staat plane keine Exekutionen, sagte er. Zuvor hatte Trump dem Iran für den Fall von Hinrichtungen von festgenommenen Demonstrierenden mit einer entschlossenen Reaktion gedroht.

Mann überquert Strasse vor grossem Iran-Wandbild mit Flagge und Fäusten.
Legende: Auf der jetzigen iranischen Flagge befindet sich zum Beispiel ein Emblem, das sogenannte «iranische Hoheitszeichen», es zeigt in stilisierter arabischer Schrift das Wort «Allah». (15.01.2026) IMAGO / Anadolu Agency

Das sagen die iranischen Behörden: Im Fox-News-Interview erneuerte Araghtschi den Vorwurf, ausländische «terroristische Elemente» hätten die Eskalation der Proteste ausgelöst. Zudem behauptete er, es seien gezielt Menschen getötet worden, um die USA in den Konflikt hineinzuziehen – und sprach von einem angeblichen israelischen Plan. Belege für seine Anschuldigungen legte er nicht vor. Gemäss dem Regime wurden Dutzende Sicherheitskräfte getötet.

Amnesty: Massenhaftes Töten «beispiellosen Ausmasses»

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Nach Einschätzung von Menschenrechtlern ist die iranische Führung mit bisher ungekannter Härte gegen die Unruhen im Land vorgegangen.

«Die Repression gegen die landesweiten Proteste im Iran hat zu massenhaften Tötungen in einem bislang beispiellosen Ausmass geführt», teilte die Organisation Amnesty International mit. Beweise lieferten verifizierte Videos und Informationen von Augenzeuginnen und -zeugen.

Schweiz als Vermittler angeboten: Die Schweiz will bei den Spannungen zwischen den USA und dem Iran vermitteln, «um in der aktuellen Situation zur Deeskalation beizutragen», teilte der Chef der Abteilung Internationale Sicherheit beim EDA, Gabriel Lüchinger, mit. Er habe mit dem Sekretär des Obersten iranischen Sicherheitsrates, Ali Laridschani, telefoniert.

Kommunikation eingeschränkt: Seit einer Woche ist das Volk vom Internet abgeschnitten. Zwar sind seit kurzem wieder Auslandsgespräche möglich, eingehende Anrufe bleiben aber blockiert. Millionen Iraner im Ausland sorgen sich um ihre Angehörigen.

SRF 4 News, 15.01.2026, 09:00 Uhr ; 

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