Nordkorea will sein Arsenal an Atomwaffen deutlich ausbauen. Das hat Machthaber Kim Jong-un angekündigt. Er hat auch gesagt, dass Nordkorea das nötige radioaktive Material dafür in den letzten Jahren verdoppelt habe. Ostasien-Korrespondent Samuel Emch ordnet diese Ankündigung ein.
Ist das Propaganda oder wird tatsächlich ausgebaut?
Die Ankündigung wurde in den nordkoreanischen Propagandamedien gemacht. Dabei zeigte die nordkoreanische Agentur Bilder einer neuen Produktionsanlage. Es gibt also konkrete Hinweise, dass Nordkorea seine Kapazitäten ausgebaut hat. Allerdings ist nicht bekannt, ob diese Anlage auf den Bildern jetzt eine Ergänzung der bestehenden Anlage oder eine gänzlich neue Anlage ist. Und auch nicht, inwieweit diese wirklich in Betrieb ist.
Welche Ziele verfolgt Nordkorea mit dieser Ankündigung?
Kim Jong-un will Nordkorea fest als Atommacht auf der Landkarte verankern. Nordkorea ist zwar keine offiziell anerkannte Atommacht, aber das Signal ist klar: Man will mit solchen Ankündigungen die Haltung unterstreichen, dass man die Nuklear-Sprengköpfe nicht aufgeben wird. Im Gegenteil, dass man sogar noch mehr will. Und das trotz der UNO-Sanktionen, die es ja immer noch gibt, und den Bemühungen der USA und auch von Südkorea, dass Nordkorea diese Waffen endlich aufgeben soll.
Hängt der Zeitpunkt mit dem Krieg im Iran zusammen?
Der Krieg im Iran hat Nordkorea vor allem in seiner bisherigen Überzeugung bestärkt, dass man Atomwaffen hat und diese überlebenswichtig sind für das Regime. Seit dem Ausbruch des Krieges im Iran hat Nordkorea verschiedene Raketentests durchgeführt, unter anderem auch mit potenziellen Trägerraketen für nukleare Sprengköpfe. Dies nachdem es in den vergangenen beiden Jahren eher weniger solche Raketentests gegeben hat. Die Meldung über die Erweiterung der Produktionskapazitäten, passt also in das Bild, das Nordkorea derzeit abgibt.
Wie gut gelingt Nordkorea, die eigene geopolitische Rolle zu stärken?
Das gelingt durchaus zu einem gewissen Grad. So hat zum Beispiel US-Präsident Trump Nordkorea auch schon als Atommacht bezeichnet. Kim Jong-un war auch mit Putin zu Besuch in Peking bei der grossen Militärparade letzten Oktober in Peking. Auch mit seiner Unterstützung Russlands im Krieg gegen die Ukraine hat sich Nordkorea als geopolitischer Machtfaktor wieder ein bisschen mehr ins Zentrum gerückt. Gerade die militärische Zusammenarbeit mit Russland hat Nordkoreas Isolation in gewissem Grad gelockert. Auch mit China scheint sich die Beziehung zu entspannen. Aber global gesehen ist Nordkorea natürlich immer noch ein sehr isoliertes Land.
Was bedeutet das jetzt für die Sicherheit in Ostasien?
Die Sicherheitslage in der Region ist nicht nur von der nuklearen Aufrüstung Nordkoreas geprägt. Auch China hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten rasant aufgerüstet und droht, Taiwan militärisch unter seine Kontrolle zu bringen. Zugleich ist der Sicherheitspartner für Japan, Südkorea und Taiwan, also die USA, unter Trump zu einem Unsicherheitsfaktor geworden. Deshalb überlegt man sich hier, wie die eigene Sicherheit garantiert werden kann. Das geht dann so weit, dass man sich auch in Südkorea und Japan plötzlich über Atomwaffen Gedanken macht. In Südkorea wäre gar eine Mehrheit der Bevölkerung für den Erwerb eigener Atomwaffen. Je nach Umfragen geht das bis zu 75 Prozent der Bevölkerung.