Zum Inhalt springen

Header

Audio
Musterschüler Südamerikas mit verlockendem Angebot
Aus Echo der Zeit vom 06.07.2020.
abspielen. Laufzeit 04:39 Minuten.
Inhalt

Nur 1000 Coronafälle «Uruguay ist das am wenigsten korrupte Land in Südamerika»

Uruguay ist ein kleines Land in Südamerika, das sich jedoch gut schlägt. Es ist stabil, auch wirtschaftlich. Nicht umsonst wird Uruguay oft als die Schweiz Südamerikas bezeichnet. Es gilt aber auch als Musterschüler im Umgang mit der Corona-Pandemie. Weniger als 1000 Fälle gab es dort insgesamt, 30 Menschen starben bisher gemäss Zahlen der Johns-Hopkins-Universität. Wieso das Land anders tickt als seine Nachbarn, weiss Ulrich Achermann.

Ulrich Achermann

Ulrich Achermann

Südamerika-Korrespondent, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Ulrich Achermann ist seit 2003 SRF-Korrespondent und berichtet über alle Länder Südamerikas. Er lebt in Santiago de Chile.

SRF News: Uruguays Nachbarländer Brasilien und Argentinien sind viel stärker von Covid-19 betroffen. Ist das Glück oder gutes Krisenmanagement?

Ulrich Achermann: Uruguay hat schnell reagiert. Die Gesundheitsbehörden haben vor allem auf das Tracking Wert gelegt. Leute, die erkrankten, wurden zu Hause besucht, Kontaktlisten wurden erstellt und die Leute gewarnt. Das hat dazu geführt, dass sich das Coronavirus nur begrenzt ausbreiten konnte.

Eine grosse Zahl von armen Leuten in Brasilien oder Argentinien lebt von der Hand in den Mund. Das ist in Uruguay anders.

Das heisst, das Gesundheitssystem war vorbereitet auf eine solche Krise?

Es ist besser vorbereitet gewesen als in anderen Ländern. Aber man muss auch die Sozialstruktur betrachten. Die ist sehr viel ausgeglichener, homogener als in anderen Ländern. Eine grosse Zahl von armen Leuten in Brasilien oder Argentinien lebt von der Hand in den Mund. Das sind Leute, die es sich nicht leisten können, zu Hause zu bleiben. Das ist in Uruguay anders.

Lacalle Pou mit Maske
Legende: Uruguay hat für das nächste halbe Jahr die Präsidentschaft des Mercosur übernommen. Staatschef Luis Lacalle Pou betonte, er wolle in der Zeit das Freihandelsabkommen mit der EU vorantreiben. Keystone

Uruguay hat 3.5 Millionen Einwohner auf einer Fläche, die etwa viermal grösser ist als die Schweiz. Das Land hat also keinen Dichtestress.

Das kommt sicher hinzu. Es ist sehr viel einfacher, in einem Land mit einer ganz kleinen Bevölkerung Gesundheitsmassnahmen zu treffen. Man hat das von Anfang an mit grosser Sorgfalt gemacht und das hat sich gelohnt.

Ist die Schweiz ein Vorbild für dieses Land, auch in anderen Bereichen?

Ja, auf jeden Fall. Vor allem, wenn es um die Glaubwürdigkeit und die Seriosität der Institutionen geht. Da ist die Schweiz tatsächlich ein Vorbild. Und sie ist es jetzt, wo Uruguay wieder von einer Rechtsregierung geführt wird, natürlich auch im Finanz- und Bankensektor. Das zeigt sich auch darin, dass man beschlossen hat, ab dem 1. Juli die Einwanderungsbestimmungen zu lockern und damit reiche Leute – vor allem aus Argentinien – anzulocken.

Weide mit Rindern von oben
Legende: Uruguay, eines der grössten Rindfleisch-Exportländer der Welt, liegt in der südamerikanischen Pampas, der höchste Hügel ist gerade mal 500 Meter hoch. Graslandschaften dominieren das Bild. Keystone

Sind Armut und Korruption Fremdwörter in Uruguay?

Das würde ich nicht sagen. Aber es ist tatsächlich so, dass laut allen Statistiken Uruguay das am wenigsten korrupte Land in Südamerika ist.

Die Leute erhalten Sozial- und Gesundheitsleistungen, die es in anderen Ländern in Südamerika in dieser Qualität einfach nicht gibt.

Weshalb?

Die Politik ist glaubwürdig und leistet gute Arbeit. Der Bürgersinn ist hoch entwickelt, und die Leute erhalten Sozial- und Gesundheitsleistungen, die es in anderen Ländern in Südamerika in dieser Qualität einfach nicht gibt.

Echo der Zeit, 06.07.2020, 18:00 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Markus Bossert  (EEE)
    Und woher wissen Sie liebes SRF, dass in Uruguay alle an Covid19 verstorbenen wirklich erfasst sind? Also dass alle verstorbenen getestet wurden?
    Kommt in Europa dazu, dass auch jene, welche nicht an, sondern mit Covid19 sterben, ebenfalls in die Covid-Statistik aufgenommen werden, was keinen Sinn macht.
    Wenn z.B. jemand an einem Hintumor stirbt, vorher aber positiv auf Covid19 getestet wurde, ist das hier ein Covid19-Toter mehr.
    Oder wenn ein Covid19-Patient von einem Auto überfahren wird..
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Krebs Alfred  (A.Santiago)
      Das sind wieder unsägliche Rechnungsbeispiele der Toten wo eigentlich keinen Sinn machen Herr Bossert. Nach meiner Meinung hat SRF den entscheidenden Punkt zum eindämmen des Virus erklärt. Wenn die ärmere Bevölkerung genügend Geld hat, um während der Quarantäne zu essen, können sie daheim bleiben. In vielen Ländern müssen die Armen arbeiten, auch wenn sie krank sind, dass ihre Familie etwas zu Essen hat.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Joao Lima  (joaolima)
    Dafür ist Uruguay das teuerste Land in Südamerika und die Löhne tief. Es gibt um die 60,000 Uruguayern die darum Brasilien als ihre Heimat wählten und Brasilien ist auch schöner. Uruguay ist um die 70% teurer. Würde ebenfalls Brasilien als Heimat wählen und als Portugiese hätte ich dort zumindest gleiche Rechte wie ein Brasilianer und dürfte abstimmen, mich wählen lassen ohne deren Staatsbürgerschaft zu beantragen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Markus Bossert  (EEE)
    "Uruguay ist das am wenigsten korrupte Land in Südamerika": Wir sind also im Sommerloch angekommen :)
    Aber auch hier wieder diese sinnlosen absoluten Fallzahlen, welche einfach überhaupt nichts aussagen.
    3% aller infizierten sterben dort also (300 von 1000)? Das ist extrem viel mehr als bei uns...

    @SRF: Schon mal auf die Idee gekommen, dass in Uruguay vielleicht einfach viel weniger getestet wird?
    Je mehr getestet wird, desto höher sind die Fallzahlen. Glaubt das doch endlich einmal!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Joao Lima  (joaolima)
      Endlich jemand der sich auskennt. Und um so mehr man testet um so höher auch die falsch positiven. Ohne testen gäbe es kein Virus und wir würden alle normal weiterleben
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Esther Jordi  (EstherJ.)
      Genau, Herr Lima. Das Virus gibt es erst, seit jemand aus Langeweile auf die völlig unsinnige und an der Haaren herbeigezogene Idee gekommen ist, irgendwas zu testen. Und was verstehen Sie unter "normal weiterleben"?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Georg Fischer  (SGF)
      @Bossert: In Ihren Augen sind sämtliche Fallzahlen weltweit falsch da sie keiner Statistik trauen egal von wem und woher sie kommt.Ferner hinterfragen Sie, wir immer ohne einen Gegenbeweis zu haben, die Aussagen des Journalisten vor Ort.Zu guter letzt, rechnen können Sie auch nicht, 3 % von 1000 = sicher nicht 300.Dass die Ansteckungs /Verbreitungsgefahr bei einer Bevölkerung von nur 3.5 Mio Einwohner auf einer Fläche 4x so gross wie CH deutlich geringer ist ignorieren Sie komplett.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Enrico Dandolo  (Doge)
      @EEE: 3% von 1000 sind 300? Bitte wenigtens nachrechnen bevor Sie veröffentlichen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen