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Ohne Fleisch und Tierprodukte Studie zeigt: Orthodoxes Fasten ist mehrheitlich gesund

Orthodoxe Gläubige beenden die Fastenzeit an ihren Ostern am 12. April. Eine Studie aus Griechenland zeigt positive Effekte auf die Gesundheit – doch nicht nur.

Die Zeit vor Ostern ist für das Christentum eine Zeit des Fastens. Den grossen Verzicht bedeutet das bei den Katholiken heute aber nicht mehr. Weitaus strenger ist die Fastenzeit noch in der orthodoxen Kirche, zum Beispiel in Griechenland. Dort verzichten gläubige Christinnen und Christen während des Fastens auf Fleisch und Tierprodukte wie Eier, Milch und Butter, an den meisten Tagen sogar auf Öl.

Hand hält bemaltes Osterei mit Ikone auf Markt.
Legende: Eier gibt es erst wieder an Ostern – dieses Jahr feiern orthodoxe Gläubige das Fest am 12. April. Viele verzichten davor auf Tierprodukte. Keystone/Darko Vojinovic

So auch die Rentnerin Katerina und ihr Ehemann. «Wir fasten aus religiösen Gründen, essen viel Gemüse und Hülsenfrüchte. Es halten sich viele an die Fastenzeit und gehen zur Kirche, gerade in schwierigen Zeiten», sagt sie.

Bis zu 200 Fastentage im Jahr

Vor Ostern ist die Fastenzeit besonders streng. Da ist auch Fisch verboten. Nur Meeresfrüchte sind erlaubt, etwa Tintenfisch und Krabben. Aber die meisten Griechin­nen und Griechen würden auch darauf verzichten, sagt die Rentnerin. Die Gründe seien vor allem finanziell.

Auch vor Weihnachten und vor grossen Feiertagen, wie auch jeden Mittwoch und Freitag, wird gefastet, insgesamt bis zu 200 Tage im Jahr. 

Wir haben festgestellt, dass während des Fastens ein Hormon zunimmt, das in Tierversuchen mit einem längeren Leben verbunden wird.
Autor: Antigoni Dima Molekularbiologin

Ein griechisches Forscherteam rund um Molekularbiologin Antigoni Dima hat nun Menschen, die regelmässig fasten, sowohl ausserhalb der Fastenzeit als auch kurz vor Ostern nach wochenlangem Fasten untersucht und mit einer Kontrollgruppe verglichen, die das ganze Jahr über Fleisch und Milchprodukte gegessen hat. Die Ergebnisse fasst die Forscherin so zusammen: 

Zwei Teller mit Bohnensuppe auf Holztisch, Brot und Oliven.
Legende: Fastende hatten in der Studie einen verbesserten Cholesterinwert und weniger Entzündungsmarker. Keystone/Thanassis Stavrakis

«Bei der Erstellung des molekularen Profils dieser Menschen konnten wir die direkten Auswirkungen des Fastens auf ihren Organismus sehen, etwa auf den Stoffwechsel, aufs Immunsystem und das Darmmikrobiom. Die meisten dieser Veränderungen wirken sich positiv auf die Gesundheit aus», sagt Dima.

Fasten hilft überreiztem Immunsystem

So hatten die Probanden während der Fastenzeit weniger Lipide im Blut. Die Cholesterinwerte haben sich verbessert. Weiter gingen Entzündungsmarker zurück, die mit bestimmten Krankheiten in Verbindung gesetzt werden. «Auch haben wir festgestellt, dass während des Fastens ein Hormon zunimmt, das in Tierversuchen mit einem längeren Leben verbunden wird», so die Forscherin.

Der Zweck des Fastens ist rein spirituell. Wir fasten, um uns in der Tugend der Enthaltsamkeit zu üben.
Autor: Antonios Bischof von Rodostolos

Insgesamt komme sie zum Schluss, dass ein zeitweiser Verzicht auf tierische Produkte den Organismus beruhige und dazu führe, dass das überreizte Immunsystem etwas heruntergefahren werde. Ein negatives Ergebnis habe die Studie aber auch zu verzeichnen. In Bezug auf die Knochengesundheit hätten sich die Werte verschlechtert, so die Molekularbiologin. 

Wie wichtig ist spirituelle Komponente?

Gefastet werde aber nicht, um der Gesundheit etwas Gutes zu tun, sagt der orthodoxe Bischof von Rodostolos Antonios. In der Fastenzeit sollen sich die Gläubigen in erster Linie körperlich und geistig auf die grossen christlichen Feiertage vorbereiten.

«Der Zweck des Fastens ist rein spirituell. Wir fasten, um uns in der Tugend der Enthaltsamkeit zu üben», sagt der Bischof.  Ohne die spirituelle Komponente nütze das körperliche Fasten nichts.

Person zündet Kerze in dunkler Umgebung an.
Legende: «So wie beim Essen müssen wir auch unsere Begierden drosseln, damit wir uns innerlich reinigen. Wir müssen also nicht nur darauf achten, was wir essen und was nicht. Noch wichtiger ist unser Benehmen», sagt der orthodoxe Bischof von Rodostolos Antonios. Reuters/Louiza Vradi

Nach der Ostermesse in der Nacht zum orthodoxen Ostersonntag am 12. April wird das lange Fasten aufhören. Orthodoxe Gläubige dürfen dann wieder Fleisch essen und feiern dies am Ostersonntag mit einem fleischlastigen Festmahl, meist Lamm oder Ziege. Die nächste längere orthodoxe Fastenzeit ist erst im Juni, vor dem Gedenktag an die heiligen Apostel Petrus und Paulus.

Rendez-Vous, 10.4.26, 12:30 Uhr

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