Die Zeit vor Ostern ist für das Christentum eine Zeit des Fastens. Den grossen Verzicht bedeutet das bei den Katholiken heute aber nicht mehr. Weitaus strenger ist die Fastenzeit noch in der orthodoxen Kirche, zum Beispiel in Griechenland. Dort verzichten gläubige Christinnen und Christen während des Fastens auf Fleisch und Tierprodukte wie Eier, Milch und Butter, an den meisten Tagen sogar auf Öl.
So auch die Rentnerin Katerina und ihr Ehemann. «Wir fasten aus religiösen Gründen, essen viel Gemüse und Hülsenfrüchte. Es halten sich viele an die Fastenzeit und gehen zur Kirche, gerade in schwierigen Zeiten», sagt sie.
Bis zu 200 Fastentage im Jahr
Vor Ostern ist die Fastenzeit besonders streng. Da ist auch Fisch verboten. Nur Meeresfrüchte sind erlaubt, etwa Tintenfisch und Krabben. Aber die meisten Griechinnen und Griechen würden auch darauf verzichten, sagt die Rentnerin. Die Gründe seien vor allem finanziell.
Auch vor Weihnachten und vor grossen Feiertagen, wie auch jeden Mittwoch und Freitag, wird gefastet, insgesamt bis zu 200 Tage im Jahr.
Wir haben festgestellt, dass während des Fastens ein Hormon zunimmt, das in Tierversuchen mit einem längeren Leben verbunden wird.
Ein griechisches Forscherteam rund um Molekularbiologin Antigoni Dima hat nun Menschen, die regelmässig fasten, sowohl ausserhalb der Fastenzeit als auch kurz vor Ostern nach wochenlangem Fasten untersucht und mit einer Kontrollgruppe verglichen, die das ganze Jahr über Fleisch und Milchprodukte gegessen hat. Die Ergebnisse fasst die Forscherin so zusammen:
«Bei der Erstellung des molekularen Profils dieser Menschen konnten wir die direkten Auswirkungen des Fastens auf ihren Organismus sehen, etwa auf den Stoffwechsel, aufs Immunsystem und das Darmmikrobiom. Die meisten dieser Veränderungen wirken sich positiv auf die Gesundheit aus», sagt Dima.
Fasten hilft überreiztem Immunsystem
So hatten die Probanden während der Fastenzeit weniger Lipide im Blut. Die Cholesterinwerte haben sich verbessert. Weiter gingen Entzündungsmarker zurück, die mit bestimmten Krankheiten in Verbindung gesetzt werden. «Auch haben wir festgestellt, dass während des Fastens ein Hormon zunimmt, das in Tierversuchen mit einem längeren Leben verbunden wird», so die Forscherin.
Der Zweck des Fastens ist rein spirituell. Wir fasten, um uns in der Tugend der Enthaltsamkeit zu üben.
Insgesamt komme sie zum Schluss, dass ein zeitweiser Verzicht auf tierische Produkte den Organismus beruhige und dazu führe, dass das überreizte Immunsystem etwas heruntergefahren werde. Ein negatives Ergebnis habe die Studie aber auch zu verzeichnen. In Bezug auf die Knochengesundheit hätten sich die Werte verschlechtert, so die Molekularbiologin.
Wie wichtig ist spirituelle Komponente?
Gefastet werde aber nicht, um der Gesundheit etwas Gutes zu tun, sagt der orthodoxe Bischof von Rodostolos Antonios. In der Fastenzeit sollen sich die Gläubigen in erster Linie körperlich und geistig auf die grossen christlichen Feiertage vorbereiten.
«Der Zweck des Fastens ist rein spirituell. Wir fasten, um uns in der Tugend der Enthaltsamkeit zu üben», sagt der Bischof. Ohne die spirituelle Komponente nütze das körperliche Fasten nichts.
Nach der Ostermesse in der Nacht zum orthodoxen Ostersonntag am 12. April wird das lange Fasten aufhören. Orthodoxe Gläubige dürfen dann wieder Fleisch essen und feiern dies am Ostersonntag mit einem fleischlastigen Festmahl, meist Lamm oder Ziege. Die nächste längere orthodoxe Fastenzeit ist erst im Juni, vor dem Gedenktag an die heiligen Apostel Petrus und Paulus.