Die Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 endeten am Sonntagabend mit der Schlussfeier in Verona. In Italien ist man stolz darauf, bei diesen Spielen einen guten Eindruck hinterlassen zu haben. Trotzdem sind viele Bauprojekte noch nicht fertig, sagt SRF-Italienkorrespondent Franco Battel.
Wie gut liefen die Spiele aus organisatorischer Sicht?
Man ist in Italien schon ein bisschen stolz darauf, dass alles reibungslos funktionierte, dass trotz kurzer Vorbereitungszeit alle Sportstätten bereit waren und dass man perfekte TV-Bilder dieser Wettkämpfe liefern konnte. Einen kleinen Dämpfer gab es zu Beginn: Da haben anarchistische Gruppen versucht, den Bahnverkehr mit gezielten Anschlägen auf die Infrastruktur lahmzulegen. Aber das blieb nur eine Episode. Insgesamt hat Italien «Bella Figura» gemacht.
Wie sehr hat Olympia die Menschen in Italien bewegt?
Die Spiele waren erstmals dezentral organisiert und fanden im Raum zwischen Mailand und Cortina statt. Man hat bestehende Anlagen genutzt, das war ein Vorteil. Aber man hat sich auch verzettelt. In Mailand ist beispielsweise kaum olympische Stimmung aufgekommen. Italien ist halt ein Land des Fussballs. Der «Calcio» bringt dieses Land zum Vibrieren. Der kühle Wintersport hat es diesbezüglich schwieriger. Zudem gibt es ein Nord-Süd-Gefälle. Je weiter man in den Süden geht, desto weniger fiebern die Leute bei Olympia mit. Aber die vielen Medaillen für die «Azzurri» haben schon dazu geführt, dass diese Winterspiele in den Medien, beim Kaffee in der Bar oder auf der Piazza präsent waren.
Welche Altlasten wird Italien von diesen Spielen mitschleppen?
Da kommt schon noch einiges auf Italien zu. Zum Beispiel: die nigelnagelneue Bobbahn von Cortina. Die Bahn ist fertig, aber das ganze Drumherum noch nicht. Das Gleiche gilt für die neue Hockeyarena in Mailand. Die ganze Verkehrsanbindung an die Mailänder Innenstadt oder die Umgebungsarbeiten stehen noch aus. Von den geschätzt sieben Milliarden Euro an Investitionen für die Olympischen Winterspiele fliesst der grösste Teil in Strassen oder andere Verkehrsprojekte. Von diesen Projekten ist erst ein Teil fertig. Da wird noch während Monaten oder vielleicht sogar Jahren weitergebaut. Italien nutzt solche Grossanlässe jeweils dafür, seine Infrastruktur auch langfristig zu erneuern. Insofern ist das olympische Projekt für Italien noch gar nicht abgeschlossen.