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Olympische Winterspiele Die Erwartungen waren grösser

Mit dezentralen Spielen wollte Italien ein Zeichen der Nachhaltigkeit setzen. Wie ist die Stimmung in den Spielorten?

Die Schlange vor dem Souvenir-Shop in Mailand wird in diesen Tagen immer länger. Die Stadt merkt die zusätzlichen Gäste aus aller Welt. Doch so gut die Stimmung unter den Fans auch ist, so schlecht ist sie bei den Taxifahrern. Diese hatten sich von Olympia mehr erhofft.

Skifahrer in rotem Anzug bei Abfahrt mit Stadt im Hintergrund.
Legende: Für viele Geschäftsleute an den Austragungsorten bleibt das grosse Geld ein frommer Wunsch. Reuters/Denis Balibouse

Im Vorfeld der Spiele wurde für die 5000 Taxis in Mailand freie Fahrt eingeführt. Bedeutet: keine Limite bei den Schichten. Doch die Fans nutzen hauptsächlich den ÖV. Bei den Taxifahrern machte sich Ernüchterung breit: «Natürlich reden wir darüber, und für uns ist das alles ein Bluff. Das ist nicht das, was man erwarten konnte. Gestern habe ich eineinhalb Stunden beim Stadion in Rho gewartet. Es gab nichts zu tun», so Taxifahrer Roberto Sommaruga.

Es läuft wenig

Stärker spürt man den Olympischen Geist knapp vier Fahrstunden von Mailand entfernt – in Bormio. In der 3900-Seelen-Gemeinde finden die Alpinrennen der Herren und das Mountaineering statt. Der Ort ist im Zeichen von Olympia dekoriert. Im Februar ist in Bormio Hochsaison. Doch an Tagen ohne Rennen ist es ruhig – zu ruhig, findet Nadia Martinelli, Besitzerin einer Kleiderboutique: «Es läuft viel weniger. Nicht einmal die Einheimischen können sich frei bewegen. Und die Stammgäste kommen nicht mit dem Bus nach Bormio. Das Geschäft läuft also viel schlechter.»

70 bis 80 Prozent weniger Umsatz erziele sie in diesen Tagen, so Martinelli. Aber hoffentlich werde Bormio in Zukunft von der vielen Werbung durch Olympia profitieren und dann mehr Gäste anlocken.

Im Ort selbst ist das befürchtete Verkehrschaos ausgeblieben, auch weil viele Touristinnen gar nicht erst gekommen sind. Es gibt nur wenige Parkplätze in Bormio, je nach Zone braucht es für das Auto eine Spezialbewilligung.

Konsumfreudige Kundschaft

Im Kern von Bormio liegt das Restaurant von Luca De Robertis. Ihm läuft es im Gegensatz zur Boutiquebesitzerin seit Olympia besser als sonst: «Wir verzeichnen einen Anstieg, nicht bei der Anzahl Gäste, aber bei der Konsumation. Olympia hat uns kaufkräftigere Kunden gebracht.»

Diese kämen vor allem aus der Schweiz und aus Österreich und seien viel konsumfreudiger als andere Gäste. Bis zu 30 Prozent mehr gäben die Olympia-Gäste aus, so De Robertis.

Zeit, Geld auszugeben, hätten die Gäste eigentlich. Denn die Pisten im Skigebiet von Bormio sind aus Sicherheitsgründen während der Olympischen Spiele komplett gesperrt.

Finanzielle Hilfe angefragt

Das ärgert Andrea Galli und Federico Resnati. Sie sind Besitzer einer Skivermietung und eines Chalets im Skigebiet. Wegen der Sperrung der Pisten stehe alles still. Zusammen mit anderen Betroffenen haben sie bei der Region Lombardei vorgesprochen und hoffen auf eine finanzielle Unterstützung, so Federico Resnati: «Nach den Spielen soll alles neu bewertet werden. Wir wissen aber nicht, ob wir eine Entschädigung erhalten oder nicht. Aber immerhin haben wir uns Gehör verschafft und Antworten gefordert.»

Wegen der Vorbereitungen für Olympia seien bereits der Dezember und Januar schlechter gelaufen als sonst, sagt Andrea Galli. Bedeutet: weniger Einnahmen bei gleichbleibenden Lohnkosten: «Dies, weil wir und unsere Kollegen die Verträge aller Mitarbeitenden, die im Laden arbeiten, aufrechterhalten mussten.»

Immerhin im Laden von Galli ist es in diesen Tagen nicht ganz so ruhig: Er hat ihn während Olympia den Serviceteams der Athleten zur Verfügung gestellt. Und nach Olympia hofft er auf einen umsatzstarken März.

10vor10, 16.2.2026, 21:50 Uhr;brus

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