Pedro Urruchurtu ist auf dem Genfer Menschenrechtstreffen ein gefragter Mann. Denn die Lage in Venezuela ist verworren. Zahllose Journalisten wollen von ihm wissen, was das für den venezolanischen Widerstand heisst. Zwar schafften die USA Diktator Nicolás Maduro nach New York und stellen ihn dort vor Gericht. Doch das war nicht der erhoffte Befreiungsschlag für das unterdrückte Volk.
Pedro Urruchurtu beriet den 2024 eigentlich zum Präsidenten gewählten Edmundo González. Doch Diktator Maduro ignorierte seine Abwahl rundweg und bliebt an der Macht. Heute ist der 35-Jährige die rechte Hand von Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Maria Machado.
Politisiert unter Diktator Chávez
Doch zum politischen Aktivisten machte ihn seinerzeit ausgerechnet der frühere venezolanische Diktator Hugo Chávez. Denn Chávez, der mit den Jahren vom demokratisch gewählten Präsidenten zum Diktator mutierte, wollte anfänglich die Bürgerinnen und Bürger des Landes für die Politik begeistern. Für Urruchurtu bedeutet politisches Engagement allerdings, sich gegen den Autoritarismus zu stemmen: «Tut man nichts, siegen stets die Bösen.»
Anders als für viele seiner Landsleute kam Auswandern für ihn und seine Mitstreiter nicht infrage: «Ich möchte in Venezuela leben, einem hoffentlich bald freien Venezuela.»
Flucht in die Botschaft
Seine Tätigkeit wurde freilich immer riskanter. Am Ende flüchtete Urruchurtu in die argentinische Botschaft, lebte dort mehr als 400 Tage, bloss halbwegs sicher und ohne jeden Freiraum, mit wenig zu essen und in ständiger Angst.
Leider hat der friedliche Widerstand nichts bewirkt. Am Ende wurde mir klar: Das Maduro-Regime ist einzig mit Gewalt zu beseitigen.
Als sich Gerüchte verdichteten, Maduros Sicherheitskräfte wollten ihn – völkerrechtswidrig – aus der Botschaft herausholen, floh er, dank viel Glück und Mängeln im Dispositiv des Regimes, ausser Landes. Jetzt ist er dankbar, dass die USA eingegriffen haben. Endlich: «Leider hat der friedliche Widerstand nichts bewirkt. Am Ende wurde mir klar: Das Maduro-Regime ist einzig mit Gewalt zu beseitigen.»
Nur sitzt noch immer das alte Regime, angeführt von Maduros Stellvertreterin Delcy Rodríguez, im Sattel. Zwar befreite es einige politische Gefangene. Doch frei ist Venezuela noch längst nicht. Urruchurtu schliesst aus, dass «jene, welche die Demokratie bekämpften, sie nun plötzlich wieder einführen. Also sich selber entmachten.»
Die Opposition hofft nun, dass die USA genügend Druck auf das Regime machten. Ob sie das tun, ob der Regierung von Donald Trump die Demokratisierung ein Anliegen ist, ist unklar. Zunächst, so Urruchurtu, setze Washington auf Wirtschaftsreformen. Und – was er nicht sagt – auf Profite für die Vereinigten Staaten. Aber noch hofft er, dass die USA die Sache zu Ende bringen.
Hoffnung – und Zweifel
Kritisieren mag er die Führung in Washington jedenfalls nicht. «Ich bleibe hartnäckig optimistisch», betont er. Einzelne seiner Ausführungen lassen aber Zweifel erkennen. In erster Linie vertraut er der Widerstandskraft seiner venezolanischen Landsleute.