Nicht weniger als 16 Parteien sind im neuen dänischen Parlament vertreten. Die Kräfte der bisherigen Zentrumskoalition haben ihre Mehrheit verloren. Trotzdem können die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und der liberale Aussenminister Lars Løkke Rasmussen damit rechnen, an der Macht zu bleiben. Dank Donald Trump.
«Ich brauche Grönland für die nationale Sicherheit und ich werde es auf die eine oder andere Weise auch kriegen», hielt der amerikanische Präsident Anfang Januar 2026 kategorisch fest – und machte damit einem der treuesten und ältesten europäischen Alliierten 98 Prozent seines Territoriums streitig. Zum dänischen Königreich gehören neben der grössten Insel der Welt (2.1 Mio. km2/60'000 Einwohner) auch die Färöer-Inseln (1400 km2/56'000 Einwohner) und der Kleinstaat Dänemark (43'000 km2/6 Mio. Einwohner). Dänemarks Regierungschefin antwortete mit «no way» und schickte den Aussenminister nach Washington, um eine Lösung in der schwersten aussenpolitischen Krise des nordischen Königreiches seit dem Angriff Nazideutschlands 1940 zu finden.
Im Zentrum des Machtspiels
Bei den Wahlen vom Dienstag erhielten Frederiksen und Løkke Rasmussen nun die paradoxale Quittung der Wählerinnen und Wähler: Sie verloren gegenüber der letzten Wahl an Stimmen und Sitzen im Parlament, aber sind als führende Kräfte im Land gestärkt worden. «Das wird sehr schwierig, aber ich bin bereit, auch weiterhin Verantwortung zu übernehmen», erklärte die 48 Jahre alte Regierungschefin, die seit sieben Jahren im Amt ist. Und ihr langjähriger bürgerlicher Gegenspieler, der 61-jährige Lars Løkke Rasmussen, mit dem sie seit 2022 zusammen regiert, betonte: «Wir stehen im Zentrum, hier wird um die Macht gespielt. Kommt, spielt mit uns».
Tatsächlich sind Frederiksen und Løkke Rasmussen – deren zwei Parteien auf gerade einmal 52 der 179 Sitze kommen – nun für die Bildung einer Regierung auf das Mitspielen weiterer Parteien links und rechts der Mitte angewiesen. Dabei ist die Auswahl grösser denn je in der Geschichte Dänemarks. Nicht weniger als 16 verschiedene Listen haben den Sprung ins dänische Parlament, das Folketing geschafft: Dazu gehören auch je zwei Vertreterinnen und Vertreter aus Grönland und den Färöer. Zwei Länder, die nach mehr Unabhängigkeit streben, ihre historischen Bande zu Kopenhagen jedoch in den letzten Monaten wiederentdeckt haben. Dank Donald Trump.
Ein Land voller glücklicher Verlierer
Vor dem Hintergrund des aussenpolitischen Sturmes markieren die Wahlen im Dänischen Königreich nicht nur ein Bekenntnis zur starken Bedeutung der politischen Mitte, sondern auch für eine starke und lebendige Demokratie: Bei einer Stimmbeteiligung von 84 Prozent sind im neuen Parlament gleich alle Parteien vertreten, die auch zur Wahl antraten. Entsprechend zufrieden zeigten sich nach Auszählung aller Stimmen denn die Parteichefs – auch jene, die schwere Einbussen erleiden mussten. Es ist ein deutliches Signal an den (meist verärgerten und unzufriedenen) Sieger der letzten Präsidentschaftswahl jenseits des «grossen Teiches».