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Parmelin besucht Serbien Serbiens Botschafter sieht viel Gemeinsames mit der Schweiz

Ivan Trifunovic begegnet Kritik – und erläutert, worum es beim Staatsbesuch des Schweizer Bundespräsidenten in Belgrad geht.

Der serbische Botschafter in der Schweiz, Ivan Trifunovic, streicht vor dem Staatsbesuch des Schweizer Bundespräsidenten Guy Parmelin bei seinem Amtskollegen Aleksander Vucic in Belgrad die guten Wirtschaftsbeziehungen heraus. Sie seien die Stütze der 110-jährigen diplomatischen Beziehungen zwischen Serbien und der Schweiz.

Dieses Jubiläum ist der Anlass der Reise Parmelins. Damit sich die Wirtschaftsbeziehungen weiter vertiefen, wird er dabei von einer Wirtschaftsdelegation begleitet.

Serbien schätze die Schweiz zudem als politische Partnerin, sagt Botschafter Trifunovic. Etwa in der Rolle als Vermittlerin im Kosovo, dessen Unabhängigkeit Serbien nicht anerkennt.

Serbiens eigene Russlandpolitik

Die Schweiz und Serbien seien sich ähnlicher, als viele auf den ersten Blick vermuten würden, so der Botschafter in Bern weiter. Zum Beispiel bei der Neutralität. Doch im Unterschied zur Schweiz hat Serbien keine Sanktionen gegen Russland verhängt.

Mann in Anzug vor Flaggen.
Legende: Der serbische Botschafter in der Schweiz, Ivan Trifunovic, lobt die Schweiz: Sie halte sich mit Kritik an der serbischen Regierung von Aleksander Vucic zurück – weil sie die Dinge nuancierter sehe, so Trifunovic. srf/Janis Fahrländer

Serbien glaube nicht an die Wirksamkeit von Sanktionen, sagt Trifunovic. Man habe aber auch ein Interesse an guten Beziehungen zu Moskau, weil Serbien auf russische Energielieferungen angewiesen sei. Dennoch unterstütze Serbien die territoriale Integrität der Ukraine und habe diese Position etwa in der UNO immer wieder klar zum Ausdruck gebracht.

Trotzdem wird Serbien für die politische Nähe zu Russland kritisiert, etwa als Präsident Vucic letztes Jahr Machthaber Wladimir Putin in Moskau traf.

Politische Krise in Serbien

Auch innenpolitisch steht Vucics Regierung in Belgrad unter Druck. Seit über einem Jahr ist sie mit Protesten konfrontiert. Die Bewegung fordert mittlerweile Neuwahlen. Ausgelöst wurde sie durch das Bahnhofsunglück in Novi Sad.

Im Fall des Bahnhofseinsturzes von Novi Sad hat es sicherlich Inkompetenz und Fahrlässigkeit gegeben. Und möglicherweise auch Korruption.
Autor: Ivan Trifunovic Serbischer Botschafter in der Schweiz

Botschafter Trifunovic zeigt ein gewisses Verständnis für die geäusserte Wut. «Im vorliegenden Fall hat es sicherlich Inkompetenz und Fahrlässigkeit gegeben, möglicherweise auch Korruption.» Dies müsse jedoch juristisch geklärt werden. Die Krise werde sich durch Neuwahlen im laufenden Jahr lösen, ist er überzeugt.

Schweiz weniger kritisch

Eine echte juristische Aufarbeitung der Tragödie, die 16 Todesopfer forderte, hat bislang allerdings nicht stattgefunden. Viele Serbinnen und Serben gehen zudem davon aus, dass die Wahlen nicht frei und fair sein werden. Das Klima im Land wird zunehmend als autoritär beschrieben, die Pressefreiheit etwa werde zunehmend eingeschränkt.

Internationale Kritik an Vucic und Serbien

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Die EU hat zuletzt ihre Rhetorik gegenüber Serbien verschärft. Kritisiert werden demokratische Rückschritte sowie Einschränkungen der Rechtsstaatlichkeit.

Gemäss Medienberichten erwägt die EU-Kommission daher, ein Förderprogramm für Serbien in Höhe von 1.5 Milliarden Euro zurückzuhalten.

Kritik kommt auch vom UNO-Hochkommissar für Menschenrechte Volker Türk: Er spricht von einer Erosion des zivilgesellschaftlichen Raumes und warnt etwa vor einer Einschränkung der Medienfreiheit.

Vorwürfe, die Botschafter Trifunovic nicht stehen lassen will. «In Serbien gibt es eine lebendige Diskussionskultur, in der alle Seiten zu Wort kommen.» Tatsächlich gibt es in Serbien weiterhin oppositionelle Medien. Diese stehen jedoch unter Druck und die grosse Mehrheit der Medien ist auf Regierungslinie.

Im Unterschied zur EU hält sich die Schweiz mit öffentlicher Kritik an der serbischen Regierung zurück. Eine Eigenschaft, die Botschafter Ivan Trifunovic lobt: Die Schweiz sehe die Dinge nuancierter. Er hofft daher, dass sich die Beziehungen mit Serbien durch den Staatsbesuch weiter vertiefen werden.

Echo der Zeit, 27.4.2026, 18 Uhr; herb

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