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Das mögliche Impeachment-Verfahren ist kaum Thema in den Familien
Aus SRF 4 News aktuell vom 05.12.2019.
abspielen. Laufzeit 07:37 Minuten.
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Polit-Diskussion in den USA «Es wird bloss noch in den Kategorien Freund und Feind gedacht»

Die Diskussion um ein Amtsenthebungsverfahren gegen den US-Präsidenten Donald Trump beschäftigt die US-Bürgerinnen und Bürger. An den Familientischen allerdings sei die Politik vielerorts kein Thema mehr, sagt Kerstin Kohlenberg. Die Korrespondentin der Zeitung «Die Zeit» sieht darin eine Folge der Verhärtung der politischen Fronten.

Kerstin Kohlenberg

Kerstin Kohlenberg

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Die studierte Soziologin Kerstin Kohlenberg ist USA-Korrespondentin der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit». Sie ist mit einem US-Amerikaner verheiratet und lebt in Washington. Sie ist als Journalistin u.a. mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet worden.

SRF News: Ist angesichts des näher rückenden Impeachments die Politik immer noch das Streitthema Nummer eins am Familientisch?

Kerstin Kohlenberg: Mir ist an Thanksgiving aufgefallen, dass immer mehr Familien die Politik aussparen. Sie ist schlichtweg kein Thema mehr. Der Grund liegt in der schmerzhaften Erfahrung, die viele Familien gemacht haben, in denen etwa der Vater Trump-Wähler ist, die Tochter aber nicht. Da ist es in Diskussionen oft sehr aggressiv und zerstörerisch geworden. Und dabei ist die Familie in den USA doch heilig. Deshalb ist man verstummt.

Trump spricht auf einem Podest und gestikuliert.
Legende: Trump spaltet nicht nur die Nation – auch Familien sind gefährdet. imago images

Wird umso weniger über Politik gesprochen, je näher ein mögliches Amtsenthebungsverfahren rückt?

Unter gleichdenkenden Freunden wird schon darüber gesprochen. Aber eben: Man zieht sich in jene Gruppen zurück, in denen man das Gefühl hat, gut aufgehoben zu sein und nicht angegriffen zu werden. Innerhalb der Familie ist das anders. In den USA leben die Familienmitglieder oftmals weit auseinander, man sieht sich nicht so oft. Da haben viele entschieden, besser nicht mehr über Politik zu sprechen, um die Familie nicht zu gefährden.

Es wäre dramatisch, die Familie wegen der Politik auseinanderbrechen zu lassen.

Ermöglicht die bewusste Trennung von Privatem und Politik, dass man sich innerhalb der Familie menschlich annähert?

Es ist eine pragmatische, aber ganz gute Lösung, nicht mehr über Politik zu sprechen. Die Familie wegen der Politik auseinanderbrechen zu lassen, wäre dramatisch. Deshalb ist es ein grosses Ereignis, wie die Amerikaner es schaffen, sich zu umarmen und zusammen am Tisch zu sitzen, obschon das Gegenüber der politische Feind ist. Denn in den Kategorien Freund und Feind wird hier mittlerweile gedacht.

Wo liegen die Gründe dafür?

Das hat wohl auch damit zu tun, dass sich die Liberalen, die sich bislang als etabliert empfunden haben, politisch die Aussenseiter geworden sind. Und die Konservativen, die sich in der immer liberaler werdenden Gesellschaft als Aussenseiter und schwarze Schafe gefühlt hatten, sind jetzt die Etablierten – sie haben Donald Trump im Weissen Haus.

Die progressiven Amerikaner müssen sich damit auseinandersetzen, dass jene, von denen sie immer gesagt hatten, sie seien rückständig, jetzt an der Macht sind.

Aus dieser Situation entsteht eine noch ungeübte Dynamik: Die liberalen, progressiven Amerikaner, die immer gedacht hatten, ihnen gehöre die Zukunft, müssen sich damit auseinandersetzen, dass jene, von denen sie immer gesagt hatten, sie seien rückständig, jetzt an der Macht sind.

Welche Rolle spielt der aufkommende Wahlkampf?

Da gibt es eine praktische Türe in der politischen Diskussion: Man findet immer einen Kandidaten, den alle nicht gut finden. So versucht man, in der gemeinsamen Ablehnung wieder zusammenzukommen. Allerdings spricht man, verglichen mit dem Wahlkampf von vor vier Jahren, viel weniger über Politik. Damals redete man sich in der Diskussion mit den Nachbarn noch die Köpfe heiss, weil man gedacht hatte, man könne den anderen mit Argumenten überzeugen. Inzwischen spreche ich lieber über ganz andere Themen als Politik – bloss um einen angenehmeren Alltag zu haben.

Das Gespräch führte Teresa Delgado.

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40 Kommentare

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  • Kommentar von Arnold Vass  (Captain Planet)
    Merkmales des Ur-Faschismus, nach Umberto Eco:
    Ablehnung der Moderne
    Rassismus
    Appell an die frustrierten Mittelklassen
    Obsession einer Verschwörung
    Gefühl einer Massenelite
    Machismo/Sexismus
    Qualitativer Populismus
    "Es ist unsere Pflicht, ihn (Ur-Faschismus) zu entlarven und mit dem Finger auf jede seiner neuen Formen zu zeigen – jeden Tag, überall in der Welt." - Umberto Eco
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    1. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      In Schweden ist Gewalt und Vergewaltigungen durch Immigranten zu einem grossen Problem geworden. Die Polizei und viele haben Angst, das Thema anzugehen, aus Angst, als Rassist gebrandmarkt zu werden. Ist das die Moderne, die Umberto Eco vorschwebte als Alternative zum Faschismus? Man sollte aufhören in Kategorien zu denken wie links-rechts, faschistisch, liberal usw. Man wird mit solchen, meist missbräuchlich verwendeten Kategorien, an der Nase herumgeführt, von allen Seiten.
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  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Man muss sich nur diesen brüllenden, mit dem Finger zeigenden Präsidenten anschauen. Jeder primitive Mensch, fühlt sich von so einem bestätigt und aufgefordert es ihm nachzutun! Ich hoffe nur, dass dem Steuerhinterziehungen nachgewiesen werden und er als Krimineller verurteilt wird.
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    1. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      Ein solcher Präsident, wie Sie ihn beschreiben ist mir immer noch lieber, als einer, der in seiner Amtszeit 100'000 Bomben abwerfen lässt und Millionen Exsistenzen zerstört- benehme er sich noch so korrekt.
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  • Kommentar von Christine Hadorn  (Baski)
    Ich kann über gewisse Kommentare nur staunen: Touristenorte noch sicher: Acapulco ist einer, aber gar nicht mehr so sicher wie viele zu wissen meinen. Trump soll eingreifen: Trump soll zuerst mal dafür sorgen, dass die mex.Drogenkartelle keine Waffen mehr aus den USA bekommen. Dieser Waffenhandel blüht nämlich und die Waffenverkäufer verdienen ihr fettes Geld und die Regierung stellt sich blind. Und die Drogen gehen nachher zurück in die USA. DT muss im eigenen Land zuerst Ordnung schaffen
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