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Legende: Video «Gilets Jaunes»: Vorwurf wegen Polizeigewalt in Frankreich abspielen. Laufzeit 01:51 Minuten.
Aus Tagesschau vom 26.01.2019.
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Polizei gegen Gilets jaunes Kontroverse um Einsatz von Gummigeschossen

  • 14 Demonstranten verloren ein Auge, andere eine Hand oder Zähne.
  • Der Einsatz von Schockgranaten und Gummigeschossen der französischen Polizei gegen Gelbwesten löst in Frankreich Betroffenheit aus.
  • Die Polizeiaufsichtsbehörde ermittelt in 80 Fällen von mutmasslicher Polizeigewalt.

Der Hartgummi-Ball hat einen Durchmesser von 4 Zentimetern und steckt in einer Kartusche, die mit 300 Stundenkilometern aus kurzläufigen Waffen abgeschossen wird. Die sogenannten LBD (lanceur de balles de défense) töten nicht. Doch sie können verstümmeln. Ordnungshüter dürfen lediglich auf Arme, Beine oder den Torso zielen, nicht aber auf den Kopf.

Menschliche Dramen vermeiden

Dennoch erlitten in den letzten zwei Monaten seit Beginn der Gilet-Jaunes-Proteste mindestens 14 Personen schwerste Augenverletzungen. Andere liegen mit Schädel- und Kieferbrüchen im Spital. Bei der Polizei bedauert man die Vorfälle. «Das sind menschliche Dramen, die wir zu vermeiden suchen müssen», sagt Linda Kebbab von der Polizeigewerkschaft Unité SGP Police. Aber die Polizisten müssten sich auch gegen gewalttätige Krawallmacher verteidigen und ihr eigenes Leben schützen können.

«Dabei aber zu sagen, unsere Beamten würden absichtlich Leute verletzen, ist absurd», enerviert sich die Gewerkschaftsdelegierte. «Glauben Sie mir, würden sie das tun, dann hätten wir bei den 80'000 Polizisten, die jede Woche im Einsatz stehen, mehr als 14 ausgeschlagene Augen!» Auch bei der Polizei beklage man gut 1000 Verletzte. Eine Zahl, die das Innenministerium bislang nicht bestätigte.

Polizei im Tränengasnebel.
Legende: Tränengas und Gummischrot: Die Polizei stehen wegen ihrer Einsatzmittel in der Kritik. Keystone

Aussage gegen Aussage

Der Journalist David Dufresne dokumentiert und kontextualisiert die Verletzungen in den Reihen der Gelbwesten seit zwei Monaten akribisch: «Ich bin jetzt bei gut 350 signalisierten Fällen, die Hälfte davon sind schwer Verletzte. Und ich kann bezeugen, dass diese Menschen zu keiner Zeit
eine Gefahr für die Polizisten darstellten. Das behaupten die einfach!» 200 Anzeigen wegen Polizeigewalt wurden bereits eingereicht, in 80 Fällen ermittelt die französische Polizeiaufsichtsbehörde.

Dass Innenminister Christophe Castaner Beamte mit Gummigeschoss-Werfern ab heute mit Kameras ausrüsten lässt, ist für Dufresne Bestätigung: «Das ist der Beweis, dass wir den Finger auf einen wunden Punkt gelegt haben.» Allerdings sind die Beamten ausdrücklich nicht verpflichtet, im Fall einer Aggression die Kamera einzuschalten. Was zeigt, dass die Massnahme eher der Bestrafung dient, nicht der Prävention.

Neue «Gelbwesten»-Demonstrationen

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Bei Protesten der «Gelbwesten» sind in Frankreich wieder Zehntausende Menschen auf die Strasse gegangen. Demonstrationen gab es in Paris und anderen Städten, wie der Nachrichtensender Franceinfo berichtete. In der Hauptstadt, Toulouse, Nantes sowie in der normannischen Stadt Evreux sei es am Rande zu Zusammenstössen mit den Sicherheitskräften gekommen.

Schweizer Waffe am Pranger

Inzwischen fordern immer mehr Menschen ein Verbot der Gummigeschoss-Waffen. Die französische Polizei bezieht diese von der Schweizer Firma Brügger & Thomet. «Wir sind wohl das einzige Land Europas, das diese verharmlosend als nicht tödlich bezeichnete Waffe gegen Demonstranten einsetzt», sagt François Boulo, Anwalt und Sprecher der Gelbwesten der
Normandie. «Dass die Polizei gegen Randalierer vorgeht, scheint mir legitim. Aber es gibt vielleicht andere Möglichkeiten als Gummigeschosse. Wir sehen, dass es nie die Schläger sind, die verletzt werden.»

Es seien immer friedliche Demonstranten oder Unbeteiligte. Wie ein Jugendlicher in Strassburg, der von einem Gummigeschoss mitten ins Gesicht getroffen worden sei. Dabei sei er am Einkaufen gewesen, habe nicht an der Demonstration teilgenommen. «Wenn man die gravierenden Verletzungen sieht, welche diese Gummigeschosse verursachen, dann darf man diese Waffen einfach nicht mehr einsetzen.»

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
    "Gewalt erzeugt nun mal Gegengewalt." Das heutige kapitalistische Ausbeutungssystem ist strukturelle Gewalt gegen die Menschen! Man scheint die Aussage immer wieder zu vergessen: das Grundübel ist nach Warren Buffett der Krieg Reich gegen Arm. Ökonomen und Medien schützen das System mit Lügen, Desinformation und Ablenkung (Brot und Spiele). Es sind wenige, welche dahinter blicken und aufklären, wie z.B. der Ökonom Bernd Senf.
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    1. Antwort von A. Theilkaes  (Venceremos)
      Sehe ich auch so Herr Bernoulli, Bernd Senfs Ideen sind spannend. Ich würde auch Rainer Mausfeld erwähnen, seine Analyse zum Neoliberalismus finde ich brilliant. Lösungsvorschläge gibt es viele, wir müssen wohl selber in die Hosen, denn von der Politik werden sie wohl nicht kommen, die verhindert Fortschritt eher..
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  • Kommentar von werner zuercher  (Werner Zuercher)
    Macrons Gummigeschosse sind nur der Anfang! Die EU-Armee wird genau zum Zweck, Volksaufstände in Zukunft zu unterdrücken aufgebaut! So sieht dies auch der neue Vertrag von Aachen zwischen Frankreich und Deutschland vor. Immer mehr zu erwartende Volksaufstände in Deutschland können dann von französischen EU-Armeeangehörigen niedergeknüppelt werden und umgekehrt! Die Hemmschwelle zu prügeln wird sinken. Wo ist da der Aufschrei der ehemaligen linken Friedenstauben und der Mainstreammedien?
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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    @Huwiler .... und ja gemäss polizeiinterner Zeugnisse, wurde die Polizisten instruiert, dass sozusagen 'Jeder Körperteil ein Zeil sein darf'....
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    1. Antwort von Charles Dupond  (Egalite)
      Bei Waffengebrauch KANN zwangsleufig jeder Koerperteil auch ungewollt zum Ziel werden und muss von der Ermaechtigung zum Waffengebrauch juristisch gedeckt sein. Sogar aus dem ruhigen Schiessstand werden auch Haerdopfel geschossen! Das haetten Sie schon gewusst, wenn meine Antwort auf ihren Kommentar 09:48 nicht wie viele andere einmal mehr politisch zensuriert worden waere….
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    2. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      ... was ja noch mehr für eine zu wenig geschulte, überforderte, überstrapazierte und übermüdete Polizei spricht und sprechen würde .... Es ist aber Aufgabe aller, die die Möglichkeit von tödlichen oder verstümmelnden Waffen zu gebrauchen, dementsprechend professionell und nicht wie Chorknaben trainiert, ausgebildet zu sein und dementsprechend vorzugehen.... Ihr Kommentar hin oder her. Die Polizei hat nicht im Krieg mit der eigenen Bevölkerung zu sein!
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