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Proteste nach Tod von Afroamerikaner in Minnesota
Aus Tagesschau vom 13.04.2021.
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Polizeigewalt in Minnesota Versehentliche Schüsse auf Afroamerikaner – Biden mahnt zur Ruhe

  • Der Tod eines Afroamerikaners bei einem Polizeieinsatz im US-Bundesstaat Minnesota ist nach Erkenntnissen der Polizei auf einen «versehentlichen Schuss» zurückzuführen.
  • Eine Polizistin hatte nach einer Verkehrskontrolle auf den 20-jährigen Daunte Wright geschossen.
  • Darauf kam es am Sonntag- und Montagabend zu Protesten. Die Behörden von Minneapolis haben den Notstand verhängt.
  • US-Präsident Joe Biden hat zur Ruhe aufgerufen und die Gewalt verurteilt.

Der Polizeichef der Kleinstadt Brooklyn Center am Nordrand von Minneapolis, Tim Gannon, sagte, Aufnahmen der Bodycams der Sicherheitskräfte deuteten darauf hin, dass eine Polizistin statt eines Elektroschockers (Taser) irrtümlich ihre Pistole gezogen habe.

Gannon zeigte an einer Pressekonferenz Aufnahmen der Bodycams der Polizisten. Darauf ist zu sehen, wie Sicherheitskräfte Wright Handschellen anlegen wollen. Dabei scheint Wright sich aus dem Griff zu lösen und wieder in sein Auto zu steigen. Eine Polizistin ruft «Taser Taser Taser», hat aber eine Pistole in ihrer Hand, aus der sich der Schuss zu lösen scheint.

Die betreffende Polizistin sei während der laufenden Untersuchung freigestellt worden. Die Einsatzkräfte hätten Wright kontrolliert, weil die Zulassung seines Wagens abgelaufen gewesen sei. Bei der Überprüfung seiner Personalien hätten sie dann festgestellt, dass gegen ihn ein Haftbefehl wegen eines «groben Vergehens» vorliege.

Zusammenstösse mit Sicherheitskräften

Der Tod Wrights löste schwere Proteste aus. US-Medien berichteten, Hunderte Demonstranten hätten ein Polizeirevier umringt. Es sei zu Zusammenstössen mit Sicherheitskräften gekommen, die unter anderem Tränengas, Gummigeschosse und Blendgranaten eingesetzt hätten. Die Protestierenden hätten daraufhin Flaschen geworfen und Feuerwerkskörper gezündet. Zudem soll es in einigen Geschäften zu Plünderungen gekommen sein.

Rund 40 Menschen seien am Montagabend festgenommen worden, berichteten örtliche Medien unter Berufung auf die Polizei. Einige Beamte seien verletzt worden. Zudem nahmen rund 300 Menschen an einer separaten friedlichen Mahnwache am Ort der Verkehrskontrolle teil, wie die örtliche Zeitung «Star Tribune» berichtete.

Biden ruft zur Ruhe auf – Ausgangssperre

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US-Präsident Joe Biden hat zur Ruhe aufgerufen. «Friedlicher Protest ist verständlich», sagte Biden im Weissen Haus. Für Gewalt gebe es aber «absolut keine Rechtfertigung». Der Präsident verwies darauf, dass die Ermittlungen zum Tod des 20-jährigen Daunte Wright in Brooklyn Center im Norden der Metropole Minneapolis abgewartet werden müssten. «Die Frage ist, ob es ein Unfall oder Absicht war. Das muss noch geklärt werden.»

In Minneapolis und der benachbarten Stadt Saint Paul trat am Montagabend (Ortszeit) eine nächtliche Ausgangssperre für die Metropolregion in Kraft, die bis Dienstagmorgen um 6 Uhr (13 Uhr MESZ) andauern sollte. Die Behörden kündigten eine verstärkte Präsenz von Sicherheitskräften der Polizei und der Nationalgarde an.

Die örtliche Polizei habe später Verstärkung von der Nationalgarde von Minnesota erhalten, die wegen des Chauvin-Prozesses in Minneapolis stationiert sei. Dort läuft derzeit der Prozess gegen den Ex-Polizisten Derek Chauvin wegen des Todes von George Floyd im Mai 2020.

Ein weiterer schwarzer Mann ist durch Polizistenhand gestorben.
Autor: Derrick JohnsonPräsident der Bürgerrechtsorganisation NAACP

Der Bürgermeister von Brooklyn Center, Mike Elliott, nannte den neuen Vorfall «herzzerreissend und einfach unfassbar». Er sagte eine vollständige Aufklärung zu. Polizeichef Gannon sagte: «Es gibt nichts, was ich sagen kann, um den Schmerz der Familie zu lindern.» Elliott und Gannon betonten das Recht auf friedliche Demonstrationen, riefen aber zu Gewaltverzicht auf.

Der Präsident der Bürgerrechtsorganisation NAACP, Derrick Johnson, erklärte: «Ob es sich um Nachlässigkeit und Fahrlässigkeit handelt oder um einen unverhohlenen modernen Lynchmord, das Ergebnis ist das gleiche. Ein weiterer schwarzer Mann ist durch Polizistenhand gestorben.»

SRF 4 News, 12.04.2021, 15.00 Uhr;

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37 Kommentare

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  • Kommentar von Marti Müller  (Co2=Leben)
    Vorverurteilen ist einfach, aber wie sollen die Polizisten besser ausgebildet werden wenn die Mittel immer mehr gestrichen werden...
  • Kommentar von Detlef Brügge  (Useful)
    Es ist immer wieder erschütternd, dass die US-Polizei es einfach nicht schafft, solche Situationen anders zu bereinigen. Man kennt solche Eskalationen aus kaum einem anderen Land dieser Welt so regelmässig, wie aus den USA. Ernüchternd ist auch, dass man offensichtlich aus keinem dieser landesweiten Vorfälle irgendeine Lehre zieht und wenigstens versucht, so etwas in Zukunft abzustellen. Es erfolgt das übliche Betroffenheitsritual aller und man darf bereits auf den nächsten Vorfall warten.
    1. Antwort von Reto Blatter  (against mainstream)
      @useful: „Man kennt solche Eskalationen aus kaum einem anderen Land dieser Welt so regelmässig, wie aus den USA„ schreiben sie. Waren sie schon einmal in Mexiko, Brasilien, Südafrika, Thailand oder auf den Philippinen, um nur einige zu nennen? Wenn ja, wissen sie, dass es in der USA verhältnismässig selten zu solchen Zwischenfällen kommt. Nur wird regelmässig und ausschliesslich darüber berichtet:)
    2. Antwort von Christoph Stadler  (stachri)
      @Blatter: Aber gelernt haben die US-Verantwortlichen trotzdem fast nichts bis nichts - so wie es ausschaut...
  • Kommentar von Peter Mueller  (Elbrus)
    Versehentlich - was haben die eigentlich für eine Ausbildung ? In Zürich habe ich in 30 Jahren noch nie von einem versehentlich Erschossenen gehört. Die Ausbildung in Zürich dauert gut 2 Jahre. Minneapolis 16 Wochen.
    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      In der Schweiz/Europa lernen die Polizisten auch den Waffenlosen Kampf ( bzw, wie man andere Menschen ohne Waffen überwältigen kann)
      In den USA lernen die Polizisten, wie man mit der Waffe umgehen kann, und wie man sie schneller als der Gegner/Verdächtige ziehen/abfeuern kann. (damit sie nicht selber erschossen werden.)
      Die Amerikaner verlassen sich einfach zu sehr auf ihre Waffen, und zu wenig auf Waffenlosen Kampf/Dominanz