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Auftaktplädoyers im Prozess um den Tod von George Floyd
Aus HeuteMorgen vom 30.03.2021.
abspielen. Laufzeit 02:34 Minuten.
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Weisser Polizist angeklagt Staatsanwalt fordert im Floyd-Prozess Verurteilung wegen Mord

Zehn Monate nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd hat der Prozess gegen den Ex-Polizisten Derek Chauvin begonnen.

Mit einem Video erinnerte Staatsanwalt Jerry Blackwell die Geschworenen an die 9 Minuten und 29 Sekunden, in denen George Floyd am Boden liegt, um Luft ringt und um Hilfe bittet.

«Alles tut weh», seufzt George Floyd. «Ich kann nicht atmen», sagt der Afroamerikaner immer wieder, bevor er für immer verstummt. Passanten schreien die Polizisten an, während der weisse Beamte Derek Chauvin stoisch weiter auf Floyds Hals kniet und ihn zu Boden drückt.

«Lass seinen Hals, verflucht noch mal, er atmet nicht mal mehr», schreit ein Passant. «Haben sie ihn getötet?», ruft eine Passantin. «Ihnen ist es egal, er ist schwarz», sagt sie.

Staatsanwalt fordert Schuldspruch

Polizeioffizier Derek Chauvin habe gegen polizeiinterne Regeln verstossen, indem er unnötig lange auf Hals und Rücken von George Floyd gekniet sei, sagte Staatsanwalt Blackwell in seinem Eröffnungsplädoyer. «Und das selbst dann noch, als Sanitäter bei Floyd keinen Puls mehr feststellen konnten.»

Des Mordes zweiten Grades angeklagt

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Des Mordes zweiten Grades angeklagt
Legende: Reuters

Der Prozess gegen den weissen Polizisten Derek Chauvin findet in der Stadt Minneapolis statt. Dem inzwischen entlassenen Beamten wird unter anderem Mord zweiten Grades am Schwarzen George Floyd vorgeworfen. Darauf stehen im nördlichen Bundesstaat Minnesota bis zu 40 Jahre Haft. Die Aufgabe der Geschworenen ist es dabei nicht, über Rassismus und Polizeigewalt zu urteilen. Sie müssen in diesem konkreten Fall entscheiden, ob Chauvin vorschriftsmässig handelte oder schuldig ist.

Derek Chauvin habe unverhältnissmässig Gewalt angewandt. «Er hat nicht irrtümmlich gehandelt, sondern in voller Absicht», sagte Blackwell. Deshalb müssten die Geschworenen Derek Chauvin wegen Mordes verurteilen.

Anwalt: Herzprobleme schuld am Tod?

Der Verteidiger des entlassenen Polizisten zeichnete ein ganz anderes Bild: George Floyd habe sich seiner Verhaftung mit aller Kraft widersetzt, weshalb die Gewaltanwendung angemessen gewesen sei. Und letzlich gehe es im Prozess um die Frage, woran George Floyd gestorben sei.

Video
Prozessauftakt im Todesfall des Afroamerikaners George Floyd
Aus Tagesschau vom 30.03.2021.
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Indizien deuteten darauf hin, dass bereits bestehende Herzprobleme Floyds und dessen Drogenkonsum zum Tod geführt hätten, so der Verteidiger. Deshalb sei Chauvin nicht schuldig.

Dieser war nach dem Vorfall entlassen worden und ist derzeit auf Kaution frei. Er muss während des Prozesses im Gerichtssaal anwesend sein.

Chauvins Ex-Kollegen angeklagt

Als Nächstes werden in dem Prozess Zeugen und Expertinnen befragt. Die Geschworenen fällen ihr Urteil voraussichtlich Ende April.

Neben Chauvin sind drei weitere am Einsatz gegen Floyd beteiligte Ex-Polizisten angeklagt, die in einem separaten Verfahren ab dem 23. August vor Gericht stehen werden. Ihnen wird Beihilfe zur Last gelegt. Auch ihnen könnten langjährige Haftstrafen drohen.

Weltweite Massenproteste ausgelöst

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Weltweite Massenproteste ausgelöst
Legende: Reuters

Die Videos von Floyds letzten Minuten hatten in den USA im vergangenen Jahr mitten in der Pandemie monatelang zu Massenprotesten gegen Polizeigewalt und Rassismus geführt. Viele Beobachter sprachen von der «Black Lives Matter»- Bewegung von grössten Protestwelle seit der Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre. Sie hatte weltweite Auswirkungen.

Die Erwartungen an den Prozess sind daher immens. Viele Menschen, darunter wohl auch die meisten Schwarzen, hoffen auf ein Urteil, das ein Zeichen setzen wird. Auch US-Präsident Joe Biden werde den Prozess «sicherlich genau verfolgen», sagte seine Sprecherin Jen Psaki. Biden hatte sich im vergangenen Jahr – noch als Kandidat – mit Floyds Angehörigen getroffen, darunter dessen Tochter.

SRF 4 News, Heute Morgen vom 30.3.2021, 06.00 Uhr;

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Katica Öri  (Katiöri)
    Die Gesellschaft ist nicht nur gespalten wie in dieser Fall sondern in alle Fällen in welche verschiedene denkende Menschen aufeinandertreffen. Wir sind weltweit intoleranter geworden, äusserlich geben wir an wie multikulturell wir sind. Wehe jemand spielt dieser Spiele nicht mit. Der Polizist ist definitiv schuldig. Wenn die gut bezahlte Anwälte einen super Job machen dann wird er milde verurteilt. Tja das ist der System. PS: nicht vergessen jeder System ist von alle Menschen gemacht.
  • Kommentar von Riitta Bislimi  (ribi)
    @Dr. Wissenschaftler. Treffend formuliert und auf den Punkt gebracht.
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Dass der Polizist wegen Mordes verurteilt werden soll, steht ausser Zweifel. Mind. 2. Grades. Ein Freispruch müsste man als rassistisch motiivert ansehen.Aber tatsächlich hat M. Luczynski recht: Die Gesellschaft ist tief gespalten in Reich - Arm; Weiss-Schwarz ( und Indios); in politisch Links - sehr rechts; DT&Co haben diese Zerklüftung der Gesellschaft mächtig und schnell vergrössert. Trump und viele Reps., z.B.Trumpanhänger (teils rechtsextr.) sind für diese Situationen (mit-)verantwortlich.
    1. Antwort von Marti Müller  (Co2=Leben)
      Inwiefern sind "Trump & Co "für diese Situationen (mit-)verantwortlich??
    2. Antwort von Marti Müller  (Co2=Leben)
      Was ist mit den Demokraten? Segregation in den 70er? Unterstützt durch Biden?
      Dazu seine Zahlreichen mündliche Beleidigungen an Minderheiten?
    3. Antwort von Ueli Meier  (meimei)
      Ja so ist es. Interessant finde ich, wie DT Anhänger weiterhin mit Rassismus, Hetze, Verdrehungen, Lügen sowie Verschwörungstheorien hantieren (dürfen). DT als Wegbereiter. Derartige faktenfreie Meinungsfreiheit ist ein Witz.