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Internationaler Postverkehr durchlebt schwierige Zeiten
Aus Echo der Zeit vom 21.04.2020.
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Postberge türmen sich Wenn der Pöstler nicht mehr klingelt

Die Corona-Krise war erst ein paar Wochen alt, und schon brachen weite Teile des internationalen Postsystems zusammen. Wenige Tage nach den Restriktionen in Europa und Nordamerika konnten 15 Prozent der grenzüberschreitenden Postsendungen nicht mehr zugestellt werden. Es kam zu riesigen Rückstaus. Inzwischen ist die Lage noch weitaus dramatischer, allerdings fehlen aktuelle Zahlen.

David Dadge, Kommunikationschef des zur UNO gehörenden Weltpostvereins, spricht von einer extrem schwierigen Situation: «Es ist unglaublich schwierig, die Post auf dem Niveau von vor der Krise am Laufen zu halten.»

Weltpost-Denkmal.
Legende: Das Weltpost-Denkmal «Autour du monde» in Bern erinnert an die Gründungsstadt und den Sitz des seit 1874 bestehenden Weltpostvereins. Keystone/Archiv

Manche Regierungen schlossen ihre Postämter ganz und stellten die Zustellung von Briefen und Paketen ein. Auch europäische Länder, etwa Frankreich, haben sie zumindest stark reduziert. Immerhin soll nun den ärmsten Ländern mit Desinfektionsmitteln, Handschuhen und Masken geholfen werden, einen Minimalbetrieb sicherzustellen.

Mehr Frachtflugzeuge nötig

Das grösste Problem ist jedoch die weitgehende Einstellung des internationalen Passagierflugverkehrs. Denn es sind hauptsächlich Passagierflugzeuge, die Briefe und Pakete transportieren.

Gemeinsam mit der internationalen Luftverkehrsvereinigung (Iata) will nun der Weltpostverein vermehrt Frachtflugzeuge für den Posttransport nutzen. Diese sollen auch auf Passagierflughäfen operieren dürfen, wo derzeit ohnehin kaum etwas läuft.

Sie sollen bessere Flugzeiten und Flugrouten zugeteilt bekommen. Unterstützt von der Weltzollorganisation, werden Behörden zudem aufgefordert, die oft sehr bürokratischen Zollverfahren für Postsendungen zu erleichtern, wie Dadge sagt.

Direkte Postzüge aus China

Ein weiterer Weg, die Teilblockade zu durchbrechen, sind erstmals direkte Postzüge von China nach Europa. Der erste dieser Züge hat nach zwölftägiger Fahrt Vilnius in Litauen erreicht. Wöchentlich folgen nun mehrere Züge, jeder mit rund 300 Tonnen Postsendungen beladen. Von Vilnius oder aus Polen wird dann die Post mit Lastwagen in die Bestimmungsländer gebracht.

Viele Drittweltstaaten ohne Adresssystem

Gravierend wirkt sich in der Krise aus, dass die meisten Drittweltstaaten und dort selbst Millionenstädte kein Adresssystem kennen. Wer dort wohnt, kann seinen Wohnsitz nicht mit dem Namen der Strasse und einer Hausnummer identifizieren.

«Was in wohlhabenden Ländern selbstverständlich ist, ist dort fast unbekannt», sagt Dadge. Der Weltpostverein nutzt daher die Corona-Krise für eine Kampagne mit dem Ziel, dass möglichst überall rasch solche Adresssysteme eingeführt werden. Sie sind entscheidend für Notdienste und für die Belieferung von Menschen unter Quarantäne mit dem Lebensnotwendigen.

Heimgeschickte Gelder bleiben liegen

Die Rolle der Post ist in vielen Staaten noch grösser geworden, weil sie einen Grundversorgungsauftrag erfüllt. So sorgt sie etwa dafür, dass hunderte Millionen Menschen vor allem in Entwicklungsländern Zugriff auf «Rimessen» haben. Also auf Gelder, die ihnen Angehörige überweisen, die in reicheren Ländern leben.

Es geht um zig Milliarden Franken weltweit. In vielen Ländern sind die «Rimessen» sogar die wichtigste Einnahmequelle. Wegen der Quarantäne und Ausgehverboten können derzeit viele Menschen dieses Geld nicht mehr an der Poststelle abholen. Es muss ihnen gebracht werden – doch dazu braucht die Post eine Zustelladresse.

«Echo der Zeit» 21.04.2020, 16:00 Uhr

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