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Trump hat Putin nicht gebracht, was er sich erhofft hatte
Aus SRF 4 News aktuell vom 27.10.2020.
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Präsidentenwahl in den USA Biden ist kein Wunschpräsident – weder für Moskau noch für Peking

Trump hat Russland nicht viel gebracht – von Biden wird nichts erwartet. Und China ist bloss froh, wenn Trump endlich weg ist.

Die US-Präsidentenwahl wird auch in Russland und China aufmerksam mitverfolgt. Allerdings: In Moskau zeigt man sich diesmal eher zurückhaltend, denn Präsident Donald Trump hat sich nicht wirklich als Vorteil für die Russen erwiesen, wie SRF-Korrespondntin Luzia Tschirky weiss.

Und in Peking ist man vor allem die Beleidigungen Trumps leid – deshalb hofft man eher auf einen personellen Wechsel im höchsten politischen Amt der USA. Gleichzeitig sei man sich aber bewusst, sagt SRF-Korrespondent Martin Aldrovandi, dass die aktuelle China-Politik der USA wohl auch unter einem Präsidenten Joe Biden weitergeführt würde.

Wenig Hoffnung im Kreml

«Der Kreml blickt zurückhaltend und mit wenig Hoffnung auf Veränderung in den Beziehungen zu den USA auf den US-Wahlkampf», sagt Tschirky. Trump habe sich nicht als der erhoffte «nützliche Freund» Moskaus bewiesen. «Im Kreml zeigt man sich stark ernüchtert.» Dasselbe Bild zeige sich in der Bevölkerung: Zwei von fünf Russen hätten ein negatives Bild von Trump.

Bloss vage Manipulationsvorwürfe

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Die letzte Wahl 2016 soll bekanntlich von den Russen beeinflusst worden sein. Sie stehen im Verdacht, durch massive Einflussnahme in sozialen Medien wie Facebook Trump ins Amt verholfen zu haben. Und auch diesmal wurden vonseiten der US-Geheimdienste bereits Vorwürfe laut, Moskau versuche, die Präsidentenwahl zu manipulieren.

Allerdings: «Man sollte den Kreml nicht grösser machen, als er ist», sagt dazu Korrespondentin Tschirky. So wirke die aktuelle russische Vorgehensweise bei den Beeinflussungsversuchen gemäss den verfügbaren Informationen aus den USA doch eher dilettantisch.

Joe Biden seinerseits kenne man im Kreml aus seiner Zeit als US-Vizepräsident unter Barack Obama. Doch: «Aus Sicht des Kreml verhielt sich Biden damals respektlos gegenüber Russland, weil er Moskau nicht auf Augenhöhe begegnet sei.» Weil nun die Zeichen auf einen Machtwechsel in Washington hindeuteten, sei man im Kreml entsprechend zurückhaltend.

Biden gibt Putin die Hand.
Legende: Biden besuchte Moskau 2011 als Obamas Vizepräsident und traf dort auch Putin. Reuters

Tatsächlich liegt der Demokrat Biden laut den Umfragen in den USA sowohl bei den Wählerstimmen insgesamt als auch bei den Wahlmännerstimmen – diese sind ja entscheidend – vorn.

Russland versuche jedoch, die offensichtliche Spaltung der Bevölkerung in den USA für Propagandazwecke zu nutzen, stellt Tschirky fest. So zeige man im russischen Staatsfernsehen genüsslich die Bilder von Polizeigewalt gegen Demonstranten und weise darauf hin, dass es in New York ja noch schlimmer sei als in Moskau. «Ich denke das ist das einzige, was der Kreml tun kann: die vorhandene Spaltung in den USA zu eigenen Propagandazwecken auszunutzen», sagt Tschirky.

China will bloss Trump loswerden

Auch in China wird der US-Wahlkampf mitverfolgt – soweit das angesichts der Medienzensur durch die Behörden möglich sei, sagt SRF-Korrespondent Aldrovandi. «Vor allem in den sozialen Medien macht man sich entweder über Trump lustig – oder nervt sich darüber, wenn er wiedermal gegen China austeilt.»

Biden und Xi geben sich die Hand.
Legende: Chinas Staatspräsident Xi Jinping empfing den damaligen US-Vizepräsidenten Biden 2013 in Peking. Reuters

Doch auch wenn Trump bei den Chinesen alles andere als beliebt ist und wohl eine Mehrheit nicht unglücklich wäre, wenn er nicht wiedergewählt würde – mit seinem Kontrahenten Biden wird man auch nicht warm. Denn: «Die amerikanische Politik gegenüber China wird sich auch unter einer demokratischen Regierung kaum ändern», sagt Aldrovandi.

Nur der Ton dürfte sich ändern

Zwar würde mit Biden wohl ein anderer Ton gegenüber Peking einkehren und die Art des Politisierens würde sich ändern, glaubt Aldrovandi. Doch in der Sache – etwa in der Handelspolitik oder der Hongkong-Frage – würden die USA ihre Haltung gegenüber China kaum ändern. «In Peking will man vor allem, dass Trump weg ist – und schaut dann halt, was Biden tun wird.»

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Peking will bloss eins: Trump loswerden
04:33 min, aus SRF 4 News aktuell vom 27.10.2020.
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Manche Chinesen seien aber auch für eine Wiederwahl Trumps, weiss Aldrovandi. Denn dank dessen Unfähigkeit – etwa in der Covid-Krise – stehe China seinerseits viel besser da.

Egal ob Moskau oder Peking – grosse Hoffnungen, dass der Umgang mit den USA unter einem Präsidenten Biden einfacher wird, hat man in den Hauptstädten Russlands und Chinas nicht.

SRF 4 News aktuell vom 27.10.2020;

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44 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Frank  (Europäer)
    Russland hat USA auf dem Kaukasus gestoppt (Tschetschenien, Georgien). Und auch in Osteuropa wirtschaftlich wird Euroasien (Russland, China) der USA Stirn bieten. Euroasien hat klare Botschaft: Amerikaner bleibt ihr in Amerika; Britten bleibt ihr auf dem Insel so wie die Japaner. Euroasiatischer Kontinent spricht klar. Nur USA ist schwer von Begriff, so schwer wie die Britten waren.
    1. Antwort von Esther Siefert  (Cheetah)
      ...ja klar und - Russen, bleibt ihr in Russland und Chinesen bleibt ihr in China - dann ist schon alles noch viel besser...
  • Kommentar von Karl Frank  (Europäer)
    Nach dem Erdogan man seht, dass auch Türkei selbst ist politisch erwacht. Euroasien so wie Russland ist Völkergemisch: Slawen, Türken, Ugrofinnen, iranische Völker. In Euroasien kommen dazu «Schlitzaugen» (Chinesen, Vietnamesen). Es ist Gebiet, wo 4 Milliarden Leute leben wird 60 % Weltwirtschaft umgesetzt und 70 % der natürlichen Ressourcen der Welt vorhanden ist. USA und Britten (weil amerikanische Imperialismus Verlängerung des britischen ist) werden diesen Gebiet nie kontrollieren.
    1. Antwort von Esther Siefert  (Cheetah)
      ...werden diesen Gebiet nie kontrollieren - umgekehrt aber schon ???
  • Kommentar von Karl Frank  (Europäer)
    Das Problem liegt wo Anders. Der polnisch-jüdisches Politiker Brzezinski hat die richtige These gestellt, dass USA nie Welthegemon wird, wenn sie nicht Seidenstrasse beherrscht und kontrolliert. Und dann USA begann diese These zu realisieren, was mit Katastrophe in Iran endete. Aus dem Kommunismus (Fall der UdSSR) sind gestärkt rausgekommen vor Allem Turkvölker die eigentlichen Besitzer der Zentralasien.
    1. Antwort von Esther Siefert  (Cheetah)
      ...die eigentlichen "Besitzer" ???
      Toll...