Der britische Premierminister Keir Starmer steht unter massivem Druck. Nach Verlusten seiner Labour-Partei bei den lokalen Wahlen letzte Woche gibt es nun parteiintern Ärger: Seit Dienstag sind fünf Minister und Ministerinnen zurückgetreten. Der neuste Fall: Gesundheitsminister Wes Streeting.
Ausserdem fordern ihn inzwischen mehr als hundert Parlamentarier zum Rücktritt auf. Oder sie verlangen, dass er dafür wenigstens einen Zeitplan vorlegt. Und so beginnen im Vereinigten Königreich die Diskussionen darüber, wer Starmer als Premierminister beerben könnte. Das sind die meistdiskutierten Namen:
Wes Streeting – der Berechnende
Wes Streeting gehört zum moderaten Flügel der Partei. Am Donnerstag ist er aus Protest gegen seinen Chef von seinem Amt zurückgetreten. Das teilte Streeting auf der Plattform X mit. Er habe das Vertrauen in Starmers Führung verloren, heisst es darin. Es wäre «unehrenhaft und prinzipienlos», im Amt zu bleiben. Zudem sei es klar, dass Starmer «die Labour-Partei nicht in die nächste Parlamentswahl» führen werde.
Labour-Abgeordnete und Gewerkschaften wollten, «dass die Debatte über die Zukunft ein Kampf der Ideen ist, nicht der Persönlichkeiten oder kleinlicher Fraktionskämpfe».
Britische Medien hatten bereits seit Tagen über einen bevorstehenden Rücktritt Streetings spekuliert. Es wird erwartet, dass er Starmer um den Parteivorsitz herausfordert.
Streetings Team kennt die Regeln der politischen Lobbyarbeit – und laut britischen Medienberichten ist es daran, im Hintergrund die Weichen für seinen Mann zu stellen.
Angela Rayner – die Beliebte
Angela Rayner kommt gut an, vor allem bei den Gewerkschaften. Die 46-Jährige steht für soziale Gerechtigkeit und Arbeitnehmerrechte – für einen klassischen Labour-Kurs also. In einer Rede vor wenigen Tagen sagte sie, die Labour-Partei müsse ihren Kurs ändern und wieder mehr an die Arbeiter denken.
Rayner hätte alles, was es braucht: Charisma, Ideen, Durchsetzungsfähigkeit und Führungserfahrung. Sie war Keir Starmers Stellvertreterin, bis öffentlich wurde, dass sie eine Steuer für einen zweiten Wohnsitz nicht bezahlt hatte. Deshalb musste sie ihre Ämter niederlegen. Jetzt versucht sie quasi als Plan B, ihre Beliebtheit zu nutzen, um einen Kollegen aus dem linken Parteiflügel zu unterstützen: Andy Burnham.
Andy Burnham – der Blockierte
Andy Burnham war viele Jahre im Parlament. Unter Tony Blair und Gordon Brown besetzte der heute 56-Jährige wichtige Ämter. Dann ging er in die lokale Exekutive. Seit 2017 ist Stadtpräsident von Manchester. Burnham gilt als glaubwürdig und nah bei den Leuten.
Bei einer Nachwahl im Februar wollte er zurück ins nationale Parlament. Doch die Parteiführung in London blockierte seine Kandidatur: offiziell aus Sorge um das Stadtpräsidium, inoffiziell aus Angst vor einem starken internen Rivalen für Keir Starmer. Jetzt will er nicht ausschliessen, am Job des Premiers interessiert zu sein. Die Zeit spielt für ihn. Je länger Starmers Niedergang dauert, desto grösser werden Burnhams Chancen, bis zur Wahl wieder dabei zu sein.
Ed Miliband – der ewige Kandidat
Energieminister Ed Miliband hatte die Labour-Partei schon zwischen 2010 und 2015 in der Opposition geführt. Jetzt erklärte der 56-Jährige, dass ihn diese Erfahrung «immunisiert» habe, den Job nochmals zu wollen. Miliband ist in Starmers Regierung der stärkste Befürworter des Netto-Null-Ziels in der Klima- und Energiepolitik.
Shabana Mahmood – die Harte
Shabana Mahmood ist seit 2010 Abgeordnete – und seither schnell durch die ministeriellen Ränge aufgestiegen. Seit September ist sie Innenministerin, zuvor war sie Justizministerin. Mahmood ist die erste muslimische Frau, die eine dieser Positionen innehat. Die 45-Jährige gilt als Vertreterin des rechten Flügels von Labour. Sie steht für eine harte Haltung in der Einwanderungspolitik, was sie im linken Parteiflügel wenig beliebt macht.