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Proteste im polnischen Parlament
Aus News-Clip vom 28.10.2020.
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Proteste in Polen Streit um Abtreibungsrecht in Polen erreicht Parlament

  • In ganz Polen hat es am Abend erneut Proteste gegen die Verschärfung des Abtreibungsrechts gegeben.
  • Für heute ruft die Frauenbewegung zu einem landesweiten Streik auf.
  • Auch im Parlament wurde die Verschärfung des Abtreibungsrechts zum Thema.

Die Proteste gegen die drastische Verschärfung des Abtreibungsrechts haben in Polen nun auch das Parlament erreicht. Am Dienstag kam es laut polnischer Nachrichtenagentur PAP zu emotionalen Szenen, nachdem der stellvertretende Parlamentsvorsitzende Ryszard Terlecki von der nationalkonservativen Regierungspartei (PiS) die Symbole auf den Masken der Oppositionsabgeordneten mit denen von Nazis verglichen hatte.

Es gibt im Saal Abgeordnete, die Masken mit Zeichen tragen, die den Symbolen der Hitlerjugend und der SS ähneln.
Autor: Ryszard TerleckiPiS-Fraktionschef

Terlecki, auch PiS-Fraktionschef, sagte laut PAP: «Ich bedauere, sagen zu müssen, dass es im Saal unter den Abgeordneten der Linken und der Bürgerplattform Mitglieder gibt, die Masken mit Zeichen tragen, die den Symbolen der Hitlerjugend und der SS ähneln.» Das Protestsymbol auf der Maske zeigt einen roten Blitz – und richtet sich gegen das Urteil des Verfassungsgerichtshofs zur Abtreibung.

Eine Abgeordnete der Bürgerplattform lief daraufhin zum Rednerpult, machte auf die laufenden Massenproteste aufmerksam und kritisierte den PiS-Vorsitzenden Jaroslaw Kaczynski. Mehrere Linken-Abgeordnete kamen zum Podium und hielten Karten mit der Aufschrift «Frauen entscheiden» und «legale Abtreibung» in der Hand. Zwei Abgeordnete der Opposition wurden aus dem Plenarsaal verwiesen.

Kaczynski: Protestierende wolle Polen zerstören

PiS-Chef und stellvertretender Ministerpräsident Polens, Jaroslaw Kaczynski, wies die Kritik zurück. In einer Videobotschaft verurteilte er die Proteste und rief alle PiS-Mitglieder und PiS-Sympathisantinnen dazu auf, Polens Kirchen zu verteidigen. Kaczynski erklärte die Demonstrantinnen kurzerhand zu Straftäterinnen.

Ein baldiges Ende der Protest ist nicht abzusehen. Für heute Mittwoch hat etwa die polnische Frauenbewegung zu einem landesweiten Streik aufgerufen. «Wir nehmen unbezahlten Urlaub. Wir schliessen die Firma. Oder ganz einfach – wir gehen nicht zur Arbeit», heisst es in einem Aufruf der Organisation «Allpolnischer Frauenstreik».

Nach der Entscheidung des Verfassungsgerichts, wonach auch Schwangerschaftsabbrüche aufgrund schwerer Fehlbildungen des ungeborenen Kindes verfassungswidrig seien, protestieren in Polen seit Tagen Zehntausende. Das polnische Abtreibungsrecht zählte schon zuvor zu den strengsten in Europa.

SRF 4 News, 04:00 Uhr, 28.10.2020;

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Claudia Beutler  (Claudia)
    Due katholische Kirche sollte erstmal ihre Pädophilenskandale aufarbeiten und uns Frauen keine Vorschriften zu etwas machen, von dem sie keine Ahnung haben. Nämlich gebären und ein behindertes Kind betreuen. 24 Stunden 345 Tage im Jahr.
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    1. Antwort von Eva Wädensweiler  (E. W.)
      Nur dass es weniger Abtreibungen gibt, weil ein Kind behindert ist, sondern es wird öfters abgetrieben, weil ein Kind unerwünscht ist, es noch nicht in die Karriereplanung passt, der falsche Zeitpunkt ist.
      Also aus rein egoistischen Gründen ganz ohne Not.
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  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Sämtliche Betreuungs-, Pflege- und Gesundheitskosten dieser gezwungenermaßen geborenen Menschen, sollten den Befürwortern in Rechnung gestellt werden!
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  • Kommentar von Klaus KREUTER  (SWISSKK)
    Man kann wohl davon ausgehen dass kaum eine Frau/Familie eine solche Entscheidung leichtsinnig fällt. Da gibt es eine Vielzahl von Gründen. Wenn sich dann eine politische Richtung erlaubt die eigene Meinung durchzudrücken ist dies inakzeptabel. Später wird man sich kaum um Menschen kümmern, da sind die Familien alleine gelassen.
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