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USA – systematische Diskriminierung von Schwarzen?
Aus Rendez-vous vom 05.06.2020.
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Rassismus in den USA Darum haben gewalttätige Polizisten wenig zu befürchten

Männer in Uniform haben selten mit Strafen zu rechnen. Das liegt auch an ihren starken Gewerkschaften.

«Als Polizist lebst du gefährlich. Es gibt zu viele Waffen in den USA – du musst immer auf alles gefasst sein», sagt Scott Dahlquist. Er hat 26 Jahre lang Dienst getan, als weisser Polizist im Norden von Minneapolis, wo mehrheitlich Schwarze leben. Und stets habe er eine schwelende Spannung gespürt, eine Feindseligkeit.

Diese Feindseligkeit kommt nicht von ungefähr: Laut einer Untersuchung werden in Minneapolis Schwarze neunmal häufiger wegen Bagatelldelikten angehalten als Weisse. Er wisse dies, sagt Dahlquist, und er kenne die dunklen Kapitel der US-Geschichte.

Angst und Ignoranz

Er sei stets so höflich gewesen und so korrekt wie nur möglich. Aber: Einige seiner weissen Kollegen verhielten sich leider anders, aggressiver, gibt Dahlquist zu. Dahinter stecke meist Angst und Ignoranz. Mehr will er aber nicht sagen über seine ehemaligen Kollegen.

Der Soziologe Rashawn Ray hat in unzähligen Interviews Einstellungen und Ängste von Polizisten gegenüber Schwarzen untersucht. Der schwarze Körper wirke auf viele Weisse bedrohlich, wie eine Waffe, und dies aktiviere die alten Vorurteile, dass schwarze Männer gewalttätig, kriminell, unberechenbar seien und deshalb eine potenzielle Gefahr für den Polizisten darstellten. Diese uralte Angst erkläre, weshalb unbewaffnete Männer mit dunkler Hautfarbe dreieinhalb mal häufiger in Polizeigewahrsam sterben als Weisse.

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Videoausschnitte zeigen Polizeigewalt der letzten Tage in den USA
Aus #SRFglobal vom 04.06.2020.
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Die frühere Polizeichefin von Minneapolis, Janeé Harteau, bestätigt, dass diese tief verwurzelten Einstellungen in Polizeikorps verbreitet seien. Sie liessen sich nicht so schnell aus der Welt schaffen. Aber es brauche als Gegengewicht eine Kultur, in der klar sei, dass alle Menschen mit Respekt behandelt werden müssten.

Nur leider lasse sich diese nicht einfach mit Konzepten und Kursen von oben her aufzwingen. Es brauche mutige Polizisten, die einschritten und nicht einfach wegschauten, wenn Kollegen Grenzen überschreiten.

Zusammenstoss der Polizei mit Demonstranten
Legende: Eine Dienstkultur entwickle sich vor allem bei der Polizeiarbeit auf der Strasse, sagt die frühere Polizeichefin von Minneapolis. Keystone

Den grössten Einfluss auf die Dienstkultur hätten aber die Polizeigewerkschaften, sagt Harteau aus eigener Erfahrung. Diese überwachten nicht nur die Arbeitsbedingungen, sondern hätten vor allem übermässigen Einfluss auf Disziplinarverfahren. Konsequent stellten sie sich schützend vor Polizisten, selbst wenn deren Vergehen äusserst gravierend seien.

Der Chef der Polizeigewerkschaft von Minneapolis, Robert Kroll, schrieb letzte Woche in einem Brief an seine Mitglieder: George Floyd sei selbst schuld an seinem Tod. Soziologe Ray, der selber aus einer Polizisten-Familie stammt, bestätigt die grosse Macht der Polizeigewerkschaften. Sie könnten ihre Mitglieder bei Vergehen fast vollständig vor juristischen und finanziellen Konsequenzen abschirmen.

Und wer wegen Fehlverhalten dennoch entlassen werde, könne dank der Gewerkschaften in einem anderen Korps problemlos wieder eine Stelle finden. Ray ist wie viele andere Fachleute überzeugt, dass die Macht der Polizeigewerkschaften beschnitten werden muss.

Opfer von Polizeigewalt vom Steuerzahler entschädigt

Entschädigungsleistungen für die Opfer von Polizeigewalt müssen auch dann bezahlt werden, wenn der fehlbare Polizist nicht bestraft wurde. Die Stadt Chicago musste in den letzten 20 Jahren umgerechnet über 600 Millionen Franken für solche Entschädigungsleistungen aufwenden – bezahlt aus Steuergeldern.

Ansetzen müsse man aber auch bei den Entschädigungszahlungen für die Opfer von Polizeigewalt. Künftig sollten die Polizei-Departemente dieses finanzielle Risiko selber tragen und nicht der Steuerzahler, findet Ray. Die Polizeichefs könnten es sich dann nicht mehr leisten, Polizisten in den eigenen Reihen zu dulden, die für hohe Entschädigungsleistungen verantwortlich sind. Doch dieser Vorschlag ist umstritten – nicht zuletzt bei den Polizeigewerkschaften.

Video
Die USA nach dem Tod von George Floyd
Aus #SRFglobal vom 04.06.2020.
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Rendez-vous vom 5.6.2020

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Franco Caroselli  (FrancoCaroselli)
    Hand aufs Herz. Gewalt ist in den USA all gegenwärtig. Ob Polizei, Gangs, Gefängnisse, Amokläufe. Die Waffenlibby trägt das Seine auch noch bei. Auf so eine Weltmacht oder Weltpolizisten kann ich sehr gut verzichten. Sehr gut sogar !!!!!
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Recht haben/ im Recht sein und effektiv Recht erhalten von Staates wegen, ist relativ und von verschiedenen Faktoren, Ansichten, Richtern abhängig!
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    1. Antwort von Bruno Müller  (Krötenprinz)
      Genau so ist es! Es gibt Studien, die klar aufzeigen, dass Richter nach der Mittagspause und dem Mittagessen milder urteilen als mit ungeduldigem, hungrigem Magen davor! Und natürlich spielen auch Hautfarbe, Aussehen und gesellschaftlicher Status des Täters eine grosse Rolle bei der Härte des Urteils. Nicht zu vergessen, die Vorverurteilung durch die Medien. Unvoreingenommene Rechtsprechung gibt es nicht.
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  • Kommentar von Thomas Steiner  (Tom Stone)
    Es gibt zu viele Waffen in Umlauf. Unglaublich, was da legal auf der Strasse dabei ist. Zudem gibt es eine hohe Arbeitslosigkeit und schwache Bildungseinrichtungen. Deshalb zu viele Kleinkriminelle und aggressive Polizisten. Da müsste als erstes angesetzt werden.
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