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Australiens Behörden gehen gegen weissen Terror vor
Aus HeuteMorgen vom 22.02.2021.
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Rechtsradikale in Down Under Australiens Geheimdienst nimmt rechten Terrorismus ins Visier

Lange hat sich Australiens Geheimdienst auf Islamisten konzentriert. Dabei wuchsen radikale rechte Gruppen ungehindert.

Weisser Terror ist, wenn Weisse – meist Männer – rechte Hetze betreiben. Jüngst geschehen in Halls Gap, einem kleinen Dorf im Süden Australiens. Eine Gruppe schwarz gekleideter junger Männer verbreitete Angst und Schrecken.

Sie grölten rassistische Parolen, mit Nazi-Emblemen auf der Brust, und zelebrierten ihre faschistische Gesinnung. Der Vorfall ist nur ein Beispiel für das wachsende Problem, das Mike Burgess, der Chef des australischen Geheimdienstes ASIO, schon im vergangenen Jahr schilderte.

Mike Burgess
Legende: Warnende Worte von Mike Burgess, dem Chef der Australian Security Intelligence Organisation (ASIO). imago images

Burgess – ein Mann, der normalerweise im Schatten arbeitet, ein Spion – trat ans Licht, und sagte: Die Gefahr des rechtsextremen Terrorismus in Australien sei real und wachse. In Vororten im ganzen Land träfen sich Gruppen von Neonazis zum Kampftraining und um hasserfüllte Ideologie zu teilen. Der Kampf gegen Rechtsextreme beansprucht inzwischen 40 Prozent der Kapazität der Spione. 2016 waren es noch zehn Prozent gewesen.

Das erstaunt die Terrorismusexpertin Ann Aly überhaupt nicht, wie sie in einem Onlineseminar erklärt. Überraschend sei nur, dass die Behörden ihren Fokus endlich auf die Gefahr von rechts gelegt hätten – auf die Gefahr, die von weissem Terror ausgehe. Denn über Jahrzehnte hatten sich Beamte und Politik auf potenzielle Terroristen aus dem islamistischen Lager konzentriert.

Attentat von Christchurch als Weckruf

Australien war lange führend im Kampf gegen diesen Terror, im Gleichschritt mit seinem Verbündeten, den USA. Derweil konnten sich im ganzen Land unbehelligt rechtsextreme Zellen mit einer rassistischen, weiss-nationalistischen oder fundamentalistisch-christlichen Ideologie entwickeln.

Sie sahen sich stimuliert vom terroristischen Erfolg Gleichgesinnter, wie dem australischen Amokläufer, der vor zwei Jahren in Neuseeland in zwei Moscheen 51 muslimische Betende erschossen hatte. Das Massaker war ein Weckruf, auch für den australischen Geheimdienst.

Bis heute verdrängt das weisse Australien, dass der Mörder aus seinen Reihen kam.
Autor: Ann AlyTerrorismusexpertin

Denn australische Rassisten und Faschisten feierten die Tat. Seither häufen sich Meldungen über Festnahmen von Neonazis, von motivierten Einzelkämpfern, denen die Planung von Angriffen vorgeworfen wird. Ann Aly, selbst Muslima, fällt auf, dass dabei die Polemik fehle, die normalerweise die Verhaftung islamistischer Verdächtiger begleite.

Konservative Politiker und Medien forderten die islamische Gemeinde sogar auf, sich für Terroristen in ihrer Mitte zu entschuldigen. Nicht so beim Massenmörder von Christchurch, der in einer typisch australischen Kleinstadt aufgewachsen war. Bis heute, sagt Ann Aly, verdränge das weisse Australien, dass der Mörder aus seinen eigenen Reihen kam.

HeuteMorgen, 22.02.2021, 07:08 Uhr

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Hanspeter Flueckiger  (Hpf)
    was ist mit dem linken Terror?
    1. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Flueckiger:Die letzten Jahre haben gezeigt,dass der rechtsextreme Terror ein viel grösseres Problem darstellt als der linksextreme. Z. B. Die Ermordung von Lübcke von rechtsextremer Seite her. Womöglich in Zush.mit Afd.Dann am 6. Januar der Sturm der «Trupps» auf Capitol mit 5 Toten,die Trump über Jahre aufgebaut und zum Protestmarsch aufs Capitol zumindest angerecht, im Grunde aufgerufen hatte.Dieses rechtspopul.Gedankengut hat in viele Länder infiltriert als fanatischer Nationalismus.
    2. Antwort von Claudia Beutler  (Claudia)
      Das ging aber schnell. Schon der erste Kommentar: was ist mit linksterrosisums? Ja den gibt es auch. Ist hier aber gerade nicht das, Thema. Ausserdem ist der Linksterrosisums deutlich zurückgegangen. Welche Linksterrosisten haben zuletzt Menschen ermordet? Die rechten jedes Jahr.
    3. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      Was für ein linker Terror ?
      Was habe Sie zum letzten Mal gehört / gesehen, wie linke Terroristen andere Menschen (gezielt) getötet (oder zur Tötung anderer aufgerufen haben) ?

      Berichten Sie doch bitte darüber,
      anstelle ihre Vorurteile hier zu präsentieren.
  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    In dem Bericht wird geschildert, wie Australien den Rechtsextremismus im eigenen Land viel zu lange unterschätzt hat. Und wie immer fühlt sich einer angriffen und sieht sich genötigt, den Linksextremismus und Sozialismus als mindestens genauso große, wenn nicht sogar größere Gefahr darzustellen. Das persönliche Empfinden, ersetzt dabei wie immer die Fakten.
    1. Antwort von Claudia Beutler  (Claudia)
      So ist es. Wobei der Rechtsterrorsmus deutlich tötlicher ist.
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Es gab eine Zeitspanne,da hat der Westen im Wesentlichen die Menschenrechtskonvention verbreitet und gelebt,wenn auch nicht durchgehend, aber mehrheitlich.In Europa wurde recht gut zusammenarbeitet im Sinn "nie mehr Krieg". Seit anfangs 90-er-Jahr hat sich schrittweise der Rechtspopulimsus breitgemacht bis in die Schweiz im Sinn eines oft überheblichen Nationalismus,der weltweit mit dem Aufstieg Trumps noch eine Steigerung erfuhr ohne klare Grenzen gegen rechtsextrem. Hier eines der Ergebnisse!
    1. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Sie blenden wiedermal vieles aus.
      Nach dem Krieg war auch die Blütezeit Europas nie gieng es Europa besser, das ist Heute nicht mehr so. Es gab auch noch nie solch sozialistische Auswüchse wie Heutzutage, was eifach auch nicht nur Vorteile hat.
      Das strikte negieren von kulturellen Unterschieden schon nur in Europa selbst von Linken Parteien ist ein Problem, das in Verbindung mit internationaler Gleichstellung und auch Rechten die Fremdenfeindlichkeit erheblich befeuert.
    2. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Gubser: Das ist eine politisch motivierte Unterstellung Ihrerseits, dass ich alles ausblenden würde. Ich stelle nicht in Frage, dass das Multi-Kulit auch Probleme mit sich bringt. Aber: Namhafte Korrespondenten, beileibe nicht politisch einseitig, bestätigen, das was ich schreibe. Sozialismus in unseren Reihen oder Linksextremismus ist längst nicht so ein virulentes Problem wie Rechtsnationalismus bzw. -extremismus, der in den letzten 30 Jahren viel Konstruktive in Europa verhindern half.
    3. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Korrigenda: Es muss heissen, dass Sie mir unterstellen, ich blende vieles aus.. ((nicht alles))
    4. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Gubser: gehe ich richtig in der Annahme, dass sie den Zusammenbruch des Ostblock nicht wissentlich erlebten?