Zum Inhalt springen

Header

Inhalt

Repression in Russland Alexej Nawalny – Putins Problemhäftling

Video
Aus dem Archiv: Sorgen um Nawalnys Gesundheitszustand
Aus Tagesschau vom 08.04.2021.
abspielen

Seit drei Monaten ist Alexej Nawalny hinter Gittern. Ist es ruhiger geworden um ihn? Im Gegenteil. Russlands wichtigster Häftling ist fast täglich ein Thema – im Internet, bei kritischen Medien. Nawalnys Anwälte und seine Familie berichten regelmässig, wie es ihm geht und veröffentlichen Botschaften in seinem Namen.

Die Nachrichten aus dem Straflager sind nicht gut. Alexej Nawalny befindet sich seit zwei Wochen im Hungerstreik. «Er kann nur noch mit Mühe sprechen, ist stark abgemagert», schildert Julia Nawalnaya den Zustand ihres Mannes in den sozialen Medien. Sie hat ihn kürzlich besucht. Der 1.90 Meter grosse, einst kräftige Mann wiege nur noch 76 Kilogramm. Er klagt zudem über starke Rückenschmerzen, Taubheitsgefühle in den Händen, leidet unter Husten und hatte zeitweise Fieber.

Mit anderen Worten: Nawalnys Gesundheitszustand ist miserabel – und er verschlechtert sich rapide. «Ich mache mir grosse Sorgen um ihn», schreibt Nawalnaya – fügt aber an: «Ich weiss, dass er nicht aufgeben wird.»

Die Botschaft ist klar: Nawalny kämpft. Mit seinem Hungerstreik kämpft er dafür, dass unabhängige Ärzte zu ihm vorgelassen werden. Die Gefängnisverwaltung verweigert ihm dies.

Der Gesundheitszustand des Häftlings sei zufriedenstellend, heisst es offiziell. Nawalny selbst berichtet, die Behörden würden sich darauf beschränken, ihn zum Essen zu verführen. So sei in der Zelle extra Poulet gebraten worden. Der köstliche Duft sollte den Hungerstreikenden verlocken, doch etwas zu essen. Vergeblich: Nawalny gab nicht nach.

Poulet gegen die Opposition

So zynisch solche Methoden sind, sie offenbaren auch: Alexej Nawalny ist für den Kreml ein Problem. Er sitzt zwar hinter Gittern – aber er ist nicht weg. Er ist immer noch da, er setzt die mediale Agenda, er will das System zu Zugeständnissen zwingen. Auch bei internationalen Kontakten muss sich Wladimir Putin mit dem Problemhäftling befassen. Als er kürzlich mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel telefonierte, sprach sie ihn nicht nur auf den russischen Truppenaufmarsch an der ukrainischen Grenze an, sondern auch auf Nawalny.

Die Staatsmacht versucht, den renitenten Gefangenen zu diskreditieren. Eine kremltreue «Menschenrechtlerin» suchte Nawalnys Haftanstalt auf – in Begleitung von staatsnahen Journalisten. Heraus kam ein TV-Beitrag darüber, wie schön und bequem es in russischen Gefängnissen sei. Schwer vorstellbar, dass das Publikum diese Propaganda-Märchen geglaubt hat.

Auch Kreml-Sprecher Dmitri Peskow muss sich öfter mit dem Fall auseinandersetzen, als ihm lieb ist: Immer wieder fragen kritische Medienschaffende nach dem Häftling Nummer 1. Dieser, antwortete Peskow einmal, sei ein «Bürger, dessen Weltanschauung ich widerlich finde». Eine Aussage, die man fast schon als Eingeständnis deuten könnte, dass Nawalny aus politischen Gründen sitzt.

Ein ungleicher Kampf

Fazit: Nawalny ist – obwohl in Haft – immer noch eine herausragende Figur in Russlands Politik. Er ist der einzige namhafte Gegner von Wladimir Putin.

Aber es ist auch ein ungleicher Kampf. Der eine ist Präsident im Kreml, der andere sitzt hinter Gittern: krank, ausgehungert und einem System ausgeliefert, das ihn schon einmal töten wollte. Auf dem Spiel steht nicht nur Nawalnys Freiheit, seine Gesundheit – auf dem Spiel steht auch sein Leben.

David Nauer

David Nauer

Russland-Korrespondent, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

David Nauer ist Korrespondent von Radio SRF in Russland. Von 2006 bis 2009 hatte Nauer für den «Tages-Anzeiger» aus Moskau berichtet, anschliessend aus Berlin.

Tagesschau, 08.04.2021, 19:30 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

24 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Navalny ist nicht der Problemhäftling von Putin aber von all seinen Unterstützenden in Europa welche noch nichts begriffen haben.
    1. Antwort von Hans Peter Auer  (Ural620)
      @(Vignareale): Einer der Einzigen, welcher noch nicht begriffen hat, dass RU die Menschenrechtskonvention ratifiziert hat und jedoch gegen Art. 1, Art 2 und Art 39 derer verstoesst scheinen wohl Sie selbst zu sein. Eigentlich beschaemend!
  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    "Auf dem Spiel steht nicht nur Nawalnys Freiheit, seine Gesundheit – auf dem Spiel steht auch sein Leben." Genau. Es ist jedoch zu hinterfragen, ob heutzutage ein Märtyrer-Tod in der russischen Gesellschaft etwas bewirken würde?
  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    An alle Putin Liebhaber: Wäre Navalny ein Nowbody wie viele weismachen wollen, könnte man ihn unbedenklich in Freiheit belassen. Dass man versucht hat, ihn zu vergiften und nachdem das fehlgeschlagen hat, ihn mit einem fragwürdigen Prozess ins Gefängnis gesteckt hat, spricht eindeutig gegen Putin. Putin ist kein Haar besser als sein Nachbar in Weissrussland.
    1. Antwort von Charles Grossrieder  (View)
      Wenn dem so ist, sollten sich doch die Russen am meisten über Putin aufregen? Dies scheint nur gering der Fall zu sein.
      Mir scheint aber eher, dass man im Westen Nawalny als Werkzeug benutzt um ein anti RU Image zu schüren und Sanktionen etc. zu erheben und eine neue RU Wirtschaftsmacht zu verhindern.
      Ähnlich wie man es mit China versucht.
      Alles was dieser Herr macht ist sehr durchdacht, wohl auch das Straflager; um maximum Wirkung zu erreichen. Dass es gelingt, spricht eher für Putin.