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Würden Sie am Freitag ins Stadion gehen, David Nauer?
Aus SRF 4 News aktuell vom 30.06.2021.
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Russischer Corona-Hotspot EM-Spielort St. Petersburg: Wie gefährlich wird es für Nati-Fans?

Die Lage in St. Petersburg ist angespannt. Doch die Behörden unternehmen nicht viel gegen die Ausbreitung des Virus.

Wie prekär ist die Ausgangslage? In St. Petersburg kommt es am Freitag zum EM-Viertelfinal zwischen der Schweiz und Spanien. Ausgerechnet jetzt, da Russland rekordhohe Coronazahlen vermeldet. Alleine in der 5-Millionen-Stadt St. Petersburg wurden am Dienstag knapp 1400 Neuinfektionen und 119 Tote registriert. Das ist kein gutes Vorzeichen für das EM-Spiel am Freitag.

Zudem muss man laut SRF-Russland-Korrespondent David Nauer davon ausgehen, dass die Zahl der Infizierten in Wirklichkeit noch sehr viel höher ist. «Die Spitäler in St. Petersburg stehen bereits unter enormem Druck. Es gibt Berichte von Ambulanzen, die stundenlang Schlange stehen, um Patienten einzuliefern. Und es gibt Berichte über Patienten, die auf dem Boden des Spitalkorridors liegen mussten, weil es keine freien Betten gab.»

Wie ist die Stimmung in der Stadt? St. Petersburg ist gerade im Sommer eine sehr lebensfrohe Stadt. Es wird in Restaurants gefeiert. Die Leute sind unterwegs, es wird auch schnell einmal eng in den Strassen der historischen Altstadt. So sei es auch jetzt, sagt Nauer: «Ich war an einem Musikfestival mit mehreren 1000 Besucherinnen und Besuchern. Eine Maske getragen hat so gut wie niemand. Es war, als gäbe es Corona nicht.» Die Menschen seien sorglos, fröhlich gewesen – «man könnte auch sagen, verantwortungslos».

300 Finnen infizierten sich bei Spielen

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In Finnland werden Pläne zur Lockerung der Beschränkungen durch infizierte EM-Besucherinnen und -Besucher gefährdet. Mindestens 300 Personen, die im Ausland Fussballspiele gesehen hätten, hätten sich mit dem Coronavirus angesteckt, teilen die Behörden mit. Die Zahl von rund 50 Infektionen pro Tag sei letzte Woche auf über 200 gestiegen und werde wohl weiter zulegen.

Es sei offensichtlich, dass dies auf zurückgekehrte Fussballfans zurückzuführen sei, sagt der Chef der Gesundheitsbehörde, Mika Salminen. Viele von ihnen hätten noch keine zweite Impfung erhalten. 4500 bis 6000 Fussballfans aus Finnland waren nach St. Petersburg gereist, um dort Spiele zu sehen. In Russland grassiert derzeit die Delta-Variante des Coronavirus. (reu)

Welche Vorkehrungen werden getroffen? Im Stadion selber darf nach jetzigem Stand nur jeder zweite Platz besetzt werden. Zudem herrscht Maskenpflicht. Dass diese tatsächlich durchgesetzt wird, bezweifelt Nauer. «Meine Erfahrung in Russland ist, dass man solche Pflichten eher lasch sieht.» Ansonsten gebe es in St. Petersburg nur wenige Einschränkungen. Restaurants und Bars seien offen. «Es gibt auch eine zentrale Fanzone, wo sich mehrere 1000 Fans versammeln können, um das Spiel zu verfolgen.»

Wieso reagiert die Stadt nicht schärfer? Die schönen Bilder, die es gibt von diesen Spielen, sollen nicht durch rigide Covid-Massnahmen getrübt werden. Das zeige auch ein Blick in die Vergangenheit, so der Korrespondent: «Für den russischen Staat sind grosse Sportereignisse sehr, sehr wichtig für das Prestige. Diese EM-Spiele haben eben auch diese Funktion. Es soll ein Fussballfest geben, einen PR-Erfolg. Den will man sich nicht nehmen lassen.»

Amherd, rechts, Ruth Metzler, links
Legende: Sportministerin Viola Amherd (rechts) wird das Spiel der Schweizer Nationalmannschaft gegen Spanien im Viertelfinale der Europameisterschaft in St. Petersburg besuchen. Keystone

Noch etwas sei bezeichnend, so Nauer: «Dass in russischen Medien mit einer gewissen Selbstverständlichkeit darüber diskutiert wird, dass nach dem letzten Spiel am Freitag in St. Petersburg wohl sehr harsche Massnahmen eingeführt werden sollen, aber eben nicht, solange noch gespielt wird.»

David Nauer

David Nauer

Russland-Korrespondent, SRF

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David Nauer ist Korrespondent von Radio SRF in Russland. Von 2006 bis 2009 hatte Nauer für den «Tages-Anzeiger» aus Moskau berichtet, anschliessend aus Berlin.

SRF 4 News, 30.06.2021, 06:45 Uhr;

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120 Kommentare

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  • Kommentar von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
    Ich bin entsetzt, wenn ich diesen Artikel lese und zwar aus folgendem Grund: Heute Abend findet im KKL endlich wieder ein Konzert - unter strengsten Coronabedingungen - statt. Das Programm wurde auf Geheiss der Luzerner Regierung um 2 kurze Werke gekürzt, weil keine Pause stattfinden darf. Aber es macht scheinbar nichts, wenn sich nach Moskau gereiste Nati-Fans beim Match anstecken. (heftiges Kopfschütteln!!!!!)
  • Kommentar von Susanne Hader  (Susi Wong)
    Alle diese vorher herangegangenen Diskussionen sind wohl ein Witz.
    Jeder Mensch der normal denken kann weiss ganz genau welche Risiken, egal mit wie viel Sicherheitsvorkehrungen das Ganze hier mit sich bringt.
    Fakt ist, dass die UEFA mit ihren Entscheidungen anscheinend über der Politik stehen und dies zulasten der Krankenkassen in ganz Europa.
  • Kommentar von Peter Billeter  (Illusiontrust)
    Den Nati-Fans wird irgendein Gefahren-Artikel ziemlich egal sein und können wpohl eigenverantwortlich Entscheiden was wichtig für sie ist. Wichtig ist, Freude am Leben und ein Höhepunkt ist ein solches Ereignis. Man kann nicht immer nur überleben, so geht man zugrunde und aus uns werden unglücklich herumwandelnde Kreaturen. Also holt am Freitag die Fähnchen raus und jubelt.