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Russland und Iran Was tut Russland, falls das Mullah-Regime stürzt?

Die Proteste in Iran ebben nicht ab. Berichte über mehrere tausend Getötete und drohende Hinrichtungen sind im Umlauf. Was genau vor sich geht, lässt sich nicht sagen. Ebenso wenig, ob das Mullah-Regime diesmal stürzen könnte. Mit Argus-Augen beobachtet Russland als strategischer Partner Irans die Entwicklung. Ein Blick auf die Verflechtungen zwischen Moskau und Teheran mit SRF-Russland-Korrespondent Calum MacKenzie.

Calum MacKenzie

Russland-Korrespondent

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Calum MacKenzie ist Russland-Korrespondent von Radio SRF. Er hat in Bern, Zürich und Moskau Osteuropa-Studien studiert.

Wie gross ist das Exportvolumen iranischer Waffen an Russland?

Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete jüngst gestützt auf westliche Geheimdienste von iranischen Waffenlieferungen an Russland im Wert von vier Milliarden Dollar seit 2021. Dazu gehören ballistische Raketen, Flugabwehrraketen, Drohnen und Artilleriemunition. Die Waffen wurden über das Kaspische Meer nach Russland verschifft. Besonders bekannt sind die sehr kostengünstigen iranischen Kamikaze-Drohnen, mit denen Russland seit Jahren die Ukraine täglich massenweise beschiesst.

Ist Russland nach wie vor auf Waffen aus dem Iran angewiesen?

Russland hat sich in den letzten Jahren etwas unabhängiger gemacht und produziert die Kamikaze-Drohnen selbst in eigenen Fabriken. Munition kommt auch aus anderen Quellen wie Nordkorea. So waren die Waffenlieferungen aus dem Iran vor allem im ersten Jahr des Ukraine-Kriegs wichtig, als sich die russische Armee unerwartet in einem langfristigen Abnutzungskampf wiederfand und es an Material fehlte.  

Wie weit unterstützt der Kreml die Regierung in Teheran?

Im Hintergrund scheint es gewisse Anstrengungen von Moskau zu geben, die iranische Regierung zu unterstützen. Treffen von hochrangigen Beamten finden statt. Russland soll laut Beobachtern Kampfhelikopter und Truppentransporter in den Iran geliefert haben. Aber bislang äusserte sich der Kreml zu den Protesten im Iran noch nicht offiziell.

Wie steht es um den wirtschaftlichen Austausch Iran-Russland?

Der Iran ist für Russland in dem Sinne wirtschaftlich interessant, weil Teheran seit Jahrzehnten von vielen Ländern sanktioniert und so von grossen Teilen der Weltwirtschaft abgeschnitten ist. Die jetzt ebenfalls sanktionierten Russen haben genau beobachtet, wie der Iran damit umgeht und welche Fehler Teheran gemacht hat. Ansonsten hält sich der Handel zwischen den beiden Ländern eher in Grenzen. Beide Länder haben wichtigere Handelspartner.

Würde Russland militärisch reagieren, wenn die USA Teheran angreifen?

Ein militärisches Eingreifen halte ich für eher unwahrscheinlich. Die Partnerschaft mit dem Iran ist eher ein Zweckbündnis, von dem Moskau zeitweise profitiert hat. Die Beziehungen sind letztlich nicht so eng. Vor allem aber ist Russland militärisch völlig auf die Ukraine konzentriert und hat nicht die Ressourcen, um Teheran wirklich unter die Arme zu greifen. Das zeigte sich bereits beim Sturz des Assad-Regimes in Syrien, als Russland nicht helfen konnte.

Was, wenn in Teheran ein US-Vertrauter an die Macht käme?

Ohne Syrien und den Iran hätte Russland bald gar keine Freunde mehr im Nahen Osten. Russland wäre zwar gern die Grossmacht, die überall auf der Welt Einfluss hat, ist dazu aber einfach nicht stark genug. Für den Kreml hat der Kampf gegen die Ukraine absolute Priorität und Russland opfert dafür viel. Ganze Wirtschaftssektoren leiden, weil das Land auf Kriegsführung ausgerichtet ist. Das Schicksal des iranischen Regimes ist nur eines von vielen Themen, das Russland zugunsten des Angriffs auf die Ukraine bereit ist, zu vernachlässigen.

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Rendez-vous, 14.01.2026, 12:30 Uhr ; 

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