Steigende Anzahl Opfer: Die Zahl der Todesopfer im Iran stieg am frühen Mittwoch auf mindestens 2571, wie die in den USA ansässige Aktivistengruppe «News Agency» berichtete. Dies übertrifft bei weitem die Zahl der Todesopfer aller anderen Proteste im Land in den letzten Jahre. Das Staatsfernsehen bestätigte erstmals offiziell die Todesfälle und zitierte einen Beamten mit den Worten, das Land habe «viele Märtyrer».
Das sagt Donald Trump: «Wir werden sehr hart reagieren», sagte der US-Präsident dem TV-Sender CBS News in Detroit. Näher führte Trump die Drohung nicht aus. Die iranische Justiz hatte zuvor die ersten Protestteilnehmer vor Gericht gestellt. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte, dass bereits heute das erste Todesurteil vollstreckt werden könnte. «Falls sie das machen, werden wir sehr entschlossen handeln», so Trump.
Das sagt das iranische Regime: Ali Larijani, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates des Iran, reagierte mit folgenden Worten auf die Äusserungen des US-Präsidenten: «Wir nennen die Namen der Hauptmörder des iranischen Volkes: 1. Trump, 2. der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.»
Angespannte Ruhe in Teheran: In der iranischen Hauptstadt herrscht unterdessen angespannte Ruhe, wie Bewohner Nachrichtenagenturen erzählten, nachdem am Dienstag erstmals wieder Anrufe ins Ausland möglich waren. Seit Samstag seien die Demonstrationen zunehmend kleiner geworden, hiess es.
Die Zahlen im Detail: Die Aktivistengruppe «News Agency» gab an, dass 2403 der Toten Demonstrierende und 147 Regierungsangehörige waren. Zwölf Kinder wurden getötet, ebenso wie neun Zivilisten, die laut Angaben der Gruppe nicht an den Protesten teilgenommen hatten. Mehr als 18’100 Menschen wurden festgenommen, so die Gruppe. Die Opferzahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Schüsse auf Kopfhöhe: Der britische «Guardian» berichtete unter Berufung auf Ärzte in Teheran, dass es sich bei Schusswunden von Demonstrierenden meist um Verletzungen an den Augen handele. Die Sicherheitskräfte würden absichtlich auf den Kopf schiessen. Das sei laut Menschenrechtlern eine schon bei früheren Protesten angewandte Taktik, berichtete die Zeitung weiter. Ein Augenarzt habe allein in einem Spital mehr als 400 durch Schüsse verursachte Augenverletzungen dokumentiert. Vielen Patienten hätten die Augen entfernt werden müssen.
Das sagt der Iran-Experte: Dass das iranische Regime dermassen brutal vorgeht, überrascht Ali Fathollah-Nejad nicht, wie er SRF sagt: «Dieser Aufstand ist für das Regime durchaus gefährlich einzustufen.» Dieser Brutalität sei es auch geschuldet, dass der «Repressionsapparat» zu einer Schrumpfung der Protestbewegung geführt habe. Fathollah-Nejad, der den Thinktank Center for Middle East and Global Order in Berlin leitet, hält eine Niederschlagung durchaus für möglich. Aber: «Die Lage wird sich wieder zuspitzen, weil das Regime nicht willens ist, auf die strukturellen Probleme der Menschen einzugehen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir es mit einem vielleicht noch grösseren Aufstand zu tun haben. Insgesamt sehe ich auch, dass der Sicherheitsapparat perspektivisch bröckeln wird, weil die Wirtschaftskrise nicht Halt macht vor dem Leben der Soldaten, sodass ich denke, dass diese Wirtschaftskrise auch dieses letzte Schutzschild des Regimes porös machen könnte.»