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Tausende Tote Lage im Iran spitzt sich zu – das Wichtigste

Die Zahl der Toten im Iran hat gemäss einer Aktivistengruppe 2500 überschritten. Ein Überblick zu den Protesten.

Steigende Anzahl Opfer: Die Zahl der Todesopfer im Iran ist auf mindestens 2571 gestiegen, wie die in den USA ansässige Aktivistengruppe «News Agency» berichtete. Dies übertrifft bei weitem die Zahl der Todesopfer aller anderen Proteste im Land in den vergangenen Jahren. Das Staatsfernsehen bestätigte erstmals offiziell Todesfälle.

Das sagt Donald Trump: Zunächst sagte der US-Präsident am Mittwochnachmittag (Schweizer Zeit) gegenüber dem TV-Sender CBS: «Wir werden sehr hart reagieren», ohne die Drohung näher auszuführen. Auf die Möglichkeit vollstreckter Todesurteile im Iran angesprochen, erklärte er: «Falls sie das machen, werden wir sehr entschlossen handeln». Einige Stunden später behauptete er, die Tötung iranischer Demonstranten sei «eingestellt worden». Zudem seien keine Hinrichtungen geplant, sagt Trump.

Berichte: Trump wurde von Angriff abgeraten

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Israelische und arabische Regierungsvertreter sollen Trumps Regierung nach Informationen des US-Senders NBC News nahegelegt haben, vorerst von einem Angriff auf den Iran abzusehen. Sie seien der Ansicht, dass die Führung in Teheran möglicherweise noch nicht ausreichend geschwächt ist, um durch einen US-Angriff gestürzt zu werden, berichtete der Sender. Er berief sich auf einen amtierenden und einen ehemaligen US-Beamten, eine mit Israels Überlegungen vertraute Person sowie zwei arabische Regierungsvertreter.

Einige würden es vorziehen, abzuwarten, bis die Führung in Teheran noch stärker unter Druck gerät, hiess es. Die Lage im Iran entwickle sich rasch. Die Stabilität des Regimes könne sich schnell in die eine oder andere Richtung verändern. Das «Wall Street Journal» berichtete, Irans arabische Rivalen hätten sich bei der US-Regierung gegen einen Angriff auf Teheran ausgesprochen.

Hinter den Kulissen hätten Saudi-Arabien, Oman und Katar das Weisse Haus gewarnt, dass ein Versuch, die iranische Führung zu stürzen, die Ölmärkte erschüttern und letztlich der US-Wirtschaft schaden würde, wurden arabische Beamte zitiert. Vor allem fürchteten sie Auswirkungen in den eigenen Ländern.

USA ziehen Personal ab: Die USA haben einigen ihrer Mitarbeiter Medienberichten zufolge nahegelegt, den US-Militärstützpunkt Al-Udeid am Rande der katarischen Hauptstadt Doha zu verlassen. Dabei handele es sich um eine «Vorsichtsmassnahme», zitierte der US-Sender CNN einen namentlich nicht genannten US-Beamten. Das staatliche Medienbüro in Katar bestätigte in einem auf der Plattform X verbreiteten Statement entsprechende Medienberichte. Am Mittwochabend forderte das polnische Aussenministerium polnische Staatsbürger dringend auf, den Iran unverzüglich zu verlassen. Auch Italien rief seine Bürger dazu auf, das Land zu verlassen.

Das sagt das iranische Regime: Ali Laridschani, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates des Iran, reagierte mit folgenden Worten auf die Äusserungen des US-Präsidenten: «Wir nennen die Namen der Hauptmörder des iranischen Volkes: 1. Trump, 2. der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.»

Menschen protestieren nachts vor einem grossen Feuer auf der Strasse.
Legende: US-Präsident Donald Trump hat die Staatsführung der Islamischen Republik Iran vor der Hinrichtung von Teilnehmern der jüngsten Massenproteste gewarnt. Keystone/UGC via AP

Angespannte Ruhe in Teheran: In der iranischen Hauptstadt herrscht unterdessen angespannte Ruhe, wie Bewohner Nachrichtenagenturen erzählten, nachdem am Dienstag erstmals wieder Anrufe ins Ausland möglich waren. Zwar seien an vielen wichtigen Orten der Stadt noch Polizisten und Sicherheitskräfte stationiert, jedoch nicht mehr in einem Ausmass wie am letzten Wochenende, berichteten Einwohner in Teheran.

Die Zahlen: Die Aktivistengruppe «News Agency» gab an, dass 2403 der Toten Demonstrierende und 147 Regierungsangehörige waren. Zwölf Kinder wurden getötet, ebenso wie neun Zivilisten, die laut Angaben der Gruppe nicht an den Protesten teilgenommen hatten. Mehr als 18'100 Menschen wurden festgenommen.

Starlink-Verbindung im Iran angelaufen

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Elon Musks Weltraumfirma SpaceX hat ihren Satellitendienst für das Land kostenlos gemacht. Entsprechende Informationen von Aktivisten wurden dem Finanzdienst Bloomberg von SpaceX-Kreisen bestätigt. SpaceX machte dazu zunächst keine offiziellen Angaben.

Um Starlink zu nutzen, braucht man spezielle Antennen und Empfangsgeräte. Sie sind im Iran verboten, werden aber dennoch ins Land geschmuggelt. Nach früheren Schätzungen könnten sich etwa 20'000 der Terminals im Land befinden. Die Gruppe Holistic Resilience, die für Internet-Zugänge im Iran sorgen will, geht inzwischen sogar von mehr als 50'000 Geräten aus, wie ihr Chef Ahmad Ahmadian Bloomberg sagte.

Die kompakten Terminals kommunizieren direkt mit Starlink-Satelliten, was sie unabhängiger von Massnahmen von Regierungen macht. Iranischen Behörden gelang es aber Medienberichten zufolge bereits, den Starlink-Empfang teilweise zu stören.

Festnahme mutmasslicher Protestführer: Der iranische Sicherheitsapparat hat die Festnahme mutmasslicher Protestführer im Westen des Landes gemeldet. Einige «Hauptverantwortliche für die Unsicherheit» in der Provinz Tschaharmahal und Bachtiari seien vom Geheimdienst der Revolutionsgarden gefasst worden. Laut Menschenrechtlern droht bereits die erste Hinrichtung eines Demonstranten.

Das sagt der Iran-Experte

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Dass das iranische Regime dermassen brutal vorgeht, überrascht Ali Fathollah-Nejad nicht, wie er SRF sagt: «Dieser Aufstand ist für das Regime durchaus gefährlich einzustufen.» Dieser Brutalität sei es auch geschuldet, dass der «Repressionsapparat» zu einer Schrumpfung der Protestbewegung geführt habe.

Fathollah-Nejad, der den Thinktank Center for Middle East and Global Order in Berlin leitet, hält eine Niederschlagung durchaus für möglich. Aber: «Die Lage wird sich wieder zuspitzen, weil das Regime nicht willens ist, auf die strukturellen Probleme der Menschen einzugehen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir es mit einem vielleicht noch grösseren Aufstand zu tun haben. Insgesamt sehe ich auch, dass der Sicherheitsapparat perspektivisch bröckeln wird, weil die Wirtschaftskrise nicht Halt macht vor dem Leben der Soldaten, sodass ich denke, dass diese Wirtschaftskrise auch dieses letzte Schutzschild des Regimes porös machen könnte.»

Schüsse auf Kopfhöhe: Der britische «Guardian» berichtete unter Berufung auf Ärzte in Teheran, dass es sich bei Schusswunden von Demonstrierenden meist um Verletzungen an den Augen handele. Die Sicherheitskräfte würden absichtlich auf den Kopf schiessen. Das sei laut Menschenrechtlern eine schon bei früheren Protesten angewandte Taktik. Ein Augenarzt habe allein in einem Spital mehr als 400 durch Schüsse verursachte Augenverletzungen dokumentiert.

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SRF 4 News, 14.1.2025, 16 Uhr ; 

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