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Konflikt in der Sahel-Zone spitzt sich zu
Aus Tagesschau vom 16.08.2020.
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Sahelzone Anschlag im Niger zeigt: Kampf gegen Terror weitgehend erfolglos

Der Anschlag auf Entwicklungshelfer wirft ein Schlaglicht auf die sich dramatisch verschlechternde Sicherheitslage in der westafrikanischen Sahel-Region.

Sie waren im Naturpark unterwegs, in dem die letzten Giraffenherden Westafrikas vorkommen, eine Autostunde von der nigrischen Hauptstadt Niamey entfernt: Sechs junge französische Entwicklungshelfer der Organisation ACTED, zusammen mit einem lokalen Guide und einem Chauffeur.

Bei Kouré wurden sie von Bewaffneten auf Motorrädern abgefangen und getötet. Der Naturpark galt als ungefährlich, anders als das Dreiländereck zwischen Mali, Niger und Burkina Faso.

Ein Mann läuft auf das Büro des Giraffenreservates zu.
Legende: Die sechs Personen wurden im Giraffenreservat in Niger in der Nähe von Niamey getötet. Reuters

In der einstigen Vorzeigedemokratie Mali herrscht seit 2012 politisches Chaos. Nach einem Militärputsch gelang es islamistischen Gruppen, zwei Drittel des Landes zu besetzen. Auf Bitten der malischen Regierung griff Frankreich ein und drängte die Dschihadisten zurück.

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Aus dem Archiv: Antiterrortreffen der Sahel-Staaten in Frankreich
Aus Tagesschau vom 13.01.2020.
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Kurz darauf entschieden auch die Vereinten Nationen, die Stabilisierung des Landes zu unterstützen und zu verhindern, dass die Sahelzone ein Rückzugsort des globalen Dschihadismus wird. An der UNO-Mission Minusma sind rund 10'000 Soldaten beteiligt.

Suche nach politischen Antworten

Dazu hat Frankreich mit der Militäroperation «Barkhane» 5000 Mann in den fünf Sahelstaaten Mali, Niger, Mauretanien, Burkina Faso und Tschad stationiert.

Ein französischer Soldat macht sich mit viel Gepäck für die Operation Barkhane in Mali bereit.
Legende: 5000 Soldaten hat Frankreich mit der Militäroperation «Barkhane» in der Sahelregion stationiert. Auch in Mali, hier im Bild. Reuters

Ihr Kampf gegen den transnationalen Terrorismus hat sich in der dünn besiedelten, kargen Landschaft von der Grösse Europas aber inzwischen zu einem mühseligen Kleinkrieg entwickelt. Die kleinen, auf Motorrädern sehr mobilen Dschihadisten-Grüppchen sind nur schwer zu fassen. Sie greifen nicht frontal an, sondern durch Attentate und Hinterhalte.

Die unablässigen Angriffe zermürben die Bevölkerung. Seit 2016 haben sich die Anschläge im Dreiländereck verfünffacht. 2019 gab es über 4000 Opfer. Was zeigt, dass eine militärische Antwort auf islamistische Gewalt allein nicht ausreicht.

Man kann bereits beobachten, wie sich die Bedrohung geografisch ausweitet.
Autor: Niagalé BagayokoPolitikwissenschaftlerin

«Es genügt nicht, diese Terrorgruppen einfach zu eliminieren», sagt die Politikwissenschaftlerin Niagalé Bagayoko. Es brauche eine funktionierende Justiz, mehr Rechtsstaatlichkeit.

Schlechte Regierungsführung, Korruption und Vetternwirtschaft begünstigen ein Klima, in dem Terrorismus, Bandenkriminalität und ethnische Gewalt eine Eigendynamik entwickeln. «Man kann bereits beobachten, wie sich die Bedrohung geografisch ausweitet», warnt die Vorsitzende des African Sector Security Networks.

Anti-französische Stimmung

Auch formiert sich zunehmend Widerstand gegen die Präsenz französischer Einheiten in der Sahel-Region. «Frankreich zahlt den Preis seiner kolonialen Vergangenheit», erklärt der Journalist und Subsahara-Experte Paul Deutschmann. «Weshalb Präsident Emanuel Macron versucht, von den G5-Sahelstaaten ein klares Bekenntnis zum Einsatz und die Unterstützung der EU zu erhalten.» Es bestehe das Risiko, dass es Frankreich ergehe wie den USA in Afghanistan.

Tagesschau, 16.08.2020, 19:30 Uhr

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI  (Aetti)
    Terror...? Das ist kein Terror, das ist fanatischer Islamismus...
  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    5000 zuverlässige französische Soldaten für ein Gebiet, das fast so gross wie Europa ist … das wird wohl nicht funktionieren. Europa seinerseits lässt Frankreich mit dieser Aufgabe nahezu alleine. Wenn dann die Migration an die Tür klopft, mithilfe von IS und Schleppern, sowie ein paar naiv Gutgläubigen, merken wir, dass wir massiv mehr für diesen Raum in unserem ureigensten Interesse tun sollten.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Ueli Lang: Die Schweiz gehört aber auch zu Europa und muss sich überlegen, ob man immer abseits stehen und unser Nachbarland im Stich lassen will.
    2. Antwort von Philipp Moreno  (HOC)
      Bevor hier Unwahrheiten verbreitet werden, Herr Leu die Schweiz ist in Mali dreifach eigentlich sogar vierfach tätig(Wirtschaftsinteressenvertretung ist aber nichts worauf ich persönlich stolz bin). Einerseits diplomatisch, andererseits humanitär und drittens ist auch die Schweizer Armee mit ein paar Vertretern da(und wie erwähnt natürlich das Seco).
    3. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Philipp Moreno: Wie sollen solche Länder sich entwickeln können, wenn man gegen Wirtschaftsbeziehungen ist? Die Schweiz ist reich geworden, weil sie seit Beginn der Industrialisierung daran gearbeitet hat, mit möglichst vielen Ländern der Welt Wirtschaftsbeziehungen aufzunehmen. Wenn Sie sich abschotten geht das nicht. Dann hinken Sie um Jahrzehnte hinter den Entwicklungen der anderen her. Deshalb: 1. Sicherheit gewährleisten. 2. Wirtschaftsbeziehungen aufnehmen (Investitionen, Handel, etc.).
    4. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      @T.Leu
      Aus meiner Sicht stehen wir hier als neutrales Land nicht in der ersten Pflicht, wenigstens was Soldaten und ähnliches betrifft. Im Rahmen eines UN Mandates, so wie wir das in Mali tun, einen Beitrag in der militärischen Friedensförderung zu leisten, ist sicher richtig. Terrorbekämpfung im Sinne einer aktiven Kriegführung ginge aber zu weit. Da sind andere europäische Staaten mehr gefordert, Deutschland beispielsweise. Wir haben andere Möglichkeiten (Wirtschaft, Hilfe zur Selbsthilfe).
  • Kommentar von Beat Kessler  (KLERUS)
    Periphere-Sogwirkung.. Wir können es drehen und wenden wie wir wollen. Wenn der Westen interveniert, stärkt es diametral die Rebellen/Terroristen. Wenn der Westen nicht interveniert, stärkt es ebenfalls die Rebellen/Terroristen. Das Grundproblem ist unsere postkoloniale Sicht der Dinge. Wir glauben immer noch das diese Staaten Entwicklung benötigen, aber ob dies wirklich notwendig ist..? Im Grunde ist die Idee der Entwicklungshilfe, eine Form von Rassismus und dient eher unserem Gewissen!
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Beat Kessler: Was soll denn Europa tun? Einfach die Flüchtlinge verwalten und warten bis China die afrikanische Wirtschaft vor der europäischen Haustüre übernimmt? Reichlich fatalistisch, finde ich.
    2. Antwort von Beat Kessler  (KLERUS)
      @Leu: Ich schrieb nicht, dass wir Nichts tun sollten. Ich schrieb, dass wir einen falschen Ansatz gewählt haben! Die steten Interventionen der letzten 100 Jahre, haben im Grunde ein noch grösseres Chaos hinterlassen. Dies, weil verschiedene Akteure verschiedene Interessen verfolgten, oder nicht genehme Regierungen mit noch radikaleren Regierungen ersetzt wurden. Wie zum Beispiel Herr Mossadegh mit dem Schah, usw. Jetzt erleben wir die Nachwehen einer gescheiterten Interventionspolitik! MfG
    3. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Beat Kessler: Kritische Selbstreflektion ist sicher gut. Meine Frage war: "Was soll Europa jetzt tun in Anbetracht der "missratenen" Geschichte, die wir nicht mehr ändern können." Die betroffenen Länder sind seit +/- 70 Jahren unabhängig und trotzdem nimmt der Terrorismus zu. Am Tag der Unabhängigkeit und danach herrschte Freude und Aufbruch; kein Terrorismus. Wie gehen wir in Zukunft damit um, wissend, dass wir Fehler gemacht haben? Afrika ist und bleibt unser Nachbar und tangiert auch uns.