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«Nordstream 2»: US-Präsident Trump unterzeichnet Sanktionspaket
Aus Echo der Zeit vom 21.12.2019.
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Sanktionen gegen Nord Stream 2 «Die Amerikaner möchten den Europäern ihr Gas verkaufen»

Die USA nehmen Unternehmen ins Visier, die am Milliardenprojekt Nord Stream 2 mitarbeiten. Dahinter stecken vor allem eigene wirtschaftliche Interessen.

US-Präsident Donald Trump hat seine Unterschrift unter ein Sanktionen-Paket gesetzt. Im Fokus steht das Milliarden-Projekt Nord Stream 2, die Ostsee-Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland. Unternehmen, die am Bau dieser Pipeline mitarbeiten, drohen Sanktionen – per sofort.

Das zeigt bereits Wirkung: Die schweizerisch-niederländische Firma «Allseas», die Spezialschiffe zur Pipeline-Verlegung betreibt, hat ihre Mitarbeit am Grossprojekt sistiert. Wirtschaftsredaktor Jan Baumann sagt, das bedeute nicht das Ende des Projekts.

Jan Baumann

Jan Baumann

Wirtschaftsredaktor, SRF

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Jan Baumann ist seit 2013 Wirtschaftsredaktor bei SRF. Davor arbeitete er während rund zehn Jahren als Redaktor für die Zeitung «Finanz und Wirtschaft», unter anderem als USA-Korrespondent.

SRF News: Was haben die USA für ein Problem mit Nord Stream 2?

Die Trump-Regierung begründet die Sanktionen offiziell damit, dass man Europa davor bewahren will, zu stark von russischem Gas abhängig zu werden. Schon heute kommt rund ein Drittel der Gaslieferungen nach Europa aus Russland – unter anderem über eine Pipeline, die durch die Ukraine führt. Dies ist Amerika schon seit langem ein Dorn im Auge, nicht erst seit Trump Präsident ist.

Die Amerikaner möchten den Europäern mehr von ihrem eigenen Flüssig-Gas verkaufen. Nur: Dieses ist teurer als das russische Gas. Die Sanktionen gegen Nord Stream 2 sind also vor allem ein Druck-Mittel. Europa soll besser amerikanisches Flüssiggas importieren, als die neue Pipeline von Russland nach Deutschland fertig zu bauen.

Könnte der Plan der USA aufgehen?

Das ist schwer zu sagen. Sicher müssen die Firmen, die am Bau beteiligt sind, nun genau schauen, was noch möglich ist. Fürs Erste sind nun die Arbeiten in der Ostsee mit den Spezialschiffen von «Allseas» unterbrochen. Ein Sprecher der Nord Stream 2 sagte heute, man werde zusammen mit «Allseas» schauen, wie das neue US-Gesetz im Detail zu interpretieren sei. Dazu gehören Fragen zu den betroffenen Verträgen, oder wie die Bauarbeiten in der Ostsee heruntergefahren werden können, ohne die Umwelt zu gefährden. Hierzu müssen auch die US-Behörden noch wichtige Antworten liefern.

Karte der Nord Stream 2.
Legende: Mit Nord Stream 2, die parallel zur schon bestehenden Pipeline Nord Stream 1 verläuft, soll mehr Gas aus Russland nach Deutschland und damit nach ganz Europa gelangen. SRF

Bei der Umsetzung von harten Sanktionen hat die USA auch schon eine gewisse Milde walten lassen. Werden die Verantwortlichen von Nord Stream 2 darauf setzen?

In der Schaltzentrale von Nord Stream 2 in Zug hofft man in der Tat auf eine nicht allzu harte Umsetzung der Sanktionen. Dort heisst es offiziell, dass man «an der schnellstmöglichen Fertigstellung des Projekts» weiterarbeite. Das neue Gesetz der Amerikaner ist aber sicher kein ungefährlicher Papiertiger. Dieser Tiger hat scharfe Zähne, und der Dompteur sitzt in Washington. Das macht das Ganze unberechenbar.

Zumindest bedeutet es eine Verzögerung der Pipeline?

Mit Sicherheit verzögert sich der Abschluss um Wochen, wenn nicht um Monate oder Jahre. Im Extremfall müsste der russische Staatskonzern Gazprom, der hinter dem Projekt steht, andere Spezialfirmen finden, die die anspruchsvollen Arbeiten in der Ostsee durchführen könnten. Vorzugsweise wären das russische Firmen, die gewissermassen «sanktions-resistent» sind. Einfach würde diese Suche aber nicht.

Was hat die Verzögerung für Auswirkungen auf Länder wie Deutschland, die über Nord Stream 2 Gas beziehen wollen?

Mit gravierenden wirtschaftlichen Auswirkungen ist vorläufig nicht zu rechnen. Da sind sich die Experten einig. Dies ist auch so, weil es eben noch andere Wege gibt für russisches Gas nach Europa. Aber längerfristig könnten die Preise für Gas steigen – in ganz Europa.

Das Gespräch führte Beat Soltermann.

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US-Sanktionen gegen Nord Stream 2
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47 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Bär  (Wahrheitssucher)
    Dachte immer die Amis seien die Verfechter des Kapitalismus und der freien Marktwirtschaft. Offenbar unter Trump weit gefehlt! Er führt mit allen Wirtschaftskriege, sogar mit den Verbündeten. Höchste Zeit, dass sich Europa vom Diktator Trump nichts mehr sagen lässt. Jetzt erst recht muss Nord Stream 2 so schnell wie möglich fertiggestellt werden, damit die USA wissen, dass es Grenzen gibt und sie nicht die Weltherrscher sind!
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    1. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      Patriotismus und Nationalismus sind in den USA sehr ausgeprägt. Dort wird kaum global gedacht. Unter Trump ist „america first“ wieder an erste Stelle gerückt. Andere Länder zu erpressen und zu bedrohen, ohne von denen attackiert zu werden, hat mit demokratischem Verständnis, wirklich nichts zu tun!!
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  • Kommentar von Armin Spreter  (aspre)
    O-Ton von den Senatoren Ted Cruz - der das Sanktionsgesetz eingebracht hat - und Ron Johnson "Sollte die CH Firma die Arbeiten aber auch nur für einen einzigen Tag nach Unterzeichnung des US-Sanktionsgesetzes fortführen, drohten ihr potenziell vernichtende rechtliche und wirtschaftliche Sanktionen“. Das braucht wohl nicht weiter kommentiert zu werden. In vielen Forumsbeiträgen ist der Tenor : D soll es richten. D allein gegen die USA ?
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  • Kommentar von Remo Tschanz  (remotschanz)
    Das Gesetz schädigt direkt und mit Vorsatz ein Unternehmen in der Schweiz. Welche Gegenmassnahmen plant unsere Regierung? Es wird Zeit, dass Ueli Maurer mal wieder bei seinem 'gradlinigen' Kumpel in New York vorbei schaut!
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